Neue Galileo-Satelliten sorgen für bessere Signale für die EU-Satellitennavigation

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Galileo stellt derzeit drei auf Satellitennavigation basierende Dienste bereit (Foto: http://ec.europa.eu)
Datum: 27. Juli 2018
Uhrzeit: 09:39 Uhr
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Autor: Redaktion
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Am Dienstag (25.) wurden erfolgreich vier weitere Galileo-Satelliten mit der europäischen Trägerrakete Ariane 5 vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana gestartet. Mit einer Konstellation von derzeit 26 Satelliten kann das globale Satellitennavigationssystem der EU präzisere Signale für eine ganze Palette wertvoller Dienste bereitstellen. Galileo erbringt seit Dezember 2016 Ortungs- und Zeitgebungsdienste für rund 400 Millionen Nutzer. Mit dem heutigen Start erreicht die Konstellation nahezu ihre Gesamtstärke, die für 2020 geplant ist – das Jahr, in dem Galileo auch seine volle Betriebsfähigkeit erlangen soll. Galileo wird dann auf 20 cm genaue Daten senden, und wird damit einen Präzisionsrekord unter den Satellitennavigationssystemen der Welt aufstellen.

Der Weltraum mag uns fern erscheinen, aber die damit zusammenhängenden Technologien, Daten und Dienste sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, sei es für die Suche bei Rettungseinsätzen, in vernetzten Autos, bei intelligenten Uhren, in der Landwirtschaft oder bei der Navigation in der Luftfahrt. Die europäische Weltraumwirtschaft ist leistungs- und wettbewerbsfähig, sie schafft Arbeitsplätze und bietet Unternehmern Geschäftschancen. In der kommenden langfristigen EU-Haushaltsplanung 2021-2027 hat die Kommission vorgeschlagen, alle bestehenden und neuen Weltraumaktivitäten in einem einzigen EU-Weltraumprogramm mit einer Dotierung von 16 Mrd. EUR zusammenzufassen.

Galileo stellt derzeit drei auf Satellitennavigation basierende Dienste bereit: Galileos offener Dienst: ein kostenfreier Dienst für Ortung, Navigation und Zeitgebung. Der Zeitgebungsdienst wird im Vergleich zu anderen Ortungssystemen immer robuster, genauer und schneller (in der Größenordnung von Nanosekunden). Er ermöglicht das eCall-System, das seit dem 31. März 2018 in allen Neufahrzeugen in der EU verbindlich vorgeschrieben ist, um den Rettungsdiensten den Standort des verunfallten Fahrzeugs zu melden.

Galileos Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue – SAR): Ortung der von einem entsprechend ausgerüsteten Sender abgegebenen Notsignale. Mit dem Start der ersten Galileo-Dienste im Dezember 2016 hat sich die Zeit bis zur Ortung einer auf See oder in den Bergen vermissten Person von bis zu 4 Stunden auf rund 10 Minuten nach Aktivierung des Notfallsenders verringert. Die Ortungsgenauigkeit hat sich von 10 km ohne Hilfe von Galileo auf weniger als 2 km mit Galileo-Unterstützung verbessert. Zudem wird der Dienst ab dem kommenden Jahr sogar ein Antwortsignal zurücksenden, mit dem die in einer Notlage befindliche Person benachrichtigt wird, dass ihr Notsignal empfangen und geortet worden ist.

Galileos öffentlicher regulierter Dienst (Public Regulated Service – PRS): ein verschlüsselter, für Behörden konzipierter Dienst, der sicherheitsrelevanten Zwecken (z. B. militärischen Operationen) vorbehalten ist. Mit dem PRS soll selbst unter den widrigsten Umständen die Dienstkontinuität sichergestellt sein. Er bietet staatlichen Nutzern in nationalen Notfällen oder Krisensituationen, etwa bei Terrorangriffen, einen besonders zuverlässigen und komplett verschlüsselten Dienst.

Jeder, der über ein Galileo-fähiges Gerät verfügt, kann dessen Signale für die Positions- und Zeitbestimmung sowie die Navigation nutzen. Den Galileo-Diensten liegen hochpräzise Signale zugrunde, aber in der aktuellen Anfangsphase sind sie noch nicht jederzeit verfügbar, sodass sie mit jenen anderer Satellitennavigationssysteme wie GPS kombiniert werden müssen. Mit jeder Erweiterung der Konstellation verbessern sich Schritt für Schritt Galileos Verfügbarkeit und Leistung weltweit. Hat die Konstellation 2020 einmal die Zahl von 30 Satelliten erreicht, wird Galileo voll und ganz einsatzfähig und unabhängig sein; es wird mit anderen Worten ausschließlich mithilfe der Galileo-Satelliten möglich sein, eine Position jederzeit und überall autonom zu bestimmen.

Hintergrund

Alle Galileo-Satelliten werden nach den Kindern getauft, deren Zeichnungen 2011 beim Galileo-Zeichenwettbewerb gewonnen haben. Die vier am 25. Juli gestarteten Satelliten wurden nach Tara (Slowenien), Samuel (Slowakei), Anna (Finnland) und Ellen (Schweden) benannt.

Bei Galileo handelt es sich um ein ziviles, unter ziviler Kontrolle stehendes System, das präzise Ortungs- und Zeitgebungsinformationen bereitstellt. Galileo soll Europa von anderen Satellitennavigationssystemen unabhängig machen und seine strategische Autonomie in Sachen Satellitennavigation sicherstellen. Europas Autonomie in diesem Sektor wird den europäischen Arbeitsmarkt beleben, die EU als Sicherheits- und Verteidigungsfaktor aufwerten und neue Technologien (künstliche Intelligenz, Drohnen, automatisiertes Fahren, Internet der Dinge) fördern.

Weitere EU-Weltraumaktivitäten sind Copernicus (kostenfreier und offener Dienst für Erdbeobachtungsdaten zur Überwachung von Land, Atmosphäre, und Meeresumwelt sowie des Klimawandels, für Katastrophen- und Krisenmanagement und Sicherheit), EGNOS (regionales Satellitennavigationssystem) und SST (Space Surveillance and Tracking – Beobachtung und Verfolgung von Objekten im Weltraum).

In der kommenden langfristigen Haushaltsplanung der EU für die Jahre 2021-2027 hat die Kommission ein mit 16 Mrd. EUR dotiertes Weltraumprogramm vorgeschlagen, das alle aktuellen und neuen Weltraumaktivitäten zusammenfasst und den autonomen Zugang der EU zum Weltraum erhalten, weltraumbezogene Start-ups unterstützen und die Entwicklung neuer Sicherheitskomponenten wie SSA (Space Situational Awareness – Weltraumlageerfassung) und GOVSATCOM (staatliche Satellitenkommunikation) fördern soll.

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