Auf Tigerjagd in Haiti► Seite 2

Papiertiger

Datum: 10. Januar 2012
Uhrzeit: 00:46 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Zum Sammeln wäre ein Bankkonto auf den Namen der Schule wohl kein Luxus, das wird auch immer wieder verlangt. Aber da beginnt der Papiertiger zu fauchen und Prankenhiebe zu verteilen; ein Bankkonto könne leider nur auf den Namen eines Vereins eröffnet werden. Den haben wir zwar gegründet, aber in verschiedenen Ländern. „SchuleHaiti“ braucht hier bei der Sogebank Bewilligungen des Sozialministeriums, in der Schweiz bei der „Raiffeisenbank“ zählen Unterschriften, Statuten etc. nicht weil Internet beteiligt ist und in Deutschland aus noch komplizierteren „Gründen“. Für Querelen fehlt uns die Zeit. Und die Partner drüben nehmen sich offenbar auch nicht die Zeit, alles zu lesen.

Also machen wir es vorläufig ohne Bank und funktionieren über private Bankkonti, solche habe ich ja – auch das Vertrauen. Und dagegen ist wohl nichts einzuwenden.

Damit das nicht so bleiben muss, haben wir den Papierkram trotzdem eingeleitet, so die Anmeldung der Schule beim Erziehungsministerium. Bis da einmal eine positive Reaktion vorliegen wird, führen wir unsere Gratis-Arbeit weiter. In der Annahme, diese könne ja nicht auch noch verboten werden. Das kann noch lange dauern. Die Schule läuft jetzt seit einem Trimester, 4 Monate sind vorbei. Die Knirpe haben in der Zeit immerhin etwas gelernt und kamen nicht in Versuchung, sich zu Dieben zu entwickeln.

Da gibt es, ausser dem Staat noch einige Hilfsorganisationen. Die haben uns alle freundlich besucht und sparen nicht mit Ratschlägen. Aber offenbar sind auch sie derart unter Druck des Papiertigers, dass ausser Danksprüchen, Versprechen und schönen Worten bis heute keine konkrete Hilfe gekommen ist.

Eine Hilfe ist das Internet, die möchte ich ausbauen. Seit 25 Jahren (?) pflege ich meine Homepage „www.swissfot.ch“ mit Links namhafter Firmen. 25 Jahre lang habe ich das auch gratis geleistet. Seit einiger Zeit bitte ich Firmen, die mich um einen Link bitten, im Gegenzug um eine freiwillige Spende zugunsten unserer Schule. Und welches Wunder, das hat geklappt. Als erste hat die Zürcher Internetfirma „Idealizer AG“ einen namhaften Beitrag gestiftet, aus dem jetzt die ersten Schulbücher gekauft werden. Eine zweite Firma ist „im Tun“, und weitere werden wohl folgen. Alle Firmen sind eingeladen Mut zu zeigen und nachzuziehen!

Um meine Internet-Möglichkeiten auszubauen und die Schule noch besser zu unterstützen, werde ich anfang 2012 unter „www.hegnauer.ch“ eine zweite Internet-Seite eröffnen. Ich beabsichtige, meine Firmen-Spender ab dann auch dort mit Reklame zu unterstützen. Ich offeriere Spendern auch die Erwähnung in Büchern, leider erst langfristig möglich, da die ersten 5 Bücher schon erschienen oder noch im Druck und damit nicht mehr änderbar sind.

Es ist bekannt, dass mein einstiges Prachtshaus in Gresye mit seinem ganzen Inhalt beim grossen Erdbeben vor zwei Jahren zu Staub wurde und ich überleben durfte. Ich brauche für mich nichts mehr, sondern wohne seither als Flüchtling in haïtischen Mauern bei ehemaligen Mitarbeitern und schreibe Bücher. Diese sind für andere Opfer bestimmt. Mein fünftes Buch ist „Schule unter dem Mangobaum“ und betrifft unsere kleine Schule. Es wird in einigen Monaten im Wagner-Verlag herauskommen, später womöglich auch in Fremdsprachfassungen. Es ist vollständig unserer Schule gewidmet. Wenn sich allmählich genügend Spenden ansammeln sollten, auch anderen notleidenden Schulen. Ich bin 80 und das Buch soll mich überleben und den Fortbestand des Schule sichern. Bis dann wird dann vielleicht auch die eingangs beschriebene Betonplatte bezugsbereit sein, und neue, junge Studentinnen können an ihrem Lehrerinnendiplom studieren. DAS verstehe ich unter „Nachhaltigkeit“.

Im Moment ist es noch nicht so weit, und wir konzentrieren uns auf die Jagd auf den Papiertiger.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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  1. 1
    Tobias

    vielen Dank für diesen Beitrag, der mir aus dem herzen spricht!

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