Odebrecht in Peru: Kampagnen von vier Ex-Präsidenten finanziert – Update

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Aus den "die Wege des Geldes" geht demnach hervor, wie das brasilianische Unternehmen Gelder an vier ehemalige Präsidenten des Andenlandes und der derzeitigen Oppositionsführerin Keiko Fujimori verteilt hat (Foto: Archiv)
Datum: 25. April 2019
Uhrzeit: 15:30 Uhr
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Der ehemalige Chef von Odebrecht in Peru, Jorge Barata, hat der Staatsanwaltschaft des südamerikanischen Landes am Mittwoch (24.) weitere Beweisunterlagen hinsichtlich der illegalen Zahlungen an hohe Politiker übergeben. Aus dem Bericht „die Wege des Geldes“ geht demnach hervor, wie das brasilianische Unternehmen Gelder an vier ehemalige Präsidenten des Andenlandes und der derzeitigen Oppositionsführerin Keiko Fujimori verteilt hat. „Herr Barata hat eine Erklärung über die sogenannten Wege des Geldes abgegeben“, so der peruanische Staatsanwalt Rafael Vela, Leiter des Ermittlungs-Teams, das den ehemaligen starken Mann von Odebrecht in Peru bei der Bundesanwaltschaft im südbrasilianischen Curitiba befragte, vor Journalisten. „Wir sind mit dem, was er uns gesagt/offenbart hat, absolut zufrieden“, fügte der Staatsanwalt hinzu. Nach seinen Worten hatte Barata Tools entschlüsselt, die innerhalb des Systems dazu verwendet wurden, illegale Zahlungen des Konzerns zu kontrolliertn/verwalten.

Vela gab keine Details preis aber das einflussreiche peruanische Portal „IDL-Reporteros“ teilte mit, dass Barata diesem Mittwoch vor der Staatsanwaltschaft ratifiziert hat, dass Odebrecht mehr als vier Millionen US-Dollar an Luis Nava gezahlt habe, der damals Sekretär von Präsident Alan Garcia (in seiner zweiten Amtszeit, 2006-2011) war, um öffentliche Bauaufträge zu erhalten. Die illegalen Zahlungen an die rechte Hand des damaligen Präsidenten Garcia erfolgten in zwei Zyklen ab 2006, so das investigative Journalismus-Portal, das Dokumente über den Odebrecht-Skandal filtert.

„Jorge Barata hat in seiner damaligen Funktion zugestimmt, an Luis Nava drei Millionen US-Dollar zu zahlen. Dadurch wurde garantiert, dass die Arbeiten an der Carretera Interoceánica Sur fortgesetzt werden und dass Odebrecht Aufträge für neue Projekte erhalten wird“, so „IDL-Reporteros“ auf Twitter. Nava war demnach „die Person“, die während der Amtszeit von Alan Garcia dem Konzern die Türen zum Regierungspalast geöffnet hat. Die peruanische Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Endempfänger des Geldes Alan García war, eine Version, die der ehemalige und inzwischen verstorbene Präsident immer geleugnet hat.

Eine zweite Zahlung von 1,3 Millionen US-Dollar soll über eine andorranische Bank an den ehemaligen Präsidenten der staatlichen Ölgesellschaft PetroPerú, Miguel Atala, erfolgt sein. Eine zusätzliche Zahlung von einer halben Million Dollar wurde an José Luis Nava, Sohn von Luis Nava, geleistet. Barata hatte bereits am Vortag Fragen der Staatsanwaltschaft beantwortet und bestätigt, dass Odebrecht auch Gelder in die politischen Kampagnen der ehemaligen Präsidenten Alan García, Pedro Pablo Kuczynski, Alejandro Toledo und Ollanta Humala, sowie Keiko Fujimori, Lourdes Flores Nano und Susana Villarán geleistet hat.

Baratas Zeugenaussagen sind Teil einer Kooperationsvereinbarung mit der peruanischen Staatsanwaltschaft, wonach er bei „Aussagebereitschaft“ in Peru nicht vor Gericht gestellt wird. Das Abkommen wurde von der brasilianischen Generalstaatsanwaltschaft bestätigt, muss aber vom Obersten Gerichtshof Perus genehmigt werden – was als selbstverständlich angesehen wird. Das Team von fünf peruanischen Staatsanwälten wird diese Woche die Befragung von Beamten von Odebrecht und anderen brasilianischen Unternehmen fortsetzen.

Update, 26. April

Am dritten Tag der Vernehmung gab Barata bekannt, dass Odebrecht auch mehrere Gouverneure bestochen hat, um öffentliche Bauaufträge zu erhalten. Nutznießer soll unter anderem der damalige Gouverneur von Cusco, Jorge Acurio, (2011-2013) gewesen sein. Das dem Gouverneur von Cusco gezahlte Bestechungsgeld belief sich demnach auf drei Millionen US-Dollar für einen Vertrag/Auftrag über 100 Millionen US-Dollar für den Bau der sogenannten „Vía de Evitamiento“. Die 2012 erbaute „Vía de Evitamiento“ ist eine zehn Kilometer lange Umgehungsstraße in der Andenstadt Cusco, der alten Hauptstadt des Inka-Reiches und das Mekka des Tourismus in Peru.

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