Ecuador: Correas plötzliche Symphatie mit Assange
In das internationale Rampenlicht katapultiert
Die Regierung von Ecuador hatte Assange bereits im November 2010 Asyl angeboten. Der damalige stellvertretende Außenminister Kintto Lucas gab bekannt, dass sein Land den Internet-Rebellen ohne Fragen zu stellen aufnehmen würde. Assange könne seine Dokumente in dem südamerikanischen Land frei publizieren, nicht nur über das Internet. Präsident Correa pfiff den ehemaligen ecuadorianisch-uruguayischen Journalisten jedoch zurück, änderte später allerdings seine Meinung.

Seit den letzten eineinhalb Jahren steht Assange in engem Kontakt mit der ecuadorianischen Botschaft in London. Im April führte er für eine Show auf Russia Today, ein von der russischen Regierung finanzierter englischssprachiger Kanal, ein Interview mit Präsident Correa. Während des Interviews lobte der ecuadorianische Präsident wiederholt Wikileaks und die Arbeit von Assange. Gleichzeitig argumentierte er, dass private Medien versuchen seine Regierung zu untergraben. Beide diskutierten über Themen wie freie Meinungsäußerung und die negative Rolle der Mainstream-Medien. “Kopf hoch! Kopf hoch! Willkommen im Club der Verfolgten!”, munterte Correa am Ende des freundschaftlichen Austauschs den WikiLeaks-Gründer auf.
Correa passt nicht als Gefährte eines selbst ernannten Verfechters der Informationsfreiheit, der hunderttausende aus Militärcomputern gestohlene diplomatische Dokumente der USA verbreitet hat. Die Regierung der Republik im Nordwesten Südamerikas ist dafür bekannt, Radio- und Fernsehsender zu schließen, regierungskritischen Medien den Mund verbieten zu wollen und kritischen Kommentatoren Millionenklagen anzuhängen. Der Sinneswandel gegenüber Assange trat just mit der Veröffentlichung von Depeschen zusammen (Nov. 2010), in denen die damalige US-Botschafterin Heather Hodges Correa vorwarf, wissentlich einen korrupten Beamten zum Polizeichef ernannt zu haben.
Präsident Correa zeigte sich plötzlich von dem Asylantrag des Botschaftsflüchtlings beeindruckt. Internationale Experten sehen dies als klugen Schachzug des Staatsoberhauptes, der auf eine Wiederwahl im Jahr 2013 setzt und sein schlechtes internationales Image in Bezug auf Meinungs- und Pressefreiheit aufpolieren will. “Es kommt nur sehr selten vor, dass sich ein unterentwickeltes Land wie Ecuador mit einem Akt von diesem Kaliber ins internationale Rampenlicht katapultieren kann. Das macht das Land größer”, analysiert Marta Lagos, Direktorin des Meinungsforschungsinstitutes Latinobarometro.
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