Argentinischer „Gargoyle“: Evolution der Dinosaurier

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Wissenschaftler gaben am Donnerstag (7.) bekannt, dass sie im Norden Patagoniens umfangreiche Skelettreste einer bisher unbekannten Art namens "Meraxes gigas" entdeckt haben (Fotos: conicet)
Datum: 08. Juli 2022
Uhrzeit: 07:24 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die in Argentinien gefundenen Fossilien eines wilden Dinosauriers mit einem riesigen Kopf, der mit Beulen und Kämmen bedeckt ist, die an ein Fantasiegeschöpf erinnern, geben Aufschluss über die Evolution einiger der größten Raubsaurier der Erde, einschließlich eines seltsamen Trends zu mickrigen Armen. Wissenschaftler gaben am Donnerstag (7.) bekannt, dass sie im Norden Patagoniens umfangreiche Skelettreste einer bisher unbekannten Art namens „Meraxes gigas“ entdeckt haben, darunter einen der vollständigsten Schädel eines großen fleischfressenden Dinosauriers, der je ausgegraben wurde. „Meraxes“, der vor etwa neunzig Millionen Jahren in der Kreidezeit lebte, war etwa 11-12 Meter lang und wog rund vier Tonnen. Das Tier wurde in einer Höhle der Formación Huincul entdeckt, in der zwischen sechsundneunzig und dreiundneunzig Millionen Jahre alte Rochen aus dem Oberen Kreidezeitalter in der Nähe von Villa El Chocón (Provinz Neuquén) lebten.

Alle fleischfressenden Dinosaurier gehörten zu einer zweibeinigen Gruppe, den Theropoden. „Meraxes“ gehörte zu einer Theropodenlinie, die Carcharodontosaurier – die so genannten Dinosaurier mit Haifischzähnen – genannt wird und zu der auch der noch größere Giganotosaurus, ebenfalls aus Patagonien und Carcharodontosaurus aus Afrika gehören. Der Schädel von Meraxes war mehr als 1,27 Meter lang, so der Paläontologe Juan Ignacio Canale von der argentinischen Forschungsagentur „CONICET“ am Paläontologischen Museum Ernesto Bachmann, Hauptautor der in der Zeitschrift „Current Biology“ veröffentlichten Studie. „Viele der Knochen des Gesichts und des Schädeldachs waren mit Beulen, Graten und Furchen bedeckt, was ihm ein knorriges Aussehen wie einem mittelalterlichen Gargoyle verlieh“, so der Paläontologe der „University of Minnesota“ und Mitautor der Studie, Pete Makovicky. Ein Gargoyle ist ein Fantasiegeschöpf, das in zahlreichen Werken der Phantastik und der modernen Populärkultur vorkommt. Vorbilder dieser Kreaturen sind die grotesk-figürlichen Wasserspeier, wie sie vor allem an Gebäuden der Gotik zu finden sind.

„Meraxes“, benannt nach einem Drachen aus der Fantasy-Saga „Das Lied von Eis und Feuer“, die die Fernsehserie „Game of Thrones“ inspiriert hat, besaß starke Kiefer, die mit fünfzehn Zentimeter langen, gezackten Zähnen besetzt waren und die größten Fußkrallen aller großen Theropoden. „Ein erschreckender Anblick“, so der Paläontologe und Mitautor der Studie Sebastián Apesteguía vom „CONICET“ und der Felix de Azara-Stiftung. Trotz der Größe des Körpers waren seine Arme nur knapp über sechzig Zentimeter lang – „absurd kurz“, so Makovicky. Zwei andere Theropodenlinien aus der Kreidezeit – die Tyrannosaurier, zu denen der nordamerikanische T. rex gehörte und die Abelisaurier, zu denen der südamerikanische Carnotaurus gehörte – hatten ebenfalls kurze Arme. Da die Überreste anderer großer Carcharodontosaurier unvollständig waren, lieferte „Meraxes“ den ersten Beweis für die Reduktion der Vorderextremitäten in dieser Gruppe. Abelisaurier hatten Arme mit vier Fingern, während Carcharodontosaurier diese auf drei und Tyrannosaurier auf zwei reduzierten.

Wissenschaftler haben sich gefragt, warum drei der wichtigsten Theropodengruppen unabhängig voneinander kurze Arme entwickelt haben, die für die Raubzüge wenig nützlich sind. Bei allen drei Gruppen zeigte sich ein Trend zur Vergrößerung des Kopfes und zur Verkleinerung der Vordergliedmaßen, was darauf hindeutet, dass sie sich beim Erlegen von Beutetieren stark auf den Schädel verlassen, so die Forscher. Die Arme der „Meraxes“ waren zwar winzig, aber kräftig und muskulös. „Trotz ihres kraftvollen Aussehens ist es schwer vorstellbar, dass sie viel benutzt wurden, da sie kaum über den Körper hinausragten und das riesige Maul nicht hätten erreichen können“, analysierte Makovicky. „Ich neige zu der Annahme, dass sie für andere Aktivitäten verwendet wurden, wie das Festhalten des Weibchens während der Paarung oder als Hilfe beim Aufrichten des Körpers aus der Bauchlage“, fügte Canale hinzu. Einige andere Linien großer Theropoden haben sich diesem Trend nicht angeschlossen. Der riesige Spinosaurus mit seinem langgestreckten Schädel, der sich gut für die Jagd auf Wasserbeute eignete, hatte Arme von mittlerer Länge. Die seltsamen Therizinosaurus und Deinocheirus, deren Ernährungsweise sich von der anderer Theropoden unterschied, hatten relativ lange Arme mit riesigen Krallen.

Die Carcharodontosaurier erreichten ihre größte Vielfalt vor etwa neunzig Millionen Jahren und verschwanden dann plötzlich. „Meraxes“ ist zwar nicht der größte Vertreter dieser Gattung, aber seine Überreste sind die vollständigsten der größten Carcharodontosaurier, da sie fast den gesamten Schädel, die Hüften und die Gliedmaßen enthalten.

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