Mehr als zwölf Jahre lang regierten die Kirchners in Argentinien. Während dieser Periode existierte im südamerikanischen Land ein Denktabu im öffentlichen Raum bezüglich wirtschaftlicher Alternativen. Am 10. Dezember 2015 war die Telenovela beendet, die für ihre Vorliebe zu Rolex-Uhren, Südseeperlen-Colliers, Louboutin-Pumps und Hermès-Handtaschen bekannte Cristina Fernández de Kirchner musste ihr Amt an Mauricio Macri abtreten. Der ehemalige Präsident des Sportvereins Boca Juniors und Ex-Bürgermeister von Buenos Aires steht für eine allgemeine Liberalisierungspolitik, darunter ein Ende von Devisenkontrollen und Importrestriktionen. Dem neuen innenpolitischen Kurs fiel bereits Argentiniens oberster Zentralbanker zum Opfer, Alejandro Vanoli trat auf Druck des neuen Präsidenten im Dezember vergangenen Jahres vom Amt zurück. Die Unabhängigkeit der Notenbank soll gestärkt werden, ebenfalls die jahrelange Datenmanipulation der Statistiker. Am Montag (15.) gab Macri bekannt, den technischen Direktor der Statistikbehörde zu entlassen.
Erklärtes Ziel der neuen Regierung ist es, das internationale Vertrauen in die öffentlichen Institutionen wieder herzustellen. Das Nationale Institut für Statistik und Volkszählung (Indec) gab vor kurzem bekannt, Daten über das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und dem Verbraucherpreisindex (CPI) erst in acht Monaten veröffentlichen zu können. Die letzte Veröffentlichung der statistischen Daten stammt vom November 2015 und wurde von Macri wegen „geringer Glaubwürdigkeit“ sofort zurückgezogen.
Ein Beispiel für die „Glaubwürigkeit“ der staatlichen Behörde stammt aus dem Jahr 2013. Nach jahrelanger Datenmanipulation kamen die Statistiker auf das aberwitzige Ergebnis, dass es in Argentinien weniger Arme gebe als in Schweden oder der Schweiz. Diese Lüge war allerdings zu peinlich und erzeugte selbst bei linken Phantasten ein Stirnrunzeln. Der damalige Wirtschaftsminister Axel Kicillof stoppte die Publikation der Studie und verzichtete fortan darauf, Armutsstatistiken zu veröffentlichen.
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