Venezuela: Parlamentspräsident soll der mächtigste Drogenboss des Landes sein – Update

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Cabello kündigte eine Klage gegen die spanische Tageszeitung an
Datum: 01. Februar 2015
Uhrzeit: 13:14 Uhr
Leserecho: 6 Kommentare
Autor: Redaktion
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Venezuelas Präsident der Nationalversammlung (Parlament) Diosdado Cabello ist der der mächtigste Drogenboss des südamerikanischen Landes. Dies berichtet die spanische Tageszeitung „ABC“ und stützt ihre Behauptung auf Leamsy Salazar, der unter anderem zehn Jahre lang als Sicherheitschef für den verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez fungierte, sich im Dezember nach Spanien abgesetzt hatte und dort in das Zeugenschutzprogramm der US-Drogenkontrollbehörde DEA aufgenommen worden war. Für den für die Bekämpfung des Drogenschmuggels zuständigen Abteilungsleiter im US-Außenamt, William Brownfield, stehen die Behauptungen der Zeitung über Cabellos angebliche Verbindungen zum Drogenhandel „im Einklang“ mit der Analyse von Washington über die Infiltrierung/Verwicklung von Angehörigen der venezolanischen Regierung in den Drogenhandel. Ob die Staatsanwälte in New York bereits eine Untersuchung der Anschuldigungen gegen Cabello eingeleitet haben, wollte Brownfield weder bestätigen noch dementieren. Der Beschuldigte kündigte eine Klage gegen die spanische Tageszeitung an.

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Laut dem Artikel von „ABC“ traf Salazar am Montag in Washington als geschützter Zeuge ein und behauptete, dass Cabello der Anführer des Kartells „Los Soles“ (Die Sonnen) sei. „El Cartel de los Soles“ wird demnach grundsätzlich von venezolanischen Militärs kontrolliert, der Name leitet sich vom Emblem auf den Uniformen ab. Die Organisation soll den Drogenhandel im Land monopolartig dominieren, das Kokain komme von der linksgerichteten kolumbianischen Terrororganisation „FARC“ und werde über venezolanische Häfen und Flughäfen zu ihren Bestimmungsorten in den USA und Europa transportiert. Nach Angaben von „ABC-Reportern“ hat Cabello persönlich Befehle für die Abfahrt von mit Drogen beladenen Booten gegeben und Orte besucht „wo er Berge von US-Dollar hortet“.

Salazar behauptet ebenfalls, dass der Gouverneur des venezolanischen Bundesstaates Aragua, Tarek el Aissami, in Verbindung mit islamischen Netzwerken steht und Cabellos Bruder José David Cabello (Leiter der Steuer- und Zollagentur und Minister für Industrie) für die Finanzen des Kartells verantwortlich zeichnet. Eine Instanz für Geldwäsche soll die nationale Ölgesellschaft PDVSA sein.

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Internationale Drogenfahnder gehen in ihrem aktuellen Bericht davon aus, dass pro Woche fünf Tonnen Rauschgift über Venezuela geschmuggelt und 90% der im Nachbarland Kolumbien produzierten Drogen zudem durch den an Brasilien, Kolumbien und Guyana grenzenden Staat geschleust werden.

Update 2. Februar

Diosdado Cabello hat „rechtliche Schritte“ gegen die Zeitungen ABC (Spanien), El Nacional, Tal Cual und LaPatilla (alle Venezuela) angekündigt.

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  1. 1
    Tinu

    kann ich mir sehr gut vorstellen, das glaube ich sofort.

  2. 2
    Fideldödeldumm

    Würde auch erklären, warum PDVSA immer noch nicht pleite ist.

  3. 3
    Herbert Merkelbach

    Wie gesagt, die US-Amerikaner verstehen keinen Spaß hinsichtlich Drogenlieferungen in die USA. Ich möchte nicht in der Haut von Cabello, seines Bruders oder anderer hochrangiger Vertreter der kriminellen Regierung VE stecken.
    Die US-Amerikaner werden sie sich eines Tages holen und ihrer gerechten Strafe zuführen.

  4. 4
    Martin Bauer

    Bis auf ein paar kleine Details ist das jedem in Venezuela schon lange klar. Auch diverse Varianten der Geldwäsche durch Petro-Boni und Boni-Cambiarios hatte ich hier schon mehrfach angesprochen. Gut, dass jetzt mal ein Insider offiziell aussagt! Cabello wird vermutlich so enden, wie Pablo Escobar. Ausserhalb von Venezuela oder Kuba kann er sich schon jetzt nicht mehr begeben, ohne Gefahr zu laufen, verhaftet zu werden.

    • 4.1
      Herbert Merkelbach

      Ich frage mich, was werden die US-Amerikaner in Sachen Pdvsa machen, wenn sich herausstellt, dass der Ölkonzern mit Hilfe seiner Flugzeuge Drogen versandt hat. Egal wohin. Könnte dies evtl. dazu führen, dass die USA abrupt kein Rohöl mehr aus Venezuela beziehen werden? Die US-amerikanische Ölindustrie ist kein Bestandteile der amerikanischen Regierung, sobald jedoch Sanktionen gegenüber einer Gesellschaft verhängt werden, die US Ölkonzerne reagieren sofort (siehe Russische Föderation).
      Ist sich Maduro dieser Problematik eigentlich bewusst? Ich für meine Person bezweifele das. Zur Zeit ist der Ölmarkt übervoll. Die USA importieren immer noch Rohöl, vielleicht demnächst wieder aus Nigeria oder Mehrmengen aus Saudi Arabien?
      Wenn diese Mengen (mit der Bezahlung in US$) für VE wegfallen würde, hieße dies das Ende der Verbrecherbande in Caracas?

      • 4.1.1
        Martin Bauer

        Dass die USA in nicht allzu ferner Zukunft die PDVSA völlig boykottieren, halte ich für sehr wahrscheinlich. Vielleicht erklärt man sie sogar zu einer Kriminellen Vereinigung, was ich aber eher nicht erwarte. Doch nach wie vor wird die Abhänggkeit der PSUV-Bande von Mineralöl-Einnahmen überschätzt. Die schwimmen bereits in weit mehr als Tausend Milliarden Dollar. Das reicht, um 2-3 Länder der Kategorie Polens zu kaufen. Mit einer solchen Finanzmacht können sie bis in alle Ewigkeit schalten und walten nach Gutdünken. Zudem haben sie Einkünfte aus Drogenhandel in Multi-Milliarden Höhe, so dass sie die Substanz nicht angreifen müssen. Einkünfte aus beschlagnahmten und enteigneten Firmen nicht gerechnet.
        Man muss ihnen die bereits auf internationalen Banken gebunkerten Milliarden nehmen. Dann erst kann man versuchen, sie aus dem Drogengeschäft zu boxen. Dazu müsste man aber den Kolumbianern insgeheim eine Alternative bieten, denn die Quellen der Drogenströme, die nordamerikanischer und europäischer Abschaum verlangt und konsumiert, kann keiner stoppen, solange die Nachfrage besteht und die Finanzwelt von der damit verbundenen Geldmasse sowie deren Wäsche abhängig ist. Deren „Entzug“ wäre weitaus schwieriger durchzusetzen und langwieriger. So makaber es klingen mag, allein durch ihre Stellung im Drogentransfer hat die PSUV-Bande eine so sichere Position, dass man erst Krieg gegen sie führen kann, wenn dieses geschäft an andere übergegangen ist. Ein Realist würde diesbezüglich die Zügel locker lassen, denn gegen zu viele starke Ströme auf einmal kommt keiner an.
        Ob sich Maduro solcher Probleme und Zusamenhänge bewusst ist…? Das unterstellt ihm wohl keiner, erst recht nicht seine „Genossen“ aus der PSUV. „Die Gonokokke sitzt und lauscht, wie der Urin vorrüber rauscht.“ Das qualifiziert sie aber noch lange nicht zum Urologen.

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