Tod im Supermarkt: „Carrefour“ schließt Verhaltensanpassungsvereinbarung ab

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Der Tod eines afro-brasilianischen Mannes nach einer Prügelei mit Sicherheitskräften in einem Supermarkt in Porto Alegre hatte im südamerikanischen Land eine Welle der Empörung ausgelöst (Foto: Reprodução/Redes sociais)
Datum: 12. Juni 2021
Uhrzeit: 10:49 Uhr
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Der Tod des Afro-Brasilianers Joao Alberto Silveira Freitas am 19. November 2020 in einem Supermarkt in Porto Alegre (Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Su) hatte im südamerikanischen Land eine Welle der Empörung ausgelöst. Joao war nach einer Prügelei mit Sicherheitskräften gestorben. Ein Video, das von einem Zeugen mit einem Handy aufgenommen und von den Medien und sozialen Netzwerken veröffentlicht wurde, hatte den Moment eingefangen, in dem der 40- Jährige von einem der Agenten mit mehreren Schlägen angegriffen und von einem anderer Mitarbeiter der Secury bewegungsunfähig gemacht wurde. Der Betreiber der Kaufhalle, das international tätige französische Unternehmen „Carrefour“, hat nun eine Verhaltensanpassungsvereinbarung (Termo de Ajustamento de Conduta, TAC) im Wert von 115 Millionen Reais im Zusammenhang mit dem Tod von João Alberto Silveira Freitas unterzeichnet (1 US-Dollar entspricht 5,12 Reais). Das Geld wird für Maßnahmen zur Bekämpfung von Rassismus verwendet, sechs Personen müssen sich noch vor Gericht für das Verbrechen verantworten.

In einer Erklärung teilte das zweitgrößte Einzelhandelsunternehmen Europas mit, dass „die Gruppe mit dieser Unterzeichnung ihre unwiderrufliche Verpflichtung bekräftigt, gegen Rassismus zu kämpfen und als Organisation für die Transformation der Gesellschaft handelt. Etwas mehr als sechs Monate nach dem Vorfall hat der Konzern neben dem Abschluss der Vereinbarung bereits alle Mitglieder der Familie des Opfers entschädigt, das Sicherheitsmodell in den Geschäften neu formuliert und die anderen seit November öffentlich eingegangenen Verpflichtungen zur Bekämpfung von Rassismus und zur Förderung der Gleichberechtigung in die Praxis umgesetzt“. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war die Unterzeichnung die größte Verhaltensanpassungsvereinbarung, die jemals für die Politik der Wiedergutmachung und Förderung der Rassengleichheit in Brasilien getätigt wurde. „Wir verwandeln eine traurige Tatsache, den Verlust des Lebens von João Alberto, in etwas Konstruktives mit der Absicht, dass so etwas nicht wieder passiert“, erklärte Gisele Müller Monteiro, Staatsanwältin für die Verteidigung der Menschenrechte.

Ende Mai hatte die Witwe von João Alberto das Entschädigungsangebot von „Carrefour“ akzeptiert. Nach Angaben des Anwalts von Milena Borges Alves beläuft sich der gezahlte Betrag auf über eine Million Reais. Milena war mit ihrem Mann im Supermarkt. Das Unternehmen zahlte ebenfalls weitere acht Entschädigungen an andere Familienmitglieder, darunter João Albertos Vater, seine Kinder und seine Stieftochter. Sechs Personen wurden von der Staatsanwaltschaft angeklagt und müssen sich vor Gericht für das Verbrechen verantworten.

Die vom TAC bestätigten Initiativen

Einer der Schwerpunkte sind die Aktionen, die auf Bildung abzielen. Ein großer Teil der finanziellen Mittel wird für die Vergabe von Stipendien für Schwarze auf Hochschul- und Postgraduiertenebene verwendet. Es wird auch Stipendien geben, die sich auf das Erlernen von Sprachen, Innovation und Technologie konzentrieren, wobei der Schwerpunkt auf der Ausbildung junger Fachkräfte für den Arbeitsmarkt liegt. Insgesamt wird es mehr als 10.000 Stipendien geben. „Wir glauben dass es notwendig ist, in Stipendien zu investieren, um mehr Möglichkeiten zu schaffen und die Beschäftigungsfähigkeit von Schwarzen zu erhöhen“, erklärte Cristiane Lacerda, Direktorin für menschliche Entwicklung der Gruppe.

Der Aktionsplan beinhaltet auch die Förderung des Unternehmertums unter Schwarzen. Hinzu kommen die Umsetzung der Null-Toleranz-Politik und die kontinuierliche Schulung aller Fachkräfte, die in der Carrefour-Gruppe Brasilien arbeiten – in Bezug auf Rassenkunde und den Kampf gegen alle Arten von Diskriminierung und Gewalt sowie die Stärkung des Beschwerdekanals. Alle drei Maßnahmen werden bereits im Unternehmen umgesetzt.

Eine weitere Verpflichtung unterstreicht die Notwendigkeit, Schwarze einzustellen, 30.000 davon in drei Jahren, um zum Bild der rassischen Vielfalt des Unternehmens beizutragen. Es ist erwähnenswert, dass heute vierundsechzig Prozent der Fachkräfte der „Carrefour Brasilien Gruppe“ angeben, schwarz oder mulattisch zu sein. Der Konzern wird auch ein Praktikums- und Traineeprogramm für schwarze Männer und Frauen anbieten und beabsichtigt außerdem, die Karrieren von dreihundert schwarzen Fachkräften, die bereits im Unternehmen arbeiten, zu beschleunigen und dadurch zu ihrem Aufstieg in Führungspositionen beizutragen.

Im Bereich der Sicherheit hat sich der Konzern für die interne Sicherheit entschieden. Es wurden mehr als sechshundert Fachkräfte eingestellt, die sich dadurch auszeichnen, dass sie die Vielfalt der brasilianischen Bevölkerung in Bezug auf Geschlecht und Rasse repräsentieren.

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