Unbeschreibliche Not: Venezuela befindet sich in einer humanitären Krise

hunger

Immer mehr Menschen wühlen in den Müllcontainern (Foto: Latinapress)
Datum: 20. März 2018
Uhrzeit: 15:46 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Der Venezuela-Referent des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat fordert die Vereinten Nationen und die deutsche Bundesregierung auf, die humanitäre Notlage Venezuelas anzuerkennen. Nur so lasse sich der Druck auf die venezolanische Regierung erhöhen, endlich einen Korridor für Hilfslieferungen zu öffnen. „Venezuela befindet sich in einer Humanitären Krise.“ Davon ist der Venezuela-Referent des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Reiner Wilhelm, überzeugt. „Die Vereinten Nationen und die deutsche Bundesregierung müssen die humanitäre Notlage endlich auch offiziell anerkennen. Nur so kann der Druck auf die venezolanische Regierung erhöht werden, endlich einen Korridor für die überlebensnotwendigen Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen zu öffnen“, ist der Venezuela-Experte überzeugt. Dreieinhalb Wochen hat Wilhelm sich ein Bild von der Situation in dem südamerikanischen Land und der Arbeit der Adveniat-Projektpartner gemacht. 87 Prozent der Bevölkerung leben in Armut, wie zuletzt eine Studie der drei angesehenen Universitäten in der Hauptstadt Caracas belegt.

Dabei verfügt Venezuela über die größten Erdölreserven weltweit, ist reich an weiteren Bodenschätzen – wie zum Beispiel Gold, Diamanten und Coltan – und es gibt riesige, fruchtbare Ackerflächen, auf denen problemlos zwei Mal im Jahr die Ernte eingefahren werden kann. „Doch die Regierung eines ‚Sozialismus des 21. Jahrhunderts‘ unter den Präsidenten Nicolas Maduro und seinem Vorgänger Hugo Chavez haben Venezuela in das Armenhaus des Kontinents verwandelt“, kritisiert Wilhelm. „Die Menschen wühlen im Müll nach Essbarem. Medikamente wie Antibiotika oder Insulin gibt es im Land längst nicht mehr zu kaufen. Und für den Mindestlohn mit sämtlichen staatlichen Zulagen, den weite Teile der Angestellten erhalten, kann man gerade einmal ein Kilo Maismehl, ein Kilo Zucker und ein Kilo Fleisch kaufen.“

„Die Kirche ist die einzige Opposition im Land“

Die einzige Institution, die noch das Vertrauen der Bevölkerung genießt ist die katholische Kirche. „Die Kirche ist die einzige Opposition im Land, die sich an der Seite der Menschen für politische und soziale Veränderungen einsetzt“, so Wilhelm. In den Pfarrgemeinden werden die wenigen Medikamentenspenden, die meist nur über verschlungene Wege ins Land kommen, an diejenigen verteilt, die sie am dringendsten benötigen. In vielen Diözesen sind in den letzten Jahren Suppenküchen entstanden. Es sind häufig die Gemeindemitglieder selbst, die Gemüse, Reis, Nudeln und in manchen Fällen auch Fleisch spenden, um dann gemeinschaftlich zu kochen und das Essen vor allem mit denen zu teilen, die es am dringendsten brauchen. „Die venezolanische Kirche von der Basis bis zur Bischofskonferenz lebt Solidarität und sozialen Ausgleich in einem Land, dessen Regierung die Menschen und die Ressourcen gnadenlos ausplündert“, stellt Adveniat-Referent Wilhelm fest.

Migranten sind der Willkür der Nationalgarde und der Drogen-Mafia schuztlos ausgesetzt

Die Jugend aus allen Schichten der Bevölkerung stimmt inzwischen mit den Füßen ab. Offiziell zwei Millionen – Schätzungen gehen allerdings von der doppelten Zahl aus – haben das Land bereits verlassen. „Viele Familien leben in Venezuela von den Dollars und Pesos, die ihnen die Verwandten aus den Nachbarländern schicken“, berichtet Venezuela-Experte Wilhelm von seinen Erfahrungen vor Ort. Bis sich für die Menschen die Hoffnung auf ein neues und besseres Leben wenigstens in einigen Fällen erfüllt, liegt ein harter und gefährlicher Weg vor ihnen. „Entlang der Grenze zu Kolumbien sind die Menschen schutzlos der Willkür der Nationalgarde, der Drogen- und Menschenhandels-Mafia sowie den kolumbianischen Guerilleros und Paramilitärs ausgesetzt“, erläutert Wilhelm. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt die kirchlichen Einrichtungen vor Ort direkt, damit sie Gesundheitszentren bauen, Suppenküchen unterhalten und die Migranten entlang der Grenze betreuen können. „Als Weltkirche dürfen wir die venezolanische Kirche nicht allein lassen. Sie braucht unsere bedingungslose Unterstützung, um als letzte funktionierende und glaubwürdige Institution des Landes den Menschen in ihrer unbeschreiblichen Not zu helfen“, appelliert Adveniats Venezuela-Referent Reiner Wilhelm.

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  1. 1
    Galgo

    Ein sehr guter Bericht,zum Grossteil glaubwürdig, aber leider nutzlos. Denn, fangen wir mal mit der lieben Kirche an, hier handelt sich es um untergeordnete Stellen die solche statments herausgeben. Warum spricht der „hl. Vater“ nicht mal unheilige Worte aus? Der Typ nuschelt immer nur in seinen Bart und blah,blah,blah. Kernige Worte wären gefragt, aber leider ist dieser Greis aus dem Vatikan nicht besser als seine xx Vorggänger, eben alte Männer, blub, blub. Humanitäre Katastrophe, gut, diese haben wir hier auch in Europa, direkt vor der Haustüre, selbst verschuldet, sicher, aber dennoch da, oder? Und bevor ich mich im fernen Vzla. einlasse, versuche ich der Sch…. hier vor der eigenen Haustüre Herr zu werden, oder? Was soll die BRD denn machen? Mit maroder Kriegsmaschinerie dort einmaschieren oder was? No, joder, dies ist gefälligst Gebiet der USA, sollen die vor ihrer Haustüre kehren, haben viel zu lange zugesehen! Erst lassen sie Cuba zu und nun Vzla., für was sind diese GI ´s eigentlich nütze? In Europa haben wir mit sehr viel mehr Gegensätzen zu kämpfen, schon alleine die EU ist ein Sauhaufen den man zusammen halten muss, teilweise mit Gewalt um nicht den Russen in die Arme zu laufen, keine leichte Aufgabe, dann Problem Afrika, ja die gleiche Sch…. wie Vzla., Versäumnisse auf der ganzen Linie schon viel zu lange, man muss ständig Ausbessern, Nachbessern, Ausmerzen, ja, die Europäer und die gesamte Welt hat da versagt, schon viel zu lange, aber die Sch…. bleibt bei den Europäern hängen und bei den ORG´s . Es sieht doch wenn man es ehrlich betrachtet nicht viel besser in fast gesamt Asien aus. Die westl. Welt unterstützt zu lange die rechten Despoten und die im Osten unterstützen so oder so ihre Klientel. Aber wir wollen ja die „Besseren“ sein, aber an so vielen Brennpunkten kann man nicht für „Recht und Freiheit und Demokratie“ eintretten, denn man hat ja schliesslich auch noch seine eigenen Interressen oder etwa nicht? Und die sind so oft nicht mit „Recht und Freiheit und Demokratie“ in Einklang zu bringen. Man will ja schliesslich und endlich auch etwas dabei verdienen, denn verdient man nicht dabei wird man nicht wieder gewählt, denn das ganz normale VOLK will seine „Rechte“ hier in der BRD,“erst wir“ und dann die Anderen. Also muss ich die WIRTSCHAFT so richtig gut am LAUFEN halten und die BOSSE auf meine Seite bekommen, geht auch nur mit guter Wirtschaftsprognose und Wachstum, und das will das Volk ja auch. Da bleibt dann herzlich wenig für ein entfernten Kontinent, z.B. , Vzla. übrig, war vorher kein grosser Handelspartner und wird es in Zukunft wohl auch nicht sein. Man versteht hier ja auch alles , aber bitte, dein Problem ist nicht mein Problem, ich habe mein Problem meine Miete zu zahlen, die Auftragslage für den Betrieb XXX ist schlecht, habe ich meine Stelle morgen noch??, habe Haus 3 Kinder etc., das ist der dtsch. Normalbürger, was erwartet man von ihm?? Er soll spenden,? der Deutsche ist Weltmeister im Spenden, die kommen in Vzla. nicht an? Bueno, weil die sie vielleicht nicht annehemen wollen.können , dürfen?? Vzla. dies ist eine lange und traurige Geschichte,schon vor Chávez Zeiten, zumindest seit Beginn von dem „galáctico“, Uneinsichtigkeit von sehr vielen Parteien, Arroganz, Korruption (88%), Ungebildetheit (??)> zu wenig Bildung seit vielen (viel zu viele) Jahren ( auch schon vor Chávez) in der Unterschicht, deshalb eine so grosse Anhängerschaft für Chávez & Cia. Eine schnelle Lösung für dieses Problem? Bueno, Methode des Westens? Der nächste Diktador kommt, verspricht und man rennt hinterher.Oder, Vzla. muss endlich aus sich selbst das machen was es Wert ist, dafür müssen einige Menschen grausam leiden, (der Mensch ist ein Tier und sieht seinen Gegner gerne leiden, leider) sie müssen alle am eigenen Leben spüren wie schlimm es ist und daraus wieder eine REVOLUTION starten, ohne geht es nicht. Oscar P. hat es vielleicht versucht, aber den venezolanos ging es nicht dreckig genug um ihn zu unterstützen? Es wird der nächste O.P. kommen, vielleicht hat er mehr Erfolg? Es werden noch sehr viel Jahre ins Land gehen, ich werde schon lange den Löffel abgegeben haben, erst dann wird Vzla. es geschafft haben, ich hoffe es auf jeden Fall und wünsche es den Venezolanos, den im Innersten ist es eine sehr liebenswerte Rasse“! Viva Venezuela! si puedo ayudar en algo, siempre a la orden!

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