Doppelmoral: Rindfleischverbrauch und Abholzung des Amazonas

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Durch die Zunahme des Fleischkonsum in Brasilien und weltweit verschwinden immer mehr Waldflächen (Foto: ScreenshotYouTube)
Datum: 02. Juli 2019
Uhrzeit: 11:39 Uhr
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Brasiliens Rindfleischexporteure haben im vergangenen Jahr so viel Ware im Ausland abgesetzt wie in keinem Jahr zuvor. Nach Angaben des Verbandes der brasilianischen Fleisch-Exporteure „Associação Brasileira das Indústrias Exportadoras de Carne“ (ABIEC) haben die Erzeuger im größten Land Lateinamerikas 2018 insgesamt 1,64 Millionen Tonnen Rindfleisch auf dem Weltmarkt verkauft. Dies waren elf Prozent mehr als 2017 und ein neuer Rekord. Die Länder der Europäischen Union steigerten ihre Einfuhren um neun Prozent auf 118.317 Tonnen und bleiben bezogen auf dem Umsatz der drittwichtigste Absatzmarkt für die brasilianischen Rindfleisch-Exporteure. Die ungebremste Nachfrage nach brasilianischem Rindfleisch ist mit dafür verantwortlich, dass im Amazonas-Regenwald immer mehr Fläche gerodet wird.

War die Sojabohne ursprünglich wegen ihres Öls und als alternative Proteinquelle für Fleisch als Lebensmittel geschätzt, ist die Ausweitung der heutigen Anbaufläche vor allem auf einen Faktor zurückzuführen: die zunehmende Nachfrage von Soja als Futtermittel für die Viehhaltung. Ungefähr achtzig Prozent des importierten Sojas werden mittlerweile weltweit als Viehfutter verwendet. Am rasantesten ist nach Angaben der internationalen Natur- und Umweltschutzorganisation „WWF“ die Ausweitung der Anbauflächen in Südamerika. In Argentinien hat sich die Soja-Anbaufläche zum Beispiel seit 2000 um über 190 Prozent auf heute etwa 17 Millionen Hektar ausgeweitet und in Brasilien um über 160 Prozent auf heute etwa 22 Millionen Hektar. Das ist mehr als die gesamte Fläche von Portugal und Ungarn zusammen.

Aktuelle Auswertungen von Satellitendaten belegen, dass in Brasilien jede Minute eine Fläche des Amazonas-Regenwaldes in der Größe eines Fußballfeldes gerodet wird. Die Verlustrate hat sich beschleunigt, seit der neue rechtsgerichtete Präsident Jair Messias Bolsonaro die Entwicklung der Erhaltung vorgezogen hat. Seine populistische Agenda wird von landwirtschaftlichen Betrieben und Kleinbauern unterstützt von denen viele der Ansicht sind, dass zu viel des Amazonas-Gebietes geschützt ist und dass die Umweltbehörden zu viel Einfluss haben. Anfang dieses Jahres hat Bolsonaro, der als „Trump der Tropen“ bekannt ist, US-Präsident Donald Trump eingeladen ein Partner bei der Ausbeutung der Ressourcen des Amazonas zu sein.

Kritische Stimmen werden ignoriert. Der oberste Sicherheitsberater des Präsidenten, General Augusto Heleno Pereira, gab letzten Monat bekannt, es sei „Unsinn“, dass der Amazonas Teil des Welterbes sei. „Der Amazonas ist brasilianisch, das Erbe Brasiliens und sollte von Brasilien zum Wohle Brasiliens behandelt werden“, so Pereira. Bolsonaro selbst reagierte beim G-20-Gipfel in Osaka auf die Worte der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die am Vortag seine Umweltpolitik kritisiert hatte. „Sie (die Deutschen) können viel von uns lernen“, so das Staatsoberhaupt und wies jede Art von Einmischung in seine Regierungspolitik zurück. Deutschlands Industrie beruht hauptsächlich noch auf fossilen Energieträgern wie Kohle, die brasilianische hingegen nicht (neunzig Prozent aus erneuerbaren Quellen).

Landwirtschaftliche Organisationen argumentieren seit Jahrzehnten, dass das Netzwerk der Schutzgebiete des Waldes, einschließlich der Reserven für Ureinwohner, für ein Entwicklungsland, das Arbeitsplätze schaffen muss, zu restriktiv ist. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass andere Länder ihre Bäume für die Landwirtschaft ebenfalls gerodet haben aber nun wollen, dass Brasilien nicht dasselbe tut. Zudem kaufen die USA und Europa immer mehr Produkte aus der Amazonas-Region, was auch eine Vergrößerung der Rinderherden erforderlich macht. Rindfleisch aus Brasilien ist vergleichsweise günstig. Während brasilianische Ware umgerechnet rund 217 Euro/100 kg kostet, sind für EU-Ware laut EU-Daten 374 Euro/100 kg zu anzulegen. Die gewaltigen Herden müssen ernährt werden. Um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, braucht es knapp 12 Kilogramm Sojaschrot. Auf einem Hektar können pro Jahr in den Tropenländern 2.600 Kilogramm Soja geerntet werden.

Der Amazonas hat heute über 85 Millionen Rinder, drei für jeden Einwohner. In den 1970er Jahren gab es fast keine der Hornträger und der Wald war intakt. Seitdem ist ein Teil, der der Größe Frankreichs entspricht, verschwunden. Sechsundsechzig Prozent dieser Fläche ist zu Weideland geworden. Dementsprechend steigt die Nachfrage nach Soja. In Brasilien hat sich die Produktion von Sojabohnen in den Jahren zwischen 2002 bis 2016 von jährlich 43 Millionen Tonnen auf 96 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. Im selben Zeitraum wurden 180.000 Quadratkilometer Regenwald im brasilianischen Teil Amazoniens abgeholzt.

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