Venezuela-Krise: Heimliche Flucht nach Ungarn

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Im südamerikanischen Land Venezuela wartet die notleidende Bevölkerung auf dringend benötigte Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel (Foto: Archiv)
Datum: 04. März 2019
Uhrzeit: 10:13 Uhr
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Das Propagieren von Fremdenfeindlichkeit ist der sicherste Weg zum politischen Erfolg. Ungarn verkörpert den neuen europäischen Zeitgeist, das Binnenland in Zentraleuropa wird als Avantgarde in Sachen Retro-Nationalisierung bezeichnet. Deshalb mag es überraschen, dass in Ungarn Flüchtlinge aus Venezuela herzlich willkommen geheißen werden – von einer Regierung, die für ihre Einwanderungs und Asylfeindlichkeit bekannt ist. Etwa 350 sind bereits mit vom Staat finanzierten Flugtickets angekommen. Weitere 750 stehen auf einer Liste, warten in Caracas und weitere könnten folgen. Ihre Ausreise an die Donau hat allerdings einen Haken. Alle, die sich bewerben, müssen ihre ungarische Abstammung nachweisen – so weit entfernt das auch sein mag. Regierungssprecher weisen explizit darauf hin, dass es sich um echte Ungarn handelt die „nach Hause kommen“, obwohl nur sehr wenige tatsächlich in Ungarn geboren wurden, geschweige denn Ungarisch sprechen.

Die meisten Venezolaner mit ungarischer Abstammung wanderten in zwei Wellen aus. Die erste nach dem Zweiten Weltkrieg umfasste viele, die mit dem Miklós Horthy-Regime in Verbindung standen, das sich auf die Seite von Nazi-Deutschland stellte. Einige waren an der Deportation ungarischer Juden in Nazi-Vernichtungslager beteiligt. Nach der gescheiterten Revolution von 1956 folgte eine ganz andere Gruppe von etwa 400 Personen, darunter einige, die die sowjetische Armee auf den Barrikaden in Budapest bekämpft hatten.

Inzwischen ist die Gemeinschaft auf mehrere tausend angewachsen. Als sich die Situation in Venezuela 2017 rapide verschlechterte – als der Hunger von willkürlicher Gewalt begleitet wurde – wandten sich die Organisatoren der Gemeinschaft an die ungarische Regierung. Die 350 „Heimkehrer“ wurden großzügig empfangen, Sprachunterricht und die Bereitstellung von Unterkünften für die ersten 12 Monate garantiert. Zwar scheint die Zahl von 350 zunächst gering. Das relativiert sich aber, wenn man die Zahl ins Verhältnis zu den Statistiken setzt: In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 wurden in Ungarn nur 94 Personen Asyl gewährt.

Die Ankunft der Venezolaner wurde durch die unabhängige Nachrichten-Website Index bekannt gegeben. Die ungarischen Behörden haben die Teilnehmer des „Rückführungsprogramms“ gebeten, nicht mit den Medien zu sprechen. „Die Regierung hat uns klar gemacht, dass dies schwer zu kommunizieren wäre – wegen ihrer eigenen hysterischen Anti-Migranten-Kampagne“, berichtet einer der Venezolaner, die bereits sicher in Ungarn sind und darum bat, dass sein Name nicht genannt wird.

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