„Petrochina“: Riesiges Korruptionssystem zwischen Ecuador und China

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Das große Problem bei den ecuadorianisch-chinesischen Schulden ist, dass die Barrel Öl, die als Zahlungsmittel gegeben wurden, nicht zum internationalen Rohölpreis bewertet wurden (Foto: EP PETROECUADOR)
Datum: 11. Februar 2022
Uhrzeit: 11:28 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die Schulden, die Ecuador während der Regierung von Rafael Correa bei China angehäuft hat und für die der südamerikanische Staat den asiatischen Riesen mit Öl bezahlen muss, sollen ein „internationaler Komplott der kommerziellen und finanziellen Vermittlung mit ecuadorianischem Öl“ sein. Dies berichtet der Kongressabgeordnete Fernando Villavicencio, Präsident der Fiskalkommission, die auch den Fall Álex Saab untersucht hat. Demnach hat Ecuador China Öl zu einem Preis weit unter dem tatsächlichen Wert geliefert, die über europäische Banken indossiert wurden. Der ecuadorianische Kongress wird den Fall vor Gericht bringen. Villavicencio hat auch angedeutet, dass er in den nächsten Tagen den Bericht über den „Petrochina-Fall“ – wie die Untersuchung genannt wurde – zur Genehmigung durch den Aufsichtsausschuss vorlegen wird. Villavicencio bezeichnete dies als „das größte Öl-Korruptionssystem in Ecuador“ und ist der Meinung, dass es transnationale Auswirkungen haben könnte.

Dieser Bericht bezieht sich auf:

    Ecuador schuldet chinesischen Banken rund 4,6 Milliarden US-Dollar. Davon sind vierhundert Millionen US-Dollar sehr zinsgünstige, sehr langfristige „konzessionäre Schulden“. Im Mai 2020 entsprachen die Schulden bei China neunundsiebzig Prozent der Verpflichtungen Ecuadors gegenüber anderen Ländern. Es ist bekannt, dass es Kreditlinien mit Zinssätzen von nur drei Prozent gibt, aber auch solche mit Zinssätzen von über sieben Prozent. Diese Zinssätze sind höher als die von multilateralen Kreditinstituten, wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Laut dem Abgeordneten hat Ecuador bei „Petrochina“, „Unipec“ und „PTT“ eine Finanzierung in Höhe von 18,17 Milliarden US-Dollar beantragt, wobei 1,365 Milliarden Barrel ecuadorianisches Öl als Sicherheit verpfändet wurden. Das Öl/Pfändungstitel, das direkt nach China gehen sollte, wurden jedoch an die europäischen Banken „Société Générale“, „Natixis“ und „ING Belgium“ weitergeleitet. Der Zweck, so Villavicencio, sei, „dass die Chinesen Zugang zu den US-Dollars haben und die Kredite bedienen können“. Diese Banken erwiesen sich als Verbündete der Gunvor-Gruppe und handelten gemeinsam mit ecuadorianischem Öl. Die Verluste, die Ecuador durch die Ölvermittlungsgeschäfte erleidet, würden sich auf rund fünf Milliarden US-Dollar belaufen.

    Das große Problem bei den ecuadorianisch-chinesischen Schulden ist, dass die Barrel Öl, die als Zahlungsmittel gegeben wurden, nicht zum internationalen Rohölpreis bewertet wurden, sondern der Preis pro Barrel eingefroren wurde. Dies hätte Ecuador einen erheblichen Schaden zugefügt, da das Land für jedes Barrel rund 3,60 US-Dollar verloren hat. Nach Villavicencios Schätzungen hätte Ecuador seine Schulden gegenüber China bereits beglichen, wenn das Barrel Öl zum internationalen Preis bezahlt worden wäre: „Multipliziert man die 1,174 Millarden Barrel, die bereits nach China und Thailand geliefert wurden – mit einem Durchschnittspreis von fünfundvierzig US-Dollar pro Barrel, so ergibt sich, dass das Geschäft rund dreiundfünfzig Milliarden US-Dollar eingebracht hat. Dieser Betrag würde mehr als fünfzig Prozent der Gesamtverschuldung von 18,17 Milliarden US-Dollar abdecken. Mit anderen Worten: dreiundfünfzig Milliarden US-Dollar an flüssigem Geld (Öl) wurden im Austausch für chinesische Kredite in Höhe von 18,17 Milliarden US-Dollar mit Zinssätzen von über sieben Prozent vergeben“.

    Nach den Ermittlungen des ecuadorianischen Gesetzgebers stand die Gunvor-Gruppe im Mittelpunkt des Systems. In diesem multinationalen Unternehmen arbeitete Raymond Kohut, der im Dezember 2021 vor der US-Justiz die Zahlung von mindestens siebzig Millionen US-Dollar an Schmiergeldern an Beamte von „Petroecuador“ und die Zahlung von Provisionen an andere Vermittler gestand. Kohut und seine unternehmerischen Aktivitäten wurden durch die Untersuchung der Pandora’s Papers aufgedeckt. Laut Villavicencio diente die Gunvor-Gruppe angeblich als Zwischenhändler, um die Vermarktung von ecuadorianischem Öl an chinesische Raffinerien zu kontrollieren.

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