Kuba: Fidel Castros sprachliches Erbe

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Demokratie kam in Fidel Castros Denken nicht vor (Foto: ScreenshotTV)
Datum: 06. Februar 2019
Uhrzeit: 07:55 Uhr
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Autor: Redaktion
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Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Kuba – die größte der karibischen Inseln und eine der letzten Bastionen des Kommunismus. Seit den politischen Revolutionen in den Ostblockstaaten und dem Zusammenbruch des sozialistischen Wirtschaftsraums ist das Land weitgehend isoliert und wagt auch nach dem Tode Fidel Castros nur zaghafte Schritte hin zu einer liberalisierten Wirtschaft und weltoffenen Politik. Diese Isolation macht das Land einerseits schwer zugänglich, andererseits zu einem reizvollen Feld nicht nur für Historiker, Soziologen und Politologen, sondern auch für Sprachwissenschaftler, denn der öffentliche Gebrauch des Spanischen in Kuba ist kaum dokumentiert und weitgehend unerforscht.

Artikel, Debatten und Parolen in einer Sammlung

Gemeinsam mit Sprachforschern der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Havanna arbeiten Romanisten und Computerlinguisten der FAU nun daran, diese Lücke zu schließen. Im Rahmen des Projektes CORESPUC – die Abkürzung steht für „Corpus del español público en Cuba“ – wollen sie in den kommenden Jahren eine quantitative Textsammlung erstellen, die den Sprachgebrauch Kubas im öffentlichen Raum von der Revolution 1959 bis in die heutige Zeit abbildet und für verschiedene Forschungsarbeiten zugänglich macht. „Wir werden uns zunächst auf die Ausgaben der Tageszeitung „Granma“ konzentrieren“, sagt Prof. Dr. Silke Jansen, Inhaberin des Lehrstuhls für Romanistik, insbesondere Sprachwissenschaft an der FAU. „Die Ausgaben seit 2008 stehen in digitaler Form zur Verfügung, frühere Publikationen müssen aufwändig gescannt und mittels automatischer Schrifterkennung decodiert werden.“ Allein die Beiträge der Granma umfassen mehr als eine Viertelmillion Seiten – darüber hinaus will das deutsch-kubanische Forscherteam Diskussionsrunden und Plakate im öffentlichen Raum in das Korpus aufnehmen.

Sprache als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung

Für die Forscher von besonderem Interesse ist, auf welche Weise die Entwicklungen der kubanischen Gesellschaft auch im Sprachgebrauch widergespiegelt werden. Schafft sich die Revolution beispielsweise ihre eigene Sprache? Wie wird das politische Projekt der Revolution in der öffentlichen Sprache dargestellt? Ändert sich der Gebrauch von zentralen politischen Schlagwörtern wie „revolución“, „socialismo“, „capitalismo“, „imperialismo“ – etwa mit der Machtübergabe Fidel Castros an seinen Bruder Raúl oder im Zuge der jüngsten wirtschaftlichen und politischen Öffnung? Untersucht werden soll auch, welche pragmatischen Strategien zur Anwendung kommen, um brisante Themen darzustellen oder politische Konflikte auszutragen: „Das Spanische kennt eine Reihe von Passivkonstruktionen, mit denen sich das Agens, also der Handelnde, verschleiern lässt“, erklärt Silke Jansen. „Zum Einsatz kommen häufig auch Euphemismen – so wird in Kuba nicht von ‚Wirtschaftskrise’, sondern von ‚Spezialperiode’ gesprochen.“ Aktuell arbeiten die Forscher mit einem Pilotkorpus aus Leserbriefen an Granma, das bereits für die elektronische Analyse aufbereitet wurde. Daran sollen sprachliche Strategien der Meinungsäußerung untersucht werden. Die Romanisten arbeiten dabei eng mit den Computerlinguisten der Universität Havanna und der FAU zusammen. Diese entwickeln für die automatisierte Untersuchung bestimmter Redewendungen neue Algorithmen.

Kuba: Forschungsfeld mit Hindernissen

CORESPUC profitiert davon, dass seit 2016 Forschungskooperationen von Wissenschaftlern aus EU-Staaten mit kubanischen Forschern und Institutionen wieder möglich sind. Dennoch ist Kuba nicht nur in linguistischer Hinsicht eine besondere Herausforderung: Weil beispielsweise leistungsfähige Scanner auf der Karibikinsel eine Seltenheit sind und aufgrund bürokratischer Hürden nicht ohne Weiteres ins Land geschafft werden können, wird die Digitalisierung analoger Texte in Deutschland stattfinden – schließlich sind die Granma-Druckausgaben vollständig im Iberoamerikanischen Institut in Berlin vorhanden. Eine große Hürde für die Recherche und den Austausch von Daten und Informationen ist auch der Umstand, dass das Internet in Kuba schlecht ausgebaut ist und häufig nicht funktioniert. Doch davon lassen sich die Forscher nicht entmutigen, schließlich soll das Projekt einen wichtigen Beitrag zur linguistischen Forschung leisten. Jansen: „Wir wollen nicht nur die wenig erforschten Besonderheiten des Spanischen in Kuba beleuchten, sondern auch grundsätzliche Fragen beantworten helfen: Wie wird der öffentliche Raum durch Sprache konstituiert und gestaltet? Wie prägt Öffentlichkeit das Sprachverhalten von Menschen? Diese Phänomene gewinnen in allen modernen Gesellschaften zunehmend an Bedeutung.“

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