Invasive Arten: Vorsorge könnte weltweit eine Billion Euro einsparen

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Da Infektionen mit dem Zika-Virus („Zikafieber“) und neu beobachtete Schädigungen von Föten bei Schwangeren seit 2015 erstmals und zugleich gehäuft in Lateinamerika beobachtet werden, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 1. Februar 2016 den „Öffentlichen Gesundheitsnotstand internationalen Ausmaßes“ (Foto: Agência Brasil)
Datum: 10. Februar 2022
Uhrzeit: 11:31 Uhr
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Autor: Redaktion
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Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Phillip Haubrock hat gemeinsam mit Forschenden aus 17 internationalen Institutionen untersucht, welche Kosten durch invasive Arten entstehen und wie diese verhindert werden könnten. Ihre Forschungsergebnisse zeigen, dass die Kosten von Schäden, die durch invasive Arten verursacht wurden, mindestens zehnmal so hoch sind wie die Ausgaben, die für ihre Bekämpfung notwendig wären. Durch Vorsorgemanagement könnten laut der heute im Fachjournal „Science of the Total Environment“ erscheinenden Studie weltweit eine Billion Euro eingespart werden.

Die Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti) ist Hauptüberträgerin des Gelb-, Dengue- und Zika-Fiebers sowie einiger anderer Viruserkrankungen. Ursprünglich wahrscheinlich in Afrika beheimatet, wurde das Insekt durch den Menschen in andere Erdteile verschleppt. Heute ist sie weltweit in den Subtropen und Tropen verbreitet – einzelne Funde wurden bereits in Südspanien, Griechenland und der Türkei bestätigt. „Wie der Klimawandel, sind invasive Arten eine enorme Bedrohung für die biologische Vielfalt. Sie verändern unter anderem Lebensräume und entziehen einheimischen Tieren Nahrung und Ressourcen – zusätzlich zu dieser Schädigung der Ökosysteme sind sie aber auch einfach teuer“, erklärt Dr. Phillip Haubrock vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt und fährt fort: „Wenn wir die Auswirkungen invasiver Arten auf die Umwelt erkennen, haben sie sich oft schon fest eingebürgert und weit verbreitet. Es ist schwierig, Entscheidungsträger*innen davon zu überzeugen, in etwas zu investieren, das noch kein Problem darstellt, aber unsere Forschung zeigt deutlich, wie wertvoll ein vorbeugender Ansatz wäre!“

Haubrock hat gemeinsam mit Wissenschaftler*innen von 17 internationalen Institutionen mit Hilfe der globalen Datenbank InvaCost zusammengestellt, welche wirtschaftlichen Kosten durch invasive Arten entstehen und in welchem Verhältnis sie zu entsprechenden Managementmaßnahmen stehen. Die Studie zeigt, dass die Ausgaben für Maßnahmen gegen invasive Arten seit 1960 weltweit bei etwa 84 Milliarden Euro gelegen haben. Im Vergleich dazu berechneten die Forschenden die Schadenskosten – Verluste in der Land- und Forstwirtschaft, Schäden an der Infrastruktur, Belastung der Gesundheitssysteme – im selben Zeitraum von 60 Jahren auf mindestens 976 Milliarden Euro. „Nur 2,5 Milliarden Euro wurden dabei proaktiv für Präventionsmaßnahmen aufgewendet. Der überwiegende Teil der Kosten für das Management wurde für Kontroll- oder Ausrottungsmaßnahmen ausgegeben. Diese werden aber oft so spät ergriffen, dass sie nicht mehr erfolgreich sind“, erläutert der Gelnhäuser Biologe und ergänzt: „Unsere Studie zeigt deutlich, dass ein Ausbau der Vorsorge sinnvoll wäre: Wurde vor der Ausbreitung von invasiven Arten in Managementmaßnahmen investiert, tauchen diese Tier und Pflanzen auch nicht mehr in der Liste der Top wirtschaftlichen Schädlinge auf.“

Das Team hofft, dass die Ergebnisse ihrer Arbeit zu einem frühzeitigeren Management biologischer Invasionen führen. „Wir konnten einen jährlichen Anstieg der Ausgaben für die Bekämpfung invasiver Arten feststellen; allein im Jahr 2020 wurden hierfür weltweit über 3,7 Milliarden Euro ausgegeben“, so Haubrock und weiter: „Invasive Arten gar nicht erst eindringen zu lassen, bedeutet, dass die von ihnen verursachten enormen Schäden und Verluste nicht von gesellschaftlichen Bereichen wie beispielsweise Landwirtschaft, Fischerei oder Forstwirtschaft getragen werden müssen. Wir hoffen, dass unsere Arbeit die Politik und die Entscheidungsträger*innen dahingehend beeinflussen wird, dass sie früher in das Management invasiver Arten investieren, um sowohl die Ökosysteme als auch die Volkswirtschaften vor ihren negativen Auswirkungen zu schützen.“

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