Expedition erreicht den höchsten Baum im Amazonas

baum

Das Team posiert vor dem Giganten in Amapá. Es ist der größte Baum, der jemals im Amazonas katalogisiert wurde — Foto: Havita Rigamonti/IMAZON/IDEFLOR)
Datum: 09. Oktober 2022
Uhrzeit: 09:39 Uhr
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Der höchste Baum im brasilianischen Amazonasgebiet ist fast ein halbes Jahrtausend alt und steht in einem unwirtlichen Teil des Dschungels. Ein Team erfahrener Forscher hat sich kürzlich dorthin begeben, um mehr über den imposanten „Angelim-Vermelho“ herauszufinden. Der größte Baum des brasilianischen Amazonasgebiets, der zur Gattung Dinizia excelsa (Familie Fabaceae-Caesalpinioideae) gehört, ist etwa 88,5 Meter hoch – das entspricht fast der Höhe eines 30-stöckigen Gebäude – mit einem Umfang von 9,90 Metern und einem geschätzten Alter von 400 Jahren. Der Gigant wurde vor einigen Jahren vom „Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais“ (INPE) identifiziert, als es versuchte, die Biomasse des größten Tropenwaldes der Erde mit Hilfe von an Flugzeugen angebrachten Sensoren zu berechnen. „Einer der Parameter zur Berechnung der Biomasse des Regenwaldes ist die Höhe der Vegetation. Als wir die Berechnungen anstellten, stellten wir fest, dass einige dieser Bäume viel höher als normal waren“, sagte Eric Gorgens, einer der Förster, der die Expedition leitete. Die Forscher entdeckten dann ein „Heiligtum von Riesenbäumen“ in der Region des Jari-Flusses, zwischen den Bundesstaaten Pará und Amapá (Norden). Einer von ihnen stach mit einer Höhe von 88,5 Metern hervor, der größte, der je im brasilianischen Regenwald gemessen wurde.

Also machten sich die Forscher auf die Reise zum höchsten Baum des Amazonas. Es waren insgesamt vierzig Kilometer durch unwegsamen Dschungel zu bewältigen. Elf Reisetage zwischen dem 11. und 21. September, ausgehend von der Gemeinde Laranjal do Jari, bedeuteten eine neue Odyssee nach der im Jahr 2019, als eine bereits geplante Expedition praktisch auf dem letzten Stück abgebrochen werden musste. An der erneuten Forschungsreise zum Riesenbaum, die von der „Royal Society“ finanziell unterstützt wurde, waren zwanzig Personen beteiligt, darunter Forscher, ein Unterstützungsteam und eine Gruppe von Kastaniensammlern. Ihre Ortskenntnis war von grundlegender Bedeutung, um den Angelim-Vermelho zu erreichen, der in einer üppigen Region voller Flüsse mit starken Strömungen, Wasserfällen und steilen Hängen im Herzen des größten Tropenwaldes der Erde liegt.

„Wir hatten die primäre Unterstützung dieser Hüter des Waldes aus der Gemeinde San Francisco de Iratapuru. Sie leben auf der Seite von Amapá, aber da die Grenze zum Bundesstaat Pará ein Fluss ist, arbeiten sie in dieser Region“, fügte Professor Diego Armando Silva hinzu, lokaler Koordinator des Projekts und Mitarbeiter des Bundesinstituts von Amapá (IFAP). Für Silva ist die Entdeckung dieses Lebewesens in einer Umgebung, die noch nie zuvor von einem Menschen besucht wurde, etwas „Außergewöhnliches“ und er bekräftigt, wie wichtig es ist, diese isolierten Orte zu erhalten, um den Baumbestand zu bewahren, was seiner Meinung nach ohne die einheimischen Gemeinschaften nicht möglich wäre.

Die Schutzgebiete im nördlichen Pará, zu denen Umwelt- und Indigenenreservate mit einer Fläche von 22,3 Millionen Hektar gehören, sind der größte gesetzlich geschützte tropische Regenwald der Erde – eine gute Nachricht für diese Baumriesen. „In dieser Region gibt es keinen Bergbau. Es handelt sich um ein Gebiet, das sehr geschützt und sehr schwer zugänglich ist“, erklärte Silva. Der Gigant befindet sich im Pará-Waldreservat, einem privilegierten Ort im brasilianischen Regenwald mit Bäumen, die immense Ausmaße erreichen und bis zu 260 Kubikmeter Holz konzentrieren können, ein Wert, der fast einem Hektar Wald entspricht.

Häufige Niederschläge, eine dichte Vegetation, die direkte Sonneneinstrahlung verhindert, geringe Winde und ein fester und strukturierter Boden sind die natürlichen Elemente, die ihr Wachstum fördern. Allein in dieser Region wurden sechs der höchsten Bäume im Amazonasgebiet identifiziert. Ihre Anwesenheit ist nach Ansicht der Forscher der Schlüssel zur Bekämpfung der Klimakrise, da sie einen großen Teil des Kohlendioxids aus der Atmosphäre aufnehmen können. „Wenn ein Baum gefällt wird, ist er eine sehr wichtige Kohlenstoffquelle, aber er hat auch eine enorme Fähigkeit, Kohlenstoff zu binden. Der Baum absorbiert so viel Kohlenstoff wie ein Hektar Vegetation“, schloss Gorgens.

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