„Welternährungstag“ am 16. Oktober: Kleinbauern stärken, Konzernmacht begrenzen

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Pestizideinsatz: Mehr als 41 Millionen leiden unter den Folgen (Foto: FlorinaKopp/Misereor)
Datum: 11. Oktober 2017
Uhrzeit: 12:36 Uhr
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Autor: Redaktion
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Mit Blick auf den Welternährungstag am 16. Oktober sieht das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR die wachsende Macht des Agrobusiness und seine negativen Folgen für Mensch und Mitwelt mit Sorge. „Das Modell des Agrobusiness ist weder nachhaltig, noch leistet es einen zukunftsfähigen Beitrag zur Bekämpfung des Hungers in der Welt“, betont MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel. Laut der Welternährungsorganisation FAO ist die Zahl chronisch unterernährter Menschen seit 10 Jahren erstmals wieder auf 815 Millionen Menschen gestiegen.

Die Folgen der ressourcenintensiven industrialisierten Landwirtschaft zeigen sich in Südamerika, wo auf rund 57 Millionen Hektar – rund 1,5-mal die Fläche der Bundesrepublik – Soja für den Export nach China und in die Europäische Union (EU) angebaut wird. „Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte sich Paraguay selbst ernähren. Heute importiert das Land Nahrungsmittel im großen Maßstab. Der massive Einsatz von Agrarchemikalien auf den Feldern verseucht Wasser und Nahrung und kann zu schweren Vergiftungen führen. Schwangere Frauen in den ländlichen Gebieten berichten von der Angst, dass ihre Kinder durch Pestizidbelastungen krank zur Welt kommen. Hinzu kommen Probleme wie Entwaldung, Landraub und die Zunahme von Gewalt durch Landkonflikte zwischen Kleinbauern und Großgrundbesitzern. Die Bauernfamilien sind die großen Verlierer, deren Lebensgrundlagen, eigenes Saatgut und damit ein Teil ihrer Kultur verloren gehen“, berichtet Spiegel. Er begegnet aktuell in Paraguay Kleinbauern, Forschern und MISEREOR-Partnern und lernt dort die Situation in der Landwirtschaft sowie gemeinsame Herausforderungen für eine gesunde und kulturell angepasste Ernährung näher kennen.

Pestizideinsatz: Mehr als 41 Millionen leiden unter den Folgen

Nach Einschätzung von MISEREOR leistet ein Agrarmodell, das auf dem großflächigen Einsatz von Pestiziden und teurem gentechnisch verändertem Saatgut beruht, keinen nachhaltigen Beitrag zur Lösung der globalen Ernährungskrise. Im Gegenteil: Der übermäßige Einsatz von Agrargiften gefährdet die natürlichen Grundlagen für eine nachhaltige Landwirtschaft und die Gesundheit von Landarbeitern, Kleinbauernfamilien und Anrainern. Mehr als 41 Millionen Menschen weltweit leiden unter den negativen Auswirkungen von Pestiziden. Anfang Oktober hat die französische Regierung verkündet, gegen die geplante Neuzulassung des Herbizids Glyphosat in der EU zu stimmen und dessen Einsatz bis 2022 zu verbieten. „Von der neuen Bundesregierung erwarten wir, dass sie sich ebenfalls gegen die Neuzulassung von Glyphosat ausspricht. Die Unbedenklichkeit des Einsatzes ist nach wie vor nicht geklärt“, so Pirmin Spiegel.

Kleinbauern stärken statt Konzernmacht ausbauen

Der MISEREOR-Chef ergänzt: „Gerade Kleinbauern nutzen nachhaltige, lokal angepasste und die Pflanzenvielfalt erhaltende Methoden, mit denen sie ihre Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels machen können.“ Laut einem Bericht der Vereinten Nationen spielen klimatische Veränderungen bei der Entstehung von Hunger eine immer größere Rolle. Auch die geplante Fusion der Bayer AG mit dem Saatgut- und Agrochemiehersteller Monsanto setze auf die alte Logik. Diese werde als Fortschritt bezeichnet, führe aber zu einer noch größeren Verarmung, betont auch Bischof Juan Gavilán aus Paraguay. „Statt einseitig ein Agrarmodell zu fördern, das die Macht weniger Konzerne ausbaut, fordern wir die EU und die künftige Bundesregierung auf, eine Politik zu stärken, die Bauernfamilien fördert und ihr Potenzial erkennt. Indem sie 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel erzeugen, aber nur 30 Prozent der Land- und Wasserressourcen dafür nutzen, ist ihr Beitrag zur Welternährung und Ressourcenschonung von zentraler Bedeutung. Nur so können wir den Hunger in der Welt nachhaltig bekämpfen und Ernährung in ihrer ganzen Breite begreifen“, betont Spiegel.

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