Ukraine-Krieg: Starkes Wirtschaftswachstum für Venezuela prognostiziert

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Inzwischen hat die Weltbank ihre BIP-Wachstumsschätzung für Lateinamerika und die Karibik für dieses Jahr um 0,4 Punkte auf 2,3 Prozent korrigiert (Foto: Archiv)
Datum: 08. April 2022
Uhrzeit: 14:03 Uhr
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Autor: Redaktion
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Venezuelas Wirtschaft könnte in diesem Jahr um zwanzig Prozent wachsen. Dies prognostiziert die Investmentbank „Credit Suisse“ in ihrem aktuellen Bericht. Diese Zahl liegt deutlich über der vorherigen Prognose von 4,5 Prozent, was auf die steigende Nachfrage nach Rohöl zurückzuführen ist, seit Russland für seinen Einmarsch in der Ukraine sanktioniert wurde. Die Schweizer Grossbank und zugleich eines der grössten global tätigen Finanzdienstleistungsunternehmen mit Sitz in Zürich erwartet für das Jahr 2023 zudem ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von acht Prozent gegenüber einer früheren Schätzung von drei Prozent.

„Dies sind keine Tippfehler. Wenn wir richtig liegen, könnten dies einige der stärksten Wachstumsdaten weltweit seit Jahren sein“, so die Bank in ihrem Bericht vom 6. April. Die venezolanische Wirtschaft habe 2020 die Talsohle durchschritten und die neue Prognose stütze sich weitgehend auf die Erwartung, dass das Öl-BIP um mehr als zwanzig Prozent steigen werde, heißt es weiter. Das südamerikanische Land hatte jahrelang mit einem wirtschaftlichen Zusammenbruch und einer hohen Inflation zu kämpfen. Einige Wirtschaftssektoren haben Auftrieb erhalten, nachdem das Regime von Diktator Nicolas Maduro die Kontrollen der Wirtschaft gelockert und mehr Devisentransaktionen zugelassen hat.

Ein hochrangiges Treffen zwischen Vertretern der USA und Venezuelas in Caracas Anfang März öffnete zudem die Tür für Gespräche über eine mögliche Lockerung der Sanktionen, die Washington ab 2019 gegen die Ölindustrie des OPEC-Mitgliedslandes verhängt hat. Nach Ansicht der „Credit Suisse“ könnte Venezuela das Defizit an russischem Öl ausgleichen. Die Vereinigten Staaten importierten 2021 rund 700.000 Barrel pro Tag (bpd) an Ölprodukten aus Russland, während die venezolanische Ölexportkapazität im vergangenen Jahr zwischen 500.000 und 700.000 bpd lag.

„Es scheint denkbar, dass die venezolanischen Behörden bei einer Lockerung der Sanktionen diese Zahl erhöhen könnten“, so die Bank. „Inmitten der Besorgnis über die Ölversorgung wurden einige plötzlich daran erinnert, dass sich die angeblich größten Ölreserven der Welt in einem Land befinden, das nicht so weit von den Vereinigten Staaten entfernt ist“. Die Aussicht auf eine Lockerung der Sanktionen hat die staatliche Petroleos de Venezuela (PDVSA) und einige ausländische Unternehmen dazu veranlasst, in Erwartung höherer Rohölexporte Maßnahmen zu ergreifen. Die Exportdaten zeigen jedoch, dass PDVSA nach wie vor durch jahrelanges Missmanagement und mangelnde Instandhaltung der Infrastruktur zur Förderung, Aufbereitung, Raffinierung, Lagerung und Ausfuhr von Öl behindert wird.

Inzwischen hat die Weltbank ihre BIP-Wachstumsschätzung für Lateinamerika und die Karibik für dieses Jahr um 0,4 Punkte auf 2,3 Prozent korrigiert, da der Inflationsdruck durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine gestiegen ist. In einem neuen Bericht schließt die Institution neben anderen Unsicherheiten, die das Wachstum der Region beeinflussen könnten, die Entwicklung des Coronavirus und das mögliche Auftreten neuer Varianten ein. Die Agentur schätzt, dass die Region im Jahr 2023 um 2,2 Prozent wachsen wird, wobei es den meisten Ländern gelingt, die durch die Pandemie verursachten Verluste umzukehren.

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