Portugal: Arbeitslose flüchten nach Brasilien und Afrika

Datum: 01. September 2011
Uhrzeit: 04:57 Uhr
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Autor: Redaktion
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► Historischer Rollentausch

Tausende von jungen und hochqualifizierten Arbeitslosen entfliehen Portugals lähmender Wirtschaftskrise und hoffen in den ehemaligen Kolonien wie Brasilien und Angola Arbeit zu finden. Die Umkehrung des traditionellen Migrationsmusters trägt Züge einer „Lost Generation“ und ist laut Filipa Pinho, Beobachtungsstelle für Wanderungsbewegungen, die größte Auswanderungswelle seit den 60er Jahren.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Portugal beträgt 26,8%, mehr als 95.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 25 sind arbeitslos. Über ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung sind freiberuflich tätig, auch wenn sie Vollzeit arbeiten. Laut dem Ökonomen Alvaro Santos Pereira verließen zwischen 1998 und 2008 etwa 6,5% der Bevölkerung (Gesamtbevölkerung 10 Millionen) das Land.

Portugal hat traditionell einen Teil seiner Arbeitskraft exportiert – das Land hat eine Diaspora von drei Millionen Menschen in der ganzen Welt. Waren es in der Vergangenheit Arbeiter und Dorfbewohner, die auf der Suche nach einem besseren Leben ihr Land verließen, sind es heute qualifizierte und gut ausgebildete Fachkräfte. Vor 50 Jahren suchten junge Portugiesen ihr Glück in reicheren Teilen Europas, heute packen sie ihre Koffer für das boomende Brasilien, Angola und Mosambik.

Dies ist ein historischer Rollentausch, denn seit Jahrzehnten lockte Portugal Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien in Lateinamerika und Afrika. Laut der von der Regierung neu gegründeten Beobachtungsstelle für Wanderungsbewegungen beantragten zwischen 2009 und 2010 rund 60.000 Portugiesen ein Visa in den Konsulaten von Brasilien. 2006 stellte die angolanische Botschaft 156 Visa aus, im Jahr 2010 betrug die Zahl 23.787. Heute gibt es rund 3.000 portugiesische Unternehmen in Angola.

Brasilien erlebt im Vorfeld der WM 2014 und der Olympischen Spiele im Jahr 2016 einen Bauboom, das größte Land in Südamerika ist begierig auf portugiesische Ingenieure und Architekten. Auf Stellenanzeigen für Jobs für Ausländer in Brasilien meldeten sich innerhalb von zwei Wochen 20.000 Menschen, die meisten von ihnen waren junge Portugiesen im Alter von 24 bis 35 Jahren und mehr als die Hälfte davon Frauen. Sieben ehemalige Kolonien führen portugiesisch als Amtssprache: Brasilien, Angola, Mosambik, Kap Verde, Guinea Bissau, São Tomé und Príncipe, Osttimor. Mit rund 240 Millionen Menschen ist portugiesich die am sechsthäufigsten gesprochene Sprache auf der Welt.

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