Tropische Naturschutzgebiete besonders stark von künftigen Klimaänderungen betroffen

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m Nationalpark Cotopaxi in Ecuador. Foto: Samuel Hoffmann.
Datum: 03. Oktober 2020
Uhrzeit: 14:48 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die Naturschutzgebiete der Erde sind das Rückgrat für die Bewahrung globaler Biodiversität. Vom künftigen Klimawandel sind sie in sehr unterschiedlicher Weise betroffen. Detaillierte Kenntnisse der Klimawandelfolgen vor Ort können daher zum Management von Schutzgebieten und zum Erhalt ihrer ökologischen Leistungen wesentlich beitragen. Darauf macht eine biogeografische Studie der Universität Bayreuth in der Zeitschrift „Diversity and Distributions“ aufmerksam. Sie beruht auf Klimaprognosen für mehr als 130.000 Naturschutzgebiete weltweit.

Für ihre neue Studie haben Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein und Dr. Samuel Hoffmann am Lehrstuhl für Biogeografie insgesamt 137.735 Naturschutzgebiete in sechs Kontinenten untersucht. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welchen Abweichungen von den derzeitigen Klimabedingungen diese Gebiete in den kommenden fünf Jahrzehnten ausgesetzt sind und wie dadurch Pflanzen- und Tierarten vor Ort gefährdet werden. „Pauschale Prognosen zum Klimawandel reichen nicht aus, um dem drohenden weiteren Verlust an Biodiversität entgegenzutreten. Dies kann nur gelingen, wenn wir mehr darüber wissen, welche lokalen Klimaänderungen – beispielsweise in Naturschutzgebieten – durch globale Tendenzen verursacht werden. Wie unsere Studie eindrucksvoll belegt, können diese lokalen Auswirkungen schon in räumlich benachbarten Gegenden sehr verschieden ausfallen“, sagt Beierkuhnlein.

Besonders starke lokale Klimaänderungen sind bis 2070 vor allem in Schutzgebieten tropischer Länder zu erwarten. Diese haben heute für den Erhalt weltweit gefährdeter Pflanzen- und Tierarten eine große Bedeutung und stehen unter hohem Druck, weil sie von den Menschen intensiv genutzt werden. Einige von ihnen liegen in Gebirgen hoch über dem Meeresspiegel. Hier werden die Temperaturen infolge des Klimawandels voraussichtlich spürbar ansteigen. Folglich werden einige gefährdete Arten wahrscheinlich versuchen, in höhere und deshalb kühlere Gebirgsregionen auszuweichen. Dort aber könnte die Gefährdung einzelner Arten schnell ansteigen, weil in der Höhe weniger Ressourcen verfügbar sind. „Für wandernde Arten könnten sich höhere Gebirgslagen als Sackgasse erweisen“, erklärt Hoffmann.

Die neue Studie zeigt aber auch: Schutzgebiete, in denen künftige Klimaverhältnisse besonders stark von der Gegenwart abweichen, haben einige Eigenschaften, die sich vorteilhaft auf den Erhalt von Arten auswirken können. Sie sind oft sehr groß, weisen sehr unterschiedliche Landschaftsprofile auf und bieten daher vielfältige Umweltbedingungen. Zudem sind sie durch direkte menschliche Eingriffe wenig belastet und kaum durch Verkehrswege zerschnitten. Diese Umstände begünstigen die Anpassungsfähigkeit von Arten, beispielsweise durch genetischen Austausch und höhere Ressourcenverfügbarkeit. Zudem können manche Arten, die aufgrund von Klimaänderungen zum Verlassen ihrer angestammten Lebensräume gezwungen sind, infolge der landschaftlichen Vielfalt bereits in ihrer Nachbarschaft neue Habitate finden. Deshalb kann ein über lokale Klimaveränderungen gut informiertes Management dazu beitragen, Folgen des Klimawandels in Naturschutzgebieten abzumildern.

Prognosen des globalen Klimawandels sind immer mit Unsicherheiten behaftet. Deshalb haben die Bayreuther Forscher bei ihrer Untersuchung der Naturschutzgebiete mit zehn verschiedenen globalen Modellen des Klimawandels gearbeitet. Zudem haben sie zwei deutlich voneinander abweichende Szenarien der globalen Treibhausgas-Emissionen in ihre Beurteilungen einbezogen. In jedem der untersuchten Naturschutzgebiete wurden kleine quadratische Flächen mit einer Größe von rund einem Quadratkilometer untersucht. Charakteristische Eigenschaften dieser „Zellen“ wurden anschließend ins Verhältnis zu prognostizierten klimatischen Änderungen gesetzt, die auf globaler Ebene bis 2070 zu erwarten sind. Zu diesen Eigenschaften zählen beispielsweise die Höhe über dem Meeresspiegel, das Landschaftsprofil, Niederschläge und Temperaturen, die dort lebenden Pflanzen- und Tierarten sowie Eingriffe seitens der Menschen. Mit diesen Untersuchungen ist es den Bayreuther Forschern gelungen, lokale Klimawandeleffekte auf kleinstem Raum abzuschätzen.

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