Gehirn der Ureinwohner im bolivianischen Amazonas altert langsamer

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Die Tsimane-Ureinwohner sind aktiv und ernähren sich ballaststoffreich, was zu einer besseren Lebensqualität beiträgt (Foto: Chapman University/Tsimane Health and Life History Project Team)
Datum: 28. Mai 2021
Uhrzeit: 19:48 Uhr
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Das indigene Volk der Tsimane lebt im Amazonasgebiet im Norden Boliviens. Die Ureinwohner pflegen gesunde Lebensgewohnheiten, jagen ihre eigene Nahrung und essen, was sie anbauen. Die Gruppe wurde von einem internationalen Team von Wissenschaftlern untersucht die zu dem Schluss kamen, dass sie im Vergleich zu europäischen und nordamerikanischen Völkern eine um siebzig Prozent langsamere altersbedingte Abnahme des Gehirnvolumens aufweisen. Die aktuelle Studie wurde am Mittwoch (26.) in der Fachzeitschrift „Journal of Gerontology“ veröffentlicht und wird von der „University of Southern California“ in den Vereinigten Staaten geleitet. Die Forscher werteten Gehirnscans von 746 Tsimane-Erwachsenen aus, die zwischen 40 und 94 Jahre alt waren. Eine beschleunigte Hirnatrophie gilt als Anzeichen für Demenz, eine Klasse von Krankheiten, zu der auch die altersbedingte Alzheimer-Krankheit gehört. Die Untersuchung ergab, dass die Tsimane mit zunehmendem Alter jedoch verzögert mit diesem Problem umgehen. Um untersucht zu werden, erhielten die Studienteilnehmer einen Transport von ihren abgelegenen Dörfern nach Trinidad, Bolivien. Die Reise dauert bis zu zwei volle Tage auf dem Fluss oder der Straße. Experten berechneten das Volumen der Gehirne der Tsimane und setzten es in Bezug zu ihrem Alter. Anschließend verglichen sie die Ergebnisse mit Daten von drei industrialisierten Populationen in den Vereinigten Staaten und Europa.

Sie kamen zu dem Schluss, dass der Hirnverfall bei den Idios im mittlerem und hohem Alter um siebzig Prozent geringer war als bei europäischen und nordamerikanischen Populationen. Dies ist wichtig, weil Hirnatrophie mit dem Risiko von Demenz, kognitivem und funktionellem Verfall korreliert ist. Demnach schrumpft das Gehirn der Tsimane im Alter langsamer. Es stellte sich heraus, dass die Tsimane körperlich aktiver sind und eine ballaststoffreiche Ernährung mit Gemüse, Fisch und magerem Fleisch zu sich nehmen. Während Europäer und Nordamerikaner einen besseren Zugang zu modernen Medikamenten haben, führen sie ein sitzenderes Leben und ernähren sich mit einem hohen Anteil an gesättigten Fetten.

„Unser sitzender Lebensstil und unsere zucker- und fettreiche Ernährung beschleunigen möglicherweise den Verlust von Hirngewebe im Alter und machen uns anfälliger für Krankheiten wie Alzheimer“, kommentierte Hillard Kaplan, Mitautor der Studie, in einer Stellungnahme. Eine weitere Erkenntnis des Teams war, dass die indigene Bevölkerung ein hohes Maß an Entzündungen aufwies. Dieses Problem wird jedoch nur in nordamerikanischen und europäischen Populationen mit der Hirnatrophie in Verbindung gebracht: Bei den Tsimane hat der Entzündungsprozess keinen Einfluss auf den beschleunigten Hirnverfall. Die Autoren der Studie gehen weiter davon aus, dass Entzündungen bei Europäern und Nordamerikanern mit Fettleibigkeit und metabolischen Ursachen in Verbindung stehen. Bei Tsimane hingegen wird sie durch Infektionen der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts und durch Parasiten verursacht.

Im Jahr 2017 zeigte eine weitere Studie, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde, dass Tsimane die gesündesten Herzen der Welt haben, mit einer geringeren Prävalenz von koronarer Atherosklerose und wenigen Risikofaktoren für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Diese Studie zeigt, dass Tsimane nicht nur in Bezug auf die Herzgesundheit, sondern auch hinsichtlich der Gesundheit des Gehirns hervorragend sind“, bekräftigt Kaplan. „Die Ergebnisse deuten auf reichlich Möglichkeiten für Interventionen zur Verbesserung der Gehirngesundheit hin, selbst in Populationen mit hohen Entzündungswerten.“

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