„Sie sind Eindringlinge“: Indigene Gruppe gegen Minenriese

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In Brasilien leben rund 900.000 Indigene in etwa 240 Völkern, die ein einzigartiges Wissen über die Pflanzen und Tiere auf ihren Territorien besitzen (Foto: FUNAI)
Datum: 27. Januar 2020
Uhrzeit: 17:09 Uhr
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Im Jahr 2010 hat „Potássio do Brasil“ riesige Kalivorkommen im Gemeindebezirk Autazes, 112 Kilometer östlich von Manaus (Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas), entdeckt. Das Unternehmen kündigte schnell seinen Plan an, eine gigantische Kalimine zu eröffnen. Kali ist ein wichtiger Dünger, der vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Die Investitionen sollen laut der Tochtergesellschaft des kanadischen Konglomerats „Forbes & Manhattan“ mehrere Milliarden US-Dollar betragen, ein Konflikt mit rund 12.000 Mitgliedern der indigenen Ethnie der Mura ist vorprogrammiert. Die Indios, deren Genealogie das Ergebnis der Einbeziehung von Einwanderern aus dem Nordosten ist, können ihre Empörung kaum verbergen und fürchten sich vor den „Eindringlingen“.

Die gewaltigen Kalireserven liegen im Einzugsgebiet des Rio Madeira, einer Wasserstraße, auf der Soja vom größten brasilianischen Sojaproduktionsstaat Mato Grosso zum Umschlag nach China und Europa in die Häfen am Amazonas transportiert wird. „Anstatt wie heute leer den Fluss zu den Sojahöfen in Mato Grosso hinaufzufahren, könnten die Lastkähne voller Kali sein“, erklärt Guilherme Jácome, Projektentwicklungsleiter bei „Potássio do Brasil“. Dies würde die Mine nach seinen Worten sehr kostengünstig machen. Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro hat bereits vor Monaten angekündigt, Bergbau und Viehzucht in indigenen Schutzgebieten zu erlauben. Die Mura haben im November mit einem Konsultationsprozess begonnen. Die Ureinwohner haben drei Möglichkeiten: Sie können mit „Nein“, „Ja“ oder mit „bedingt“ stimmen was bedeutet, dass sie der Ausweitung der Genehmigung von Explorationsbohrungen zustimmen können, jedoch nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Eines der Nebenprodukte des Kalibergbaus sind große Mengen Salz. Das Unternehmen besteht darauf, dass dieses Salz nicht in das Grundwasser und in die Flüsse gelangen kann. Angesichts der starken Niederschläge in der Region, der extremen Hitze und der Lage in einem Überschwemmungsgebiet, bleiben die Mur jedoch besorgt. „In zwanzig oder dreißig Jahren wird die Mine ausgebeutet sein und das Unternehmen wird die Region verlassen. Es werden unsere Kinder und Enkel sein, die leiden da sie feststellen werden, dass es keine Tiere mehr zum Jagen gibt“, befürchtet ein Sprecher der Ethnie. „Das Gute ist, dass die Mine Arbeitsplätze bringen wird“, so Francisco Oliveira, Führer des Dorfes Taquara. „Das Schlimme sind die Auswirkung auf die Umwelt und auf unsere Leute, weil Außenstehende Krankheit und Prostitution mitbringen können“, fügt er hinzu.

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