Venezuela: Nicolás Maduro leidet unter Popularitärsverlust

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Datum: 04. August 2013
Uhrzeit: 12:52 Uhr
Leserecho: 9 Kommentare
Autor: Redaktion
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► Capriles würde Neuwahlen deutlich gewinnen

Fünf veröffentlichte Meinungsumfragen aus den letzten Tagen zeigen den hohen Grad der Polarisierung der venezolanischen Gesellschaft. Im Gegensatz zur stets gleichlautenden Regierungspropaganda glaubt die die Mehrheit der Bevölkerung des südamerikanischen Landes, dass das politische Kapital des am 5. März 2013 verstorbenen bolivarischen Führers bereits aufgebraucht ist und sein umstrittener Nachfolger wenig tut, um das gravierende Problem der Unsicherheit und den weiterhin bestehenden Mangel bei der Lebensmittelversorgung zu beheben.

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Verschiedene Meinungsumfragen der Institute Varianzas, IVAD, Consultores 21, Hernández Hercon und Datanalisis – einige von ihnen hatten einen Wahlsieg von Maduro mit großem Vorsprung vor Capriles vorhergesagt – bestätigen einen offensichtlich unaufhaltsamen Prozess des Verlustes an Loyalität und Popularität.

„Vier von fünf Umfragen zeigen eine Ablehnung gegenüber der Regierungspolitik von Maduro. 51,38 Prozent lehnen die Politik im Miraflores ab – im Vergleich zu 44,54 Prozent, die sie genehmigen. Wir erleben einen offenen und unaufhaltsamen Prozess der Verschlechterung des Landes. Die Gewalt galoppiert, Verknappung und Inflation kommen aus den Händen der Regierung. Toleranz, Grundlage für die Chávez-Regierung, hält nicht ewig und steht aufgrund der Ineffizienz der aktuellen Regierung vor einer immer härteren Zerreißprobe“, erklärt Orlando Viera Blanco, Politikberater und Kolumnist.

„Die Popularität von Maduro liegt bei 41 Prozent, bei einer Ablehnung von rund 56 Prozent. Die Chancen für weitere Fortschritte sind nicht sehr gut und werden aufgrund der Realität im Land zukünftig zwischen 39 und 41 Prozent variieren. Maduro ist einfach ein Mann, dem Führungsqualitäten fehlen und der offensichtlich nicht in der Lage ist, sein eigenes Profil zu finden. Dieser Mann steht seit 100 Tagen im Schatten von Hugo Chávez und wird als Junge gesehen, der über keine Visionen verfügt. Er war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort, besitzt allerdings keinerlei Qualifikation für sein Amt“, analysiert Marcos Hernández, Präsident des Meinungsforschungsinstituts „Hernández Hercon“.

In Venezuela herrscht eine allgemeine Unzufriedenheit. Diese wird im wesentlichen durch ernsthafte Versorgungsengpässe, ausufernde Kriminalität und eine grassierende Inflation angeschürt. Laut der Umfrage von „Consultores 21“ geben 87,2 Prozent der Befragten an, nicht die Produkte in den Supermärkten des Landes zu bekommen, die Sie kaufen möchten (Milch, Öl, Butter, Toilettenpapier, Zucker, Reis, Huhn und Margarine). Laut einer IVAD-Studie geben zwei Drittel der Bevölkerung an, dass die „Dinge im Land nicht gut laufen“. 21,3 Prozent bezeichnen die aktuelle Situation als „sehr schlecht“ und 30,2 Prozent als „falsch“.

Nach der gleichen Umfrage glauben 43,4 Prozent der Befragten, dass die Regierung in erster Linie für die Probleme des Landes verantwortlich zeichnet und weitere 9,5 Prozent machen Maduro direkt für die Misere verantwortlich. 10,2 Prozent wälzen die Schuld auf die Bürgermeister ab, 7,3 Prozent auf die Gouverneure, 9,2 Prozent machen die Arbeitgeber verantwortlich und 6,9 Prozent die Opposition.

Die IVAD-Studie zeigt auch die Sorge der Venezolaner angesichts der politischen Volatilität des Landes. 9,4 Prozent bezeichnen die aktuelle Situation als „sehr instabil“, 56,3 Prozent als „instabil“. 21,9 Prozent glauben sie sei „stabil“ und 2,1 Prozent geben sie als „sehr stabil“ an.

„Hernández Hercon“ weist darauf hin, dass die meisten Venezolaner glauben, dass Maduro das Land in die falsche Richtung führt (58,1 Prozent) und warnen, dass das implementierte ökonomische Modell die Wirtschaftskrise des Landes nicht lösen wird. Diese Wahrnehmung wird noch dadurch verstärkt, dass die Projektionen von Hernández davon ausgehen, dass bei heutigen Präsidentschaftswahlen Maduro mit großem Abstand zum oppositionellen Kandidaten Henrique Capriles verlieren würden. Demnach würde der Oppositionsführer bei neuen Wahlen 50,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinen – Maduro nur rund 41 Prozent.

Eine weitere Untersuchung ergab, dass nur 52,6 Prozent den bizarren Verschwörungstheorien der Regierung überhaupt Glauben schenkt. 36,7 Prozent gehen davon aus, dass sie der Wahrheit entsprechen. 51,3 Prozent glauben nicht, dass der ehemalige kolumbianische Präsident Alvaro Uribe hinter einer Organisation zur Destabilisierung der Regierung von Venezuela steckt, im Vergleich zu 31,3 Prozent, die dies glauben.

Zu guter Letzt glauben 65 Prozent nicht daran, dass Chávez mit Krebszellen infiziert wurde – verglichen mit 22,4 Prozent, die eine „Krebsimpfung“ für glaubhaft halten.

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  1. 1
    Der Bettler

    Der Loli wird bald noch an ganz anderen Verlusten leiden,und das verdient.

  2. 2
    der Reisende

    Es wird hoffentlich nicht mehr so lange dauern dann werden sie diesen hirnlosen Busfahrer zu Fall bringen und ihn und seine ganzen roten kommunistischen Brueder wandern alle in den Bau.

  3. 3
    roli

    2 Jahre wirds wohl noch dauern, dann ist das Land so kaputt, das gar nix mehr geht…,

  4. 4
    politsches Kopfweh?!

    Ich will ja kein purer Pessimist sein, aber, das was mir am realistischen erscheint, ist derzeit nur der Komentar von roli s.o! Es ist einfach unglaublich traurig wie fanatisch so manche Leute sind. Ich weiss nicht ob das daran liegt, dass so mancher Religion mit Politik verwechselt. Naja obwohl das vielleicht in Verlogenheit und Machtstrebsamkeit auch oft keinen so großen Unterschied macht… bzw war ja das Ganze auch in Europa nicht getrennt. Den Weg des Populismus haben/hatten sie auf jeden Fall gemeinsam, von irgendwo in der Welt/Venezuela meist mit dem Finger auf Dinge zeigen und meist alles besser wissen, oder eben wiedermal dem „Teufel“/ U.S.A. die Schuld geben. Verzeihung für den etwas ausschweifenden Komentar, aber manchmal muss es einfach raus!! Mich würde es wirklich einfach interessieren ob es mangelder Bildung liegt, was ich nicht unbedingt glaube, siehe den Nazionalsozialismus oder aktuell Neonazis in Deutschland. Erfühlt sich einfach immer wieder nur das Klische der Römer: „Brot und Spiele (Alkohol, Harina Pan,Klopapier ;-) für das Volk“ und alles pana?

    • 4.1
      Skeptiker

      es liegt ganz einfach an der Mentalität der Venezolanos

      – ich musste dies tun
      – ich hatte dies und das zu erledigen
      – ich konnte nicht

      und wenn dann Aktionen wie am letzten Samstag nicht den Erfolg bringen, wird natürlich geschimpft – MUD oder Capriles oder die Opposition machen nichts
      wo sind die 7 Millionen, die im April für einen Wechsel gewählt haben?
      nach dem Motto: Lass das mal die anderen machen, wird das nichts
      es gibt doch Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit
      auch wenn man das Problem (auf friedlichen Weg oder anders) lösen will, muss man sich bewegen
      und das scheint vielen Venezolanern nicht zu gefallen

  5. 5
    Hwerbert Merkelbach

    Mir gab heute Morgen eine Kommentar von E. Morales zu denken. Er sagte anlässlich einer Veranstaltung zusammen mit dem ehemaligen Präsidenten Basilens Lula in Sao Paulo gestern folgendes:“SI FALTA ALGO, ALIMENTO O ENERGÌA, NO SIRVE LA IDEOLOGÌA“.
    Scheint sich hier etwas anzudeuten, dass auf einen Wechsel in Venezuela hinweist?
    (Quelle: La Patilla 4.8..2013)

  6. 6
    Herbert Merkelbach

    In der online Zeitung „TalCualDigital.com“ erschient heute ein Artikel in der Rubrik „Economia“ mit dem Titel „Default íntimo“, in dem unter anderem auch ein Moratorium Venezuelas in Hinblick auf seine Auslandsschulden hingewiesen wurde, analog dem Verfahren, das Argentinien 2001 vollzog. Die Leser der „Latina-press.com“, die in Venezuela leben dürfte dieser Artikel sehr interessant erscheinen. Alle anderen Leser, die der spanischen Sprache mächtig sind, dürfte dieser Artiekl einiges Wissenswerte mitteilen, was auf die Venezolaner in Kürze zukommen könnte.

    • 6.1
      Annaconda

      PDVSA hochverschuldet und bankrott (fast einzige Einnahmequelle für Devisen im Land) und ihr Chef Rafael Ramirez in der Liste der reichsten Männer der Welt.Na so ein Zufall!Unkündbar trotz allem Desaster!

      • 6.1.1
        Herbert Merkelbach

        Das Beängstigende an diesem Artikel war der Hinweis auf die 4,3 Mrd. US$, die der venez. Staat zwischen August bis November 2013 zur Tilgung seiner Staatsanleihen aufwenden muss und die er NICHT HAT. Selbst HCF, mit all seinen beleidigenden Tiraden gegen die USA hat immer darauf geachtet, dass die Staatsanleihen, die auf US$ lauten, bedient worden sind.
        Ich bin gespannt was geschehen würde, falls Venezuela ein Moratorium erklärte. Deshalb auch das Gesuch an die Chinesen, weitere 5 Mrd. US$ als Kredit zur Verfügung zu stellen. UND Herrn Ramirez Körper müsste doch jeden Tag an außergewöhnlichen Schweissausbrüchen und einem orbitanten Bluthochdruck leiden, da er großmaulig eine Erhöhung der Erdölproduktion verkündet und auf der anderen Seite die USA im Zeitraum 1-5 2012 zu 2013 ungefähr 16% weniger Erdöl abgenommen haben (Quelle: eia.gov/dnav/pet/hist/leafhandler.ashx). Lansam aber sicher verödet die US amerikanische Geldquelle.

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