Zusammenstöße und Plünderungen in Haiti: Die Wut kocht über

trostlos

Das überraschende Wiederauftreten der Krankheit kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem das Land durch eine Blockade gelähmt ist, die zu Engpässen bei Treibstoff und sauberem Trinkwasser geführt hat (Foto: Logan Abassi UN/MINUSTAH)
Datum: 12. Oktober 2022
Uhrzeit: 06:53 Uhr
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Autor: Redaktion
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Am Dienstag (11.) ist es in mehreren Städten Haitis zu Protesten gekommen. Die Polizei ging gegen Demonstranten vor, als die regierungskritischen Proteste in Plünderungen ausarteten. In der Hauptstadt Port-au-Prince errichteten die Demonstranten brennende Barrikaden aus Autoreifen und warfen Steine auf die Polizei, die ihrerseits Tränengas einsetzte. Einige Demonstranten plünderten daraufhin ein Hotel, lokale Medien berichten von mehreren Todesopfern. Es fielen Schüsse und Bilder, die ein Reuters-Fotograf am Tatort aufnahm, zeigten eine blutüberströmte Frau, die tot am Boden lag. „Dies ist ein Verbrechen der Polizei. Dieses junge Mädchen stellte keine Bedrohung dar. Sie wurde getötet, weil sie ihren Wunsch nach einem Leben in Würde zum Ausdruck bringen wollte“, klagte ein Demonstrantin. Die Polizei hat sich noch nicht zu dem Vorfall geäußert.

Proteste gab es auch in der westlichen Stadt Gonaïves, wo Demonstranten ein Gerichtsgebäude stürmten und in Cap-Haïtien an der Nordküste Haitis. Lokalen Medien zufolge waren viele der Menschen, die am auf die Straße gingen, wütend über die Forderung des Premierministers, ausländische Streitkräfte in Haiti einzusetzen, was sie als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten Haitis“ ablehnen. „Wir brauchen sicherlich Hilfe, um unser Land zu entwickeln, aber wir brauchen keine Truppen vor Ort“, erklärte ein Demonstrant gegenüber „AFP“.

Die Lage in Haiti hat sich seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse durch Söldner im Juli letzten Jahres rapide verschlechtert. Banden haben die Kontrolle über wichtige Autobahnen und Varreux, das größte Tanklager Haitis, übernommen. Da die Lebensmittel- und Treibstofflieferungen infolgedessen eingestellt wurden, hungern immer mehr Haitianer. Mehrere Lagerhäuser von Wohlfahrtsverbänden und Hilfsorganisationen wurden geplündert, so dass die Schwächsten ohne Lebensmittel und Trinkwasser dastehen. Da sauberes Wasser immer schwieriger zu beschaffen ist, häufen sich die Fälle von Cholera – einer bakteriellen Krankheit, die gewöhnlich durch verunreinigtes Wasser übertragen wird. Am Dienstag (11.) gab die Weltgesundheitsorganisation bekannt, dass es sechzehn Cholera-Todesfälle und zweiunddreißig bestätigte Fälle gegeben hat. Im Jahr 2010 starben etwa zehntausend Menschen an Cholera, als Haiti von einem Erdbeben verwüstet wurde.

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