Grüne Käufe: Der Appetit internationaler Fonds auf chilenische Wälder

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Bei der Bewertung eines Waldes wird traditionell der Preis der wirtschaftlichen Ressource berücksichtigt (Foto: HartmutUnsleber/Latinapress)
Datum: 17. Juni 2021
Uhrzeit: 11:37 Uhr
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Am 7. Mai 2021 schloss der Holzterminmarkt bei 1.670,50 US-Dollar und erreichte damit ein charttechnisches Allzeithoch und einen Anstieg von fast 543 Prozent gegenüber dem Tiefststand 2020 (259,80 US-Dollar am 4. April). Trotz dieses Szenarios haben Chiles größte Forst- und Zellstoffunternehmen begonnen, tausende Hektar Wald zu veräußern. Eine der jüngsten Ankündigungen kam im März dieses Jahres von der chilenischen „Arauco“, der Zellstoff- und Holzsparte von „Empresas Copec“, als sie den Verkauf von 461 Forstparzellen mit einer Gesamtfläche von 80.489 Hektar zwischen den Regionen O’Higgins und Los Lagos im Süden Chiles für 380,5 Millionen US-Dollar plus Mehrwertsteuer bekannt gab. Das Konsortium, das den Kauf tätigte, wurde durch den Fondsmanager „BTG Pactual Asset Management“ vertreten und umfasste auch den Forstland-Investmentmanager „Timberland Investment Group“ (TIG), den kanadischen Assetmanager „British Columbia Investment Management Corporation“ (BCI) und den niederländischen Pensionsfonds „APG“.

„Arauco“ war nicht der Einzige, der diese Art von Waldverkauf und -kauf durchführte. Anfang April 2020 stellte „Forestal Masisa“ sein gesamtes Land in Chile zum Verkauf und gab im selben Monat die Übertragung von 78.220 Hektar an „Forestal Tregualemu“ bekannt, das sich im Besitz der „GFP Chile Timberland Holdings“ befindet, einen der größten öffentlichen Pensionsfonds Kanadas und „Global Forest Partners“ aus dem Libanon. Die chilenische Forst- und Papierholding „Empresas CMPC“ beschloss ihrerseits, fünf Grundstücke an indigene Gemeinden zu übertragen und machte bereits im vergangenen Jahr deutlich, dass „wir kein Interesse daran haben, Land um des Landes willen zu besitzen. Wir haben Land, um Zellulose zu produzieren und es ist durchaus möglich, dass die ethnische Gruppe der Mapuche in die Produktion integriert werden“. Dieses Phänomen in Chile ist nicht unabhängig von den internationalen Entwicklungen. Laut Michael Craig, Leiter der Forstindustrie bei Accenture Nordamerika, „binden viele Unternehmen in Nordamerika und Europa ihr finanzielles Vermögen nicht mehr in Landbesitz, sondern beziehen Holzmaterialien von anderen Landbesitzern und ziehen es vor, sich als Forstunternehmen auf die Herstellung von Endprodukten zu konzentrieren“.

Bei der Bewertung eines Waldes wird traditionell der Preis der wirtschaftlichen Ressource berücksichtigt, wie z.B. das Holz und Brennholz, das gewonnen werden kann. Aber diese Waldflächen bieten ihrerseits einen Nutzen, der bisher nicht quantifizierbar ist; er wird in der Wissenschaft als „Ökosystemleistung“ bezeichnet und geht über das Holz hinaus. Zu diesen Dienstleistungen gehören Klimaregulierung, Schutz der Biodiversität, landschaftliche Schönheit, Kohlenstoffspeicherung, hydrologische Regulierung, Bodenfruchtbarkeit, Bestäubung und vieles mehr. Die Bewertung eines Waldes kann heute super kompliziert sein, aber diejenigen, die Waldland kaufen, fangen an diesen Aspekt zu sehen, was Wälder zu noch interessanteren Vermögenswerten macht. Obwohl es sich um einen recht jungen Trend handelt ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass Investment- oder Pensionsfondsmanager von ihren Kunden und Aufsichtsbehörden unter Druck gesetzt werden, Impact-Investments im ökologischen oder sozialen Bereich zu tätigen. Das heißt, dass nicht mehr nur die Rentabilität im Vordergrund steht, sondern auch Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Kriterien (ESG) als wichtiger Faktor bei der Entscheidung über künftige Investitionen hinzugekommen sind.

Für einen Pensionsfonds kann die Plantagenaufforstung ein großartiger Ausgleich zu traditionelleren Risikoanlagen sein und bietet ESG-ähnliche Investitionsmöglichkeiten für diejenigen, die diese Kriterien suchen. Es wird erwartet, dass der Trend zu ESG-Investitionen weiter zunehmen wird, was dazu führt, dass gepflanzte Wälder eine wichtige Quelle für diese grünen Investitionen sind. Laut „Bloomberg Intelligence“ werden die globalen ESG-Vermögenswerte bis 2025 voraussichtlich 53 Billionen US-Dollar übersteigen und damit mehr als ein Drittel des gesamten verwalteten Vermögens von 140,5 Billionen US-Dollar ausmachen. In diesem Anlageuniversum stellt Lateinamerika das drittgrößte Investitionsziel dar (zwölf Prozent), nach den USA/Kanada (dreißig Prozent) und Westeuropa (fünfzehn Prozent). Dies geht aus der jährlichen „Impact-Investor-Umfrage 2020“ des „Global Impact Investing Network“ hervor, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für Impact Investing einsetzt. Dieselbe Studie besagt, dass die Region im Zeitraum von 2015 bis 2019 ein Wachstum der ESG-Investitionen um einundzwanzig Prozent von 6,216 Milliarden US-Dollar auf 13,167 Milliarden US-Dollar verzeichnete.

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