Lateinamerika: Appetitliche alternative Fleischindustrie

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Das brasilianische Foodtech "Fazenda Futuro" hat vor zwei Jahren seinen "Futuro Burger" auf den Markt gebracht (Foto: fazendafuturo)
Datum: 19. Mai 2021
Uhrzeit: 08:37 Uhr
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Im Jahr 1996 hat die „Laboratorios Craveri“ aus Argentinien beschlossen auf Bioengineering zu setzen. Zellen wurden mit dem Ziel kultiviert, menschliches Gewebe und später Organe zu schaffen. Zu diesem Zweck errichtete das Unternehmen eine Anlage und gründete die Abteilung Bioengineering mit der Absicht einen biologischen Ersatz zu erzeugen, der die Funktion von beschädigtem Gewebe verbessern oder wiederherstellen und Probleme wie den Mangel an Organ- und Gewebespendern lösen sollte. Zu dieser Zeit war das Unternehmen kein Unbekannter hinsichtlich der Fortschritte in der zellularen Landwirtschaft auf der ganzen Welt. Zunehmend hörten sie von der Entwicklung von kultiviertem Rindfleisch, bei dem keine Kühe geschlachtet werden müssen. Dies führte dazu, dass der Einstieg in eine neue Nische in Betracht gezogen wurde. Außerdem hatten sie die technologische Basis, um mit der Entwicklung von Geweben für Ernährungszwecke zu beginnen.

So hat das argentinische Labor parallel zur Entwicklung von menschlichem Gewebeersatz im Jahr 2016 „B.I.F.E“ (Bio Engineering in the Manufacture of Elaborates) gegründet, ein Startup, das mit Hilfe von Kultivierungstechniken im Labor einen Ersatz für die traditionelle Fleischproduktion mit gesundheitlichen, ökologischen und nachhaltigen Vorteilen entwickelt. Obwohl die zelluläre Landwirtschaft noch ein paar Jahre davon entfernt ist, Fleisch aus dem Labor in Lateinamerika zu produzieren, haben andere Start-ups und Unternehmen in der Region erfolgreich alternative Proteine entwickelt, mit dem pflanzlichen Hamburger als Starprodukt.

So wie das brasilianische Foodtech „Fazenda Futuro“, das vor zwei Jahren seinen „Futuro Burger“ auf den Markt brachte. Er ahmt alle Eigenschaften eines saftigen und schmackhaften Rindfleischs nach, obwohl er aus Gemüse wie Sojabohnen, Erbsen und Rüben hergestellt wird. Bis heute vertreibt das Unternehmen seine Produkte (Hamburger, Hackfleisch, Frikadellen, Würstchen und Hühnchen) bereits in 22 Ländern und plant, bis Ende 2021 in insgesamt 35 Ländern vertreten zu sein. Darunter auch in den USA, wo bekannte Veggie-Fleisch-Anbieter wie „Impossible Foods“ und „Beyond Meat“ ihre Burger in Zusammenarbeit mit großen Supermarktketten vermarkten. „Der U.S.-Markt hat seinen Preispunkt erreicht und wir sehen dort eine große Chance. Die großen Marken verkaufen ihre Hamburger in einem Bereich, der bis zu acht US-Dollar reichen kann, während wir dort für 4,5 US-Dollar einsteigen werden“, so Marcos Leta, Gründer und CEO von „Fazenda Futuro“ in einem Interview mit „CNN Brasil Business“ im vergangenen April.

Die Nachfrage nach alternativen Proteinen zum Fleisch, das als Nahrungsmittel der Zukunft gilt, wächst von Jahr zu Jahr und das Potenzial ist durchaus attraktiv. Ein Beweis dafür ist, dass laut einem Bericht von „Markets and Markets“ aus dem Jahr 2020 der globale Markt für Fleischersatzprodukte bis 2026 ein Volumen von 3,5 Milliarden US-Dollar erreichen wird, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 12 Prozent während des Prognosezeitraums entspricht. Der Markt wird vor allem durch die wachsende Nachfrage der Millennials angetrieben. Der steigende Bedarf an Nahrungsmitteln und deren Verknappung auf einem Planeten, dessen Bevölkerung im Jahr 2050 auf etwa 9,7 Milliarden Menschen geschätzt wird, lassen apokalyptische Szenarien entstehen, in denen sich nur noch die Hälfte der Bevölkerung selbst ernähren kann. Daher ist es wichtig Lebensmittel zu entwickeln, die der Nachhaltigkeit der Ressourcen der Erde verpflichtet sind. Selbst für Microsoft-Gründer Bill Gates sollten reiche Länder anfangen, nur noch synthetisches, im Labor hergestelltes Fleisch zu konsumieren. Die Umwelt soll vor der Zerstörung durch die Intensivtierhaltung geschützt werden, da diese neue „Produktionsart“ nur ein Prozent des Landes und zehn Prozent des Wassers im Vergleich zu denen der traditionellen Landwirtschaft verbraucht.

„FoodTech“ bezieht sich auf alle wirtschaftlichen Akteure, die neue Technologien mit den Aktivitäten der ganzen Food Industry in Verbindung bringen. Das Ziel dieser Unternehmen und anderer Start-ups ist es unter anderem, technologische Entwicklungen in den Dienst aktueller Themen rund um Lebensmittel zu stellen.

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