Impfstoff-Tourismus: Lateinamerikaner reisen in den Norden

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Wie gewohnt reagieren Fluggesellschaften schnell und haben ihre Preise erhöht (Foto: Latinapress)
Datum: 12. Mai 2021
Uhrzeit: 08:07 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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Lateinamerika ist eine der am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Regionen. Die Zahl der Todesopfer wird auf über eine Million geschätzt und viele möchten nicht länger warten, bis sie an der Reihe sind geimpft zu werden. Von Mexiko bis ins weit entfernte Paraguay und Argentinien haben bereits Tausende Lateinamerikaner Flüge in die USA gebucht, um von einer der angeblich erfolgreichsten Impfkampagnen der Welt zu profitieren. Viele machen es alleine, während andere Reisebüros aufgesucht haben. Dort werden Rundum-Pakete angeboten, die den Impfstofftermin, Flüge, Hotelaufenthalte enthalten und sogar Extras wie Stadt- und Einkaufstouren anbieten.

Aufgrund der boomenden Nachfrage sind die Flugpreise zum Beispiel von Mexiko in die USA seit Mitte März um durchschnittlich dreißig bis vierzig Prozent gestiegen. „Es gibt Tausende von Mexikanern und Tausende von Lateinamerikanern, die in die USA gegangen sind um sich impfen zu lassen“, so Rey Sanchez, Leiter des Reisebüros „RSC Travel World“ laut einem Bericht von „Reuters“. Er fügte hinzu, dass die Top-Reiseziele Houston, Dallas, Miami und Las Vegas waren. Die US-Städte haben den Trend erkannt, der das dringend benötigte Geschäft in Hotels, Restaurants und andere Serviceaktivitäten mit Geldnot einleitet. „Willkommen in New York, Ihr Impfstoff wartet auf Sie! Wir werden den Johnson & Johnson-Impfstoff an berühmten Orten in unserer Stadt verabreichen“, kündigte die New Yorker Regierung am 6. Mai auf Twitter an. Die US-Botschaft in Peru hat den Einwohnern auf „Twitter“ kürzlich mitgeteilt, dass Reisende die USA zur medizinischen Behandlung, einschließlich Impfungen, besuchen könnten.

Bis nach Argentinien verkaufen Reisebüros Impfungstouren. In einer Anzeige in Buenos Aires sind die geschätzten Kosten für die Impfung in Miami aufgeführt: Flugticket 2.000 US-Dollar, Hotel für eine Woche 550 US-Dollar, Essen 350 US-Dollar, Autovermietung 500 US-Dollar und Impfstoff 0 US-Dollar. Für insgesamt 3.400 US-Dollar kann sich der hauptsächlich wohlhabende Lateinamerikaner gegen das Corona-Virus impfen lassen. Inzwischen buchen auch immer mehr Menschen mit bescheideneren Mitteln. Für viele ist es aufgrund der Kosten ein großes Unterfangen. Die langsame Einführung von Impfungen in den meisten lateinamerikanischen Ländern ist ein häufiger Grund für Reisen in die USA, eine Verschuldung über mehrere Jahre wird in Kauf genommen.

Kampagnen in Lateinamerika wurden durch Lieferverzögerungen und -engpässe behindert, da im Inland kaum oder gar keine Infrastruktur für die Herstellung von Impfstoffen vorhanden ist. Die Vereinigten Staaten haben fast 262 Millionen Impfstoffdosen verabreicht, etwa das 2,3-fache der Anzahl der in ganz Lateinamerika verabreichten Impfungen. Wie gewohnt reagieren Fluggesellschaften schnell und haben ihre Preise erhöht. Während zahlreiche Kunden wie zum Beispiel bei „TAP Air Portugal“ auch nach über einem Jahr noch immer auf die Erstattung ihrer stornierten Tickets warten, hat der Impfstofftourismus den Flugverkehr in die USA beschleunigt und die Tarife für Last-Minute-Flüge seit Januar verdoppelt oder sogar verdreifacht.

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