Krisenherd Venezuela: Widerstand wird entschlossener und zunehmend gewalttätig

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Widerstand wird entschlossener und zunehmend gewalttätig (Foto: Martin Bauer)
Datum: 01. März 2014
Uhrzeit: 14:53 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Martin Bauer, z.Zt. in Valencia (Leser)
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Seit nunmehr drei Wochen gärt und rumort es in Venezuela. Und im Gegensatz zu früheren Protest Aktionen, noch gegen die Chávez Regierung, ist diesmal keine Ermüdung festzustellen. Im Gegenteil, der Widerstand wird entschlossener und zunehmend gewalttätig, auch wenn die Masse der Demonstranten noch immer hinter der Grundidee des friedlichen Protestes steht. Und auch der Karneval konnte nicht die von der Regierung erhoffte, vom Volk befürchtete, „Normalisierung“ bringen.

Maduro hat mit seinen Reaktionen die kühnsten Erwartungen übertroffen. Was immer man in seiner Situation falsch machen könnte, er macht es falsch. Schwer bewaffnete Einheiten hetzt er auf sein Volk, die mit beispielloser Brutalität morden und foltern. „Guardia del Pueblo“ nennen sie sich, bestens gepanzerte und bewaffnete Soldaten, die Mädchen aus nächster Nähe mit Schrot ins Gesicht schießen und Jungen den Gewehrlauf in den After schieben. Viele von ihnen sind Kubaner, nicht wenige sogar Kubanerinnen. Um „Normalität“ zu demonstrieren, lud Maduro zu einer rauschenden Party nach Miraflores ein, tanzte vor laufender Fernsehkamera zu den Rythmen einer Salsa Gruppe und schickt zur selben Stunde erneut die Guardia in den Stadtteil Trigal.

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In nur wenigen Tagen hat Maduro geschafft, wozu andere Monate oder Jahre brauchten, einen Platz in der „Hall of Fame“ jener Diktatoren, die ihr Volk mit einem zynischen Lachen im Gesicht abschlachten ließen. Doch lacht er auch noch, wenn die Kameras weg sind?

Längst wird der Protest nicht mehr allein von Studenten getragen. Menschen jeden Alters und aller sozialen Schichten nehmen inzwischen aktiv daran teil. Da gab es im ganzen Land die Märsche der Frauen. Gestern waren es zum Großteil Familien, die durch Valencia zogen und der Guardia trotzten. Und immer mehr Menschen aus den Barrios, nicht nur junge, wütende Heißsporne, sondern genauso wütende Mütter und Väter vereinen sich mit den „Wohlhabenderen“, ohne die geringste Scheu vor sozialen oder sonstigen Unterschieden. Sie alle zusammen betrachten sich als das, was Venezuela ausmacht: Sie sind das Volk!

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Nachdem nun auch die bewaffneten Regierungskräfte ihren ersten Blutzoll zahlen mussten, werden uns in der kommende Woche wohl noch härtere Auseinandersetzungen erwarten. Der 5. März hat für das ganze Volk Symbolcharakter. Die Regierung hat einen nationalen Feiertag verordnet, zum Gedenken an den ersten Jahrestag des „offiziellen“ Todes von Hugo Chávez. Andere sehen darin einen Grund zum feiern und zu provozieren. Ich meine, alle, die an diesem Tag H.C. gedenken wollen, sollten dies in Stille tun, so dass es keiner merkt, und dabei endlich daran denken, dass sich Venezuela nur dank diesem Putschisten von 1992 in der heutigen Situation befindet. Seinem Sendungsbewusstsein, seinem egoistischen Größenwahn, seiner menschenverachtenden Gier nach Macht und Geld verdankt das Volk sein heutiges Elend und eine gewaltige Zahl an Toten, die noch immer täglich steigt.

Und es wird noch schlimmer kommen, vielleicht gerade am 5. März! In den Barrios von Caracas steigt die Wut. Wenn Maduro glaubt, hier noch Rückhalt zu finden, dann soll er mal in dem Labyrinth aus Treppen und Gassen nach oben steigen! Ich glaube kaum, dass er lebend wieder runter kommt. Natürlich wird er das nicht wagen. Selbst Chávez wurde dort schon verjagt, musste demagogische Auftritte abbrechen und flüchten. Vielen Venezolanern graut es bei der Vorstellung, dass die Menschen der Barrios von den Hügeln steigen und ihre Rechte einfordern. Einer kleinen Clique in roten Hemden sollte es ganz besonders davor grauen, denn die Zeichen mehren sich, dass dieser Tag kurz bevor stehen könnte. Die Wut der Ärmsten richtet sich nämlich nicht gegen „Oligarchen“, „Kapitalisten“ und „Handlanger der CIA“, sondern gegen ihre Peiniger aus den Reihen der PSUV und aus Kuba. – „Socialismo, Patria o Muerte!“ Wie es aussieht, wird das erste der drei Schlagworte in der Zukunft Lateinamerikas wohl keine nennenswerte Rolle mehr spielen.

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  1. 1
    suizo

    Die Lunte ist angezündet, jetzt kommt es noch darauf an ob sie durchbrennt oder auf dem Weg zum Ziel erlischt – Booooooooooooooooooooommm!!!!!!!!!!

  2. 2
    VE-GE

    Ein guter Bericht! Habe bereits an andere Stelle geschrieben das viele den Roten bereits den Ruecken zeigen und es werden mehr und mehr! Niemnd will ein zweites Cuba……

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