Luxusautohersteller beziehen immer noch Leder aus Paraguay

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Sowohl "BMW" als auch "Jaguar Land Rover" bestritten auf Nachfrage von "Earthsight", dass ihre Lederlieferketten mit der Abholzung von Wäldern in Paraguay in Verbindung stehen (Fotos: Latinapress)
Datum: 23. Oktober 2021
Uhrzeit: 15:45 Uhr
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Die Wälder des Gran Chaco in Paraguay sind weiterhin das Ziel illegaler Abholzung. Im September 2020 deckte eine Untersuchung der in London ansässigen Nichtregierungsorganisation „Earthsight“ den Zusammenhang zwischen den illegalen Rodungen im „Natural y Cultural Ayoreo Totobiegosode“ (PNCAT), einem geschützten Gebiet in dem das Volk der Ayoreo Totobiegosode lebt, für die Viehzucht und das von Luxusautoherstellern wie „BMW“ und „Jaguar Land Rover“ verwendete Leder auf. Der Bericht enthüllte, dass zwei Farmen innerhalb dieses Gebietes – „Caucasian SA“ und eine Farm, die einem Partner der „Cooperativa Chortitzer“ gehört – zwischen 2018 und 2019 mehr als 2.700 bzw. 500 Hektar illegal gerodet haben. Nach der Veröffentlichung forderte „Earthsight“ zusammen mit lokalen und internationalen NGOs die paraguayischen Behörden auf, die Fälle von illegaler Abholzung auf diesen Farmen zu untersuchen und zu prüfen, ob die mehr als zweihundert Brandrodungen bei „Caucasian“ im Jahr 2020 gegen das Gesetz verstoßen haben. In einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Folgebericht „Grand Theft Chaco II: The Vice Continues“ (Großer Diebstahl im Chaco II: Das Laster geht weiter) erklärte „Earthsight“, dass die paraguayischen Behörden es versäumt hätten, die aufgedeckten Rechtsverstöße zu untersuchen, was zu neuen Fällen illegaler Abholzung im Gran Chaco geführt habe, einer Tieflandregion, die sich über Teile von Paraguay, Argentinien, Bolivien und Brasilien erstreckt.

Die Analyse von Satellitendaten, die „Earthsight“ von „Global Forest Watch“ zur Verfügung gestellt wurden, zeigt, dass die Abholzung von Wäldern für die Landwirtschaft innerhalb von PNCAT fortgesetzt wurde. Mindestens zwei neue Gebiete wurden zwischen 2020 und April 2021 gerodet und etwa einhundert Hektar dieser Rodungen fanden in dicht bewaldeten Gebieten statt. „Die paraguayischen Behörden haben die Beweise für die Illegalität nicht einfach nur ignoriert. Ohne sich die Mühe zu machen, die Fakten zu prüfen, haben sie auch noch versucht, die verantwortlichen Unternehmen zu verteidigen“, so „Earthsight“. Das paraguayische Umweltministerium und die für die Erteilung von Abholzungsgenehmigungen zuständige Vollzugsbehörde haben in den letzten Monaten ebenfalls Kooperationsabkommen mit „Chortitzer“ unterzeichnet. Weitere Hinweise auf neue illegale Aktivitäten innerhalb von „PNCAT“ kommen vom Volk der Totobiegosode, deren Vertreter bei der Staatsanwaltschaft Beschwerden über neue illegale Übergriffe und Waldrodungen durch Siedler eingereicht haben. Eines der gerodeten Gebiete befindet sich in der Nähe einer Lagune, die traditionell von unkontaktierten Totobiegosode-Gruppen genutzt wird. Infolgedessen tauchte Anfang dieses Jahres zum ersten Mal eine Gruppe unkontaktierter Togobiegosode auf, was deutlich macht, wie wichtig Maßnahmen zum Schutz dieses Gebietes sind. Im Januar und Februar 2021 hatte sich eine Gruppe der unkontaktierten Indigenen nachts einer Gemeinschaft ihrer sesshaften Cousins im südlichen Teil der Region genähert und ihnen ihre Sorgen über das fortgesetzte Eindringen von Außenstehenden vorgetragen.

Die Totobiegosode sind jedoch zu dem Schluss gekommen, dass die Regierung es nicht ernst meint, ihre Rechte zu schützen oder den Gran Chaco vor der Zerstörung zu bewahren. Aus Protest haben sich sich deshalb kürzlich aus einem Dialog mit der Regierung zurückgezogen, der von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (IACHR) vermittelt wurde. In der Zwischenzeit hat „Earthsight“ auch aufgedeckt, dass zwei der drei paraguayischen Lederexporteure ihre Lieferungen nach Italien seit der Veröffentlichung des ersten Berichts erhöht haben. Für die weltweite Leder- und Automobilindustrie bedeutet dies, dass die Verkäufe von paraguayischem Leder nach Europa zunehmen, obwohl die Unternehmen ihre Lieferketten immer noch nicht nachweisen können. Nach Angaben von „Earthsight“ beliefen sich die Exporte in den ersten vier Monaten des Jahres 2021 auf insgesamt 9.424 Tonnen, ein Anstieg um ein Drittel gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2020. Sowohl „BMW“ als auch „Jaguar Land Rover“ bestritten auf Nachfrage von „Earthsight“, dass ihre Lederlieferketten mit der Abholzung von Wäldern in Paraguay in Verbindung stehen.

Während „BMW“ sich weigerte weitere Informationen über die nach der Veröffentlichung des „Grand Theft Chaco“ in Auftrag gegebene Prüfung zu geben erklärte „Jaguar Land Rover“, dass sein Zulieferer „Pasubio“, der größte Abnehmer von paraguayischem Leder, dem Unternehmen versichert habe, dass es nach umfangreichen Untersuchungen zu dem Schluss gekommen sei, dass es keine nationalen Gesetze verletzt habe. „Earthsight“ erklärte jedoch, dass die einzige Untersuchung, die „Pasubio“ zugegeben habe darin bestehe, „eine pauschale Zusicherung von einem paraguayischen Ministerium einzuholen, das für die einschlägigen Gesetze überhaupt nicht zuständig ist.“ Andere Autohersteller teilten mit, dass es keine signifikanten Änderungen in ihrer Lederbeschaffungspolitik gegeben habe.

Kürzlich fanden Forscher der Humboldt-Universität in Berlin heraus, dass der Gran Chaco bis zu 19-mal mehr Kohlenstoff speichert als bisher angenommen und forderten mehr internationale Aufmerksamkeit für den Schutz des Bioms. „Diese jüngsten Erkenntnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, dass große Verbrauchermärkte wie die Europäische Union, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten rechtlich verbindliche Regelungen einführen, um ihre Verbindungen zum Verlust von Wäldern und Verletzungen der Rechte indigener Völker im Ausland einzudämmen“, bekräftigte „Earthsight“.

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