Lateinamerika: 31.044 neue Lepra-Fälle in Brasilien diagnostiziert

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Im vergangenen Jahr 31.044 neue Fälle diagnostiziert (Foto: GoV)
Datum: 01. November 2014
Uhrzeit: 12:22 Uhr
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Brasilien gehört zu den Ländern, in denen die Lepra noch ein Problem darstellt. Viele Erkrankte verzichten aus Angst vor Stigmatisierung auf die Behandlung eines Arztes. Laut einer aktuellen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden im größten Land Lateinamerikas im vergangenen Jahr 31.044 neue Fälle diagnostiziert, 3.739 alleine im Bundesstaat Maranhão (Nordosten). Im fortgeschrittenen Stadium führt Lepra zu Fehlbildungen des Gesichts, der Hände und Beine, welche das Aussehen des Infizierten beeinträchtigen.

Demnach belegt Brasilien weltweit Platz eins bezüglich der Diagnose von Lepra bei Kindern unter 15 Jahren (2.439 – Maranhão 370). Offiziell gibt es im Land keine Leprakranken mehr. Auch ist das Wort “Leprosy”, wie man die Krankheit hier nennt, aus dem offiziellen Wortschatz gestrichen. Über die hoch ansteckende Krankheit spricht in den brasilianischen Metropolen Rio de Janeiro, São Paulo oder der Hauptstadt Brasilia fast kein Mensch. Die Weltgesundheitsorganisation weist allerdings darauf hin, dass für ein Land, in dem Lepra offiziell als beseitigt gilt, der Index nicht höher als 10 Fälle pro 100.000 Einwohner liegen darf. Der Koeffizient Brasiliens schloss 2013 bei 15,44 Personen pro 100.000 Einwohner.

In Maranhão sind die Zahlen noch alarmierender: 55,03 pro 100.000 (offizielle Zahlen aus dem Sekretariat der Gesundheitsüberwachung im Gesundheitsministerium). Innerhalb des Bundesstaates weist die Bundeshauptstadt São Luís die größte Zahl der diagnostizierten Fälle auf (56). Imperatriz, regionales Zentrum im Dreieck Tocantins, Pará und Maranhão, liegt mit 167 Fällen auf Platz zwei.

Betroffen von dieser Krankheit sind besonders die Ärmsten, da die “Leprosy” eine typische “Armutskrankheit” ist. Bis in die späten 1970er Jahre verlangte ein Gesetz die obligatorische Inhaftierung von Menschen mit Lepra in einer Kolonie, oder in speziellen Krankenhäusern. Bereits vor ihrer Einweisung mussten die Patienten ihre Kinder in Erziehungsanstalten abliefern. Es war die größte elterliche Entfremdungsaktion, die jemals in Brasilien stattgefunden hat. Der brasilianische Staat hat den noch lebenden Opfern aus den „Leprakolonien“ (ungefähr 20.000 Menschen) eine Opferentschädigung von umgerechnet ca. 300 Euro gebilligt.

Eine weitere Herausforderung zur Kontrolle der Krankheit ist die Untererfassung der neuen Fälle. Aus verschiedenen Gründen gelangen nicht alle Meldungen in das Ministerium für Gesundheit. Daten belegen, dass auf jeden diagnostizierten Fall der Krankheit drei verborgene Fälle kommen und offiziell damit in keiner Statistik auftauchen. Demnach würden rund 100.000 Menschen in Brasilien mit Lepra leben, ohne erfasst zu sein (rund 10.000 nur im Bundesstaat Maranhão). Die Zielvorgabe der Vereinten Nationen von weniger als einem Fall pro 10.000 Einwohner will Brasilien im Jahr 2015 erreichen – angesichts der Tatsachen ein utopisches Unterfangen.

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