Neue Glasfroscharten in Ecuador entdeckt

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Hyalinobatrachium mashpi, eine der neu entdeckten Arten, ist für ihren hohen Pfeifton und die schwarzen Flecken auf ihrem Körper bekannt, die wahrscheinlich zur Tarnung im Regenwald dienen (Fotos: JAIME CULEBRAS)
Datum: 22. März 2022
Uhrzeit: 14:43 Uhr
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Autor: Redaktion
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Etwa fünfzehn Kilometer von Quito (Hauptstadt Ecuadors) entfernt, liegt an den zerklüfteten Hängen der Anden einer der biologisch vielfältigsten und am stärksten gefährdeten Orte der Tropen. Hier, am Fuße der Anden, liegt ein Tal. Rund um den Río Guayllabamba, der das Tal durchfließt, wurden kürzlich zwei neue Glasfroscharten entdeckt. Die Arten, die nur zwanzig Kilometer voneinander entfernt leben, sehen sich zwar sehr ähnlich, sind aber genetisch verschieden. Die Wissenschaftler sind überrascht. Eine dieser Arten, „Hyalinobatrachium mashpi“, lebt auf der Südseite des Flusses, in den Naturschutzgebieten Mashpi und Tayra. Diese beiden benachbarten Regenwaldstücke sind in Privatbesitz und umfassen zusammen etwa 2.500 Hektar. Die andere Froschart, „Hyalinobatrachium nouns“, lebt auf der Nordseite des Tals in den Toisán-Bergen, einer steilen Bergkette, die sich von den Anden abhebt und wie eine Insel über einem Meer aus Grün schwebt. Beide Arten leben in etwa der gleichen Höhe und unter ähnlichen Feuchtigkeits- und Temperaturbedingungen. Beide messen zwischen 1,9 und 2,1 Zentimeter vom Kopf bis zum Hinterteil (das ist eine Standardlänge für Amphibien). Mit bloßem Auge sehen sie ähnlich aus, mit einem hellgrünen Rücken, der mit schwarzen Punkten um gelbe Flecken herum bedeckt ist.

Von unten betrachtet haben sie das typische Aussehen eines Glasfrosches: einen völlig durchsichtigen Bauch, durch den ein rotes Herz zu sehen ist, eine weiße Leber mit Knötchen, ein Verdauungssystem und bei den Weibchen einen Sack mit grünlichen Eiern. „Als wir anfingen sie zu sammeln, dachten wir zunächst, es handele sich um eine einzige Art“, so der Evolutionsbiologe Juan Manuel Guayasamin von der Universidad San Francisco de Quito. Er war der Hauptautor des kürzlich in der Zeitschrift „PeerJ“ veröffentlichten Artikels, in dem die neue Art beschrieben wird. Bei näherer Betrachtung der DNA der Frösche „stellten wir zu unserer Überraschung fest, dass es große genetische Unterschiede gab“, fügte er hinzu. Soweit wir wissen, gibt es 156 Arten von Glasfröschen, die in der Neotropis leben (Südamerika, Mittelamerika, die Westindischen Inseln, den südlichen Teil von Mexiko sowie die Südspitze Floridas). Man findet sie vor allem im nördlichen Teil der Anden und in Mittelamerika.

In den vergangenen zehn Jahren haben der „National Geographic Explorer Guayasamin“ und seine Kollegen DNA-Proben von Glasfröschen gesammelt. Zu diesem Zweck begaben sie sich in den Regenwald, untersuchten aber auch Exemplare in Museen und Privatsammlungen in verschiedenen Ländern. Bislang haben die Forscher das Genmaterial von etwa 90 Prozent der 150 existierenden Glasfroscharten seziert. So fanden sie beispielsweise heraus, dass sich H. mashpi und H. nouns genetisch um fast fünf Prozent unterscheiden. Das ist eine Menge für Amphibien, die sich sonst so ähnlich sind. Guayasamin bezeichnet es auch als überraschend, dass die beiden Gruppen so nahe beieinander leben, nur etwa zwanzig Kilometer voneinander entfernt. „Wir glauben, dass das Tal eine Barriere bildete, so dass sich diese beiden Froscharten nicht vermischen konnten“, sagt Guayasamin. Der Grund dafür ist, dass das Tal des Guayllabamba-Flusses trockener ist als die umliegenden Hänge und auch ökologisch anders ist. Wenn Populationen durch ein geografisches Hindernis getrennt sind, häufen sich die Mutationen innerhalb jeder Gruppe, so dass sie sich im Laufe der Zeit genetisch voneinander unterscheiden.

Wissenschaftler nennen dieses Phänomen, bei dem die Merkmale, die die Arten unterscheiden, mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, „kryptische Vielfalt“, erklärt Mitautor Jaime Culebras, der als Forscher für die Fundación Cóndor Andino arbeitet. Diese gemeinnützige Organisation mit Sitz in Quito setzt sich für die Erhaltung von Lebensräumen ein, in denen Frösche häufig vorkommen. Unter Amphibien ist eine kryptische Vielfalt weit verbreitet. Neben den genetischen Erkenntnissen nutzten die Forscher auch die Bioakustik (die Nachahmung und Übertragung von Tierlauten), um die Unterschiede zwischen den Froscharten in der freien Natur zu ermitteln. Es gelang ihnen jedoch nur, den Ruf des Männchens von H. mashpi aufzuzeichnen und ihn mit dem anderer Arten der Gattung Hyalinobatrachium zu vergleichen. Sein Geräusch ist dem einer Grille sehr ähnlich“, so Culebras (der auch Naturfotograf ist). Aber es gibt auch Grillen, die genau wie dieser Frosch klingen!

Die Entdeckung der neuen Glasfrösche zeigt, wie viele neue Arten es noch zu entdecken gibt, vor allem im tropischen Teil der Anden. Dieses Gebiet ist topographisch sehr komplex, es gibt viele kleine Teilgebiete, die noch nicht erforscht sind. Außerdem gibt es viele abgelegene Gebiete, so dass viele Arten nur in kleinen Gebieten vorkommen. Was die Amphibien Ecuadors betrifft, so ist die größte Vielfalt in den Anden zu finden, nicht im Amazonasgebiet. Die tropische Andenregion, zu der Teile von Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien gehören, ist die Heimat von über 1.000 Amphibienarten. Das sind doppelt so viele wie im Amazonasgebiet. Einige ecuadorianische Amphibien, wie der kürzlich entdeckte H. mashpi, leben sogar in der Nähe von Menschen innerhalb der Stadtgrenzen von Quito. Der Mensch und seine Aktivitäten bedrohen diese Tiere: Die Hälfte der Amphibienarten in den Anden ist durch Kupfer- und Goldminen ernsthaft gefährdet. Nach Angaben der „International Union for Conservation of Nature“ (IUCN) sind 10 Glasfroscharten stark vom Aussterben bedroht, 28 vom Aussterben bedroht und weitere 21 gefährdet.

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