Kuba: Freihändig und betrunken im Bim Bom► Seite 2

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Datum: 14. Mai 2011
Uhrzeit: 04:54 Uhr
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Und sobald es dunkel wird, oder noch ein bisschen später, trifft sich dort das Nachtvolk. Das ganze Straßendelta rund um das Bim Bom ist mehr oder weniger der inoffizielle Schwulentreff von Havanna; zumindest einer davon. Wenn Du also als männlicher Tourist von den Jungs dort mit sehr viel Interesse wahrgenommen wirst und als Frau beinahe überhaupt nicht – nichts dabei denken; hier sind die Nachtfalter, die Glücksritter und Abenteuer, aber hier seyen auch Tyger – also Vorsicht. Unser Freund sagte uns, dass es hier durchaus eine sehr milde Form der Kriminalität gäbe, die allerdings von der Naivität des Besuchers abhängt. Für den, der nicht blöd ist, gibt es dort keine Kriminalität, schlimmstenfalls lästige Begegnungen mit halbwüchsigen Jungs, die sich aufdringlich prostituieren.

Beim Bim Bom, also auf der Terrasse oder rundherum, kann man hemmungslos versumpfen, wenn man das möchte. Ratsam ist, eine Kopie des Reisepasses bei sich zu haben, oder einen Personalausweis. Das Geld am besten lose in der Hosentasche, keine Brieftasche. Ich muss ja nicht extra erwähnen, dass überall auf der Welt, und nicht speziell in Havanna, dort, wo die Nachtfalter ums spärliche Licht flattern, auch Taschendiebstahl, Trickbetrug und Belästigungen vorkommen. Dies lässt sich weder an Kuba noch an Havanna, nicht an der kubanischen Regierung und auch nicht an der Tatsache, dass die Insel in der Karibik liegt, festmachen. Überall auf der Welt gibt es diese dunklen Orte, das Schattenland, und manchmal geht man dort hin, um später ins Licht zurückzukehren. Geläutert, erschöpft, bettschwer.

Immer dann, wenn es zu besoffenen Streitereien unter Transvestiten kommt (Um Zigaretten, Rum und Mann), wird das Polizeiaufgebot rund um das Bim Bom heftigst verstärkt. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass an einem Samstagabend bis zu vier Polizeibusse am Straßenrand geparkt sind, plus drei oder vier kleine Einsatzfahrzeuge. Den Polizisten ist der Anblick trinkender und feiernder junger Männer egal, und auch provokant inszenierte Obszönitäten lassen sie kalt. Rechts hinter dem Bim Bom gibt es eine Tankstelle, auf deren Parkplatz zumeist junge Burschen in ihren Autos auf eine Fuhre warten. Wenn man ein wenig spanisch kann und die Preise kennt und vor dem Einsteigen vereinbart, was die Fuhre kosten soll, kann absolut nichts passieren. Daumenregel: Alles, was sich mit so einem Auto innerhalb einer Viertelstunde erreichen lässt, kann nicht mehr als 3 CUC kosten. Verlangt er 5, einfach umdrehen und gehen.

Zurück zum Bim Bom: Warum sich gerade dort, quasi unterhalb des Hotel National, ein Treffpunkt der Schwulenszene etabliert hat, mögen Historiker aus dem Schlick der Jahre graben, ich weiß nur, dass es so ist. Dort treffen sich mehrheitlich junge, schwule Kubaner, Strichjungen, Transvestiten, Transsexuelle, Touristen und Abenteurer, Reisende und Trinker, Poeten und Verrückte. Also eigentlich alles, was man in den Siebzigern auf der Insel noch in El Morro ins tiefste Loch geworfen hätte.

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Peter Nathschläger, geb. 1965 in Wien, entdeckte früh seine Vorliebe für Reisen & Literatur. Parallel zu seinen Romanen, Kurzgeschichten und Gedichten widmet er sich nun verstärkt Reiseberichten mit Schwerpunkt Kuba, ganz im Sinne einer literarischen Spurensuche.

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