Haiti: Tausende protestierten gegen die Entführungswelle

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Haiti steht seit Monaten unter der Herrschaft von Banden, deren Dominanz weit über die Armenviertel von Port-au-Prince hinausgeht (Foto: AlexProimos)
Datum: 30. März 2022
Uhrzeit: 11:04 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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Mehrere tausend Menschen haben am Dienstag (29.) in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince gegen die Zunahme von Entführungen und gegen den Premierminister demonstriert, den sie als unfähig bezeichnen, die Sicherheit der Bevölkerung gegenüber den kriminellen Banden zu gewährleisten. „Viele Menschen in der haitianischen Gemeinschaft sind Opfer der Verantwortungslosigkeit des Staates“, beklagte Robens Dorvil, ein Teilnehmer des Bürgermarsches. „Wir sind es leid, beschossen und entführt zu werden: Wir fordern Ariel Henry auf, die Macht abzugeben, da er sich als unfähig erwiesen hat“, fügte er hinzu und forderte den Rücktritt des Premierministers. Haiti steht seit Monaten unter der Herrschaft von Banden, deren Dominanz weit über die Armenviertel von Port-au-Prince hinausgeht. „Nach den Meldungen, die wir erhalten, werden täglich zwischen fünf und zehn Personen entführt, in der Spitze sogar bis zu zwanzig“, so Marie-Rosy Auguste Ducéna, Aktivistin des Nationalen Netzwerks für die Verteidigung der Menschenrechte. Demnach ist das Departement West (in dem sich die Hauptstadt Port-au-Prince befindet) ist zu einem Labyrinth der Kriminalität geworden.

Bewaffnete Banden, die Lösegelder in Höhe von mehreren Tausend Dollar und manchmal sogar Hunderttausende von Dollar von den Familien ihrer Opfer fordern – selbst von den ärmsten – haben ein Klima des Terrors in der haitianischen Hauptstadt geschaffen, wo die Straßen bei Einbruch der Dunkelheit menschenleer sind. Die Bürger sind gezwungen, für sich selbst zu sorgen, denn es wird behauptet, dass Entführungen von Personen durchgeführt werden, die Uniformen der haitianischen Nationalpolizei tragen. Unterdessen wurde ein Demonstrant von der Polizei erschossen und ein Flugzeug in Brand gesetzt, nachdem Hunderte von Menschen am Dienstag in den Flughafen der südwestlichen haitianischen Stadt Les Cayes eingedrungen waren und die Terminaleinrichtungen verwüstet hatten. Bei dem Protest kletterten Dutzende von Demonstranten auf den Rumpf und die Tragflächen eines zweimotorigen Flugzeugs, schoben es aus dem Flughafen und setzten es in Brand. Ein Demonstrant wurde erschossen, nachdem Polizeibeamte Schüsse abgefeuert und Tränengas eingesetzt hatten, um die Kundgebung aufzulösen.

Die Ereignisse auf dem Flughafen Les Cayes fanden im Rahmen eines nationalen Mobilisierungstages statt, zu dem zivile Organisationen aufgerufen hatten, um gegen die Unsicherheit und die Entführungswelle im Land zu protestieren. In Les Cayes protestierten die Aktivisten auch gegen die jüngste Erhöhung der Flughafengebühren, durch die Inlandsflüge erheblich teurer geworden sind.

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  1. 1
    Hans-Christoph Bollinger

    Haiti ?? Absolut hoffnungslos, von Beginn an.
    Die Emanzipation von der Kolonialmacht hat nichts genutzt. Gar nichts. Es ist zum verzweifeln…
    Es ist schon verdammt schwer das eigene Schicksal zu bestimmen.
    Leider gibt es keine Entschuldigungen mehr, nur noch Ausflüchte ….

  2. 2
    Hans-Christoph Bollinger

    Haiti ?? Absolut hoffnungslos, von Beginn an.
    Die Emanzipation von der Kolonialmacht hat nichts genutzt. Gar nichts. Es ist zum verzweifeln…
    Es ist schon verdammt schwer das eigene Schicksal zu bestimmen.
    Leider gibt es keine Entschuldigungen mehr, nur noch Ausflüchte ….

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