In Venezuela nehmen zur Stunde Tausende Menschen Abschied von den sterblichen Überresten von Ex-Präsident Carlos Andrés Pérez. Angehörige und Mitglieder seiner Partei „Acción Democrática“ improvisierten an seinem Sarg eine Ehrenwache. Das ehemalige venezolanische Staatsoberhaupt starb bereits am Dezember 2010 in Miami an einem Herzinfarkt. “Mein Mann hat mich vor seinem Tod nur um zwei Dinge gebeten. Er möchte eingeäschert und nicht in Venezuela bestattet werden, solange Hugo Rafael Chávez Frías noch Präsident ist”, gab Cecilia Matos, Witwe des Verstorbenen bekannt.
Blanca Rodríguez, ehemalige Ehefrau von Carlos Andrés Pérez, lebt mit ihren Kindern aus erster Ehe in Venezuela. Rodríguez wollte die sterblichen Überreste in ihrer Heimat bestatten und hatte gegen die Beisetzung in den USA eine Aufhebung erwirkt. In einer eidesstattlichen Erklärung teilte Blanca Rodríguez dem Gericht mit: “Mein Mann und ich waren nie geschieden. Deshalb waren wir zum Zeitpunkt seines Todes gesetzlich verheiratet. Ich bestimme damit, wo die Leiche bestattet wird”. Beide Familien wollten einen juristischen Kampf vor den Gerichten von Miami vermeiden und einigten sich zu einer Beisetzung in Venezuela. Pérez wird fast zehn Monate nach seinem Tod am Donnerstag (6.) nach einer öffentlichen Messe in der katholischen Kirche Chiquinquirá im Osten von Caracas begraben.
Carlos Andrés Pérez war von 1974 bis 1979 Präsident von Venezuela; seine zweite Amtszeit erfolgte 1989 bis 1993. In der ersten Amtszeit nutzte er die erhöhten Einkommen der venezolanischen Erdölindustrie zu einer Verteilungspolitik. In seiner zweiten Amtszeit musste er wegen der geringeren Einnahmen aus dem Erdölsektor und einer dadurch bedingten erhöhten Auslandschuld gegenüber dem IWF einlenken. Subventionen und Preiskontrollen für öffentliche Dienste wurden weitgehend aufgehoben, was im selben Jahre zu Aufständen führte.
Die repressive Bekämpfung durch Nationalgarde und Armee forderte bis zu 3.000 Menschenleben. Aufgrund von Korruptionsvorwürfen wurde Carlos Andrés Perez 1993 des Amtes enthoben. Nach seiner Amtsenthebung ging er in die USA. Im September 2009 beantragte die venezolanische Generalstaatsanwaltschaft einen internationalen Haftbefehl bei Interpol.
Carlos Andrés Pérez war ein Präsident mit wenig Fortune. Doch heute verstummten seine Kritiker, und Venezuela nahm Abschied von einem Mann, dem mehrheitlich ein vergleichsweise hohes Mass an Integrität und demokratischem Verständnis bescheinigt wird.
Dass nicht mal seine Frau seinen letzten Willen respektiert, ist beschämend aber symptomatisch für sein Schicksal. Vielleicht wäre es ihm ein Trost gewesen zu wissen, dass während seiner Bestattung auf heimischem Boden das Schicksal des ihm verhassten Hugo Chávez Frias besiegelt scheint, Auch dieser wird wohl bald zu Grabe getragen werden. Und es erscheint mehr als fraglich, dass dem Ex-Putschisten von 1992 dann ähnlich viel Anteilnahme und Trauer zuteil wird, wie heute Carlos Andrés Pérez.
Im Namen meiner Frau, die Pérez persönlich kannte und sehr schätzte, sowie in meinem: Descanse en Paz!