Venezuela: Das falsche Spiel des Hugo Chávez

chavez

Datum: 26. August 2011
Uhrzeit: 02:52 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 12 Kommentare
Autor: Martin Bauer, Caracas (Leser)
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

“Der Überfall dieser Horden hat nichts mit dem Völkerrecht zu tun. Wir verlangen das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit unseres Botschafters und seinen Mitarbeitern”, wetterte Hugo Chávez Frias gerade gestern. Dabei bezog er sich auf die angebliche Verwüstung der venezolanischen Botschaft in Tripolis, an der NATO Kräfte beteiligt gewesen sein sollen. Dass jede unabhängige Presseagentur der Welt dies als Falschmeldung deklariert, sei hier nur am Rande erwähnt. Viel bemerkenswerter erscheint mir, festzustellen, wie hoch der Präsident Venezuelas „das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ schätzt und wie sehr er „Überfälle von Horden“ verachtet. Schauen wir mal, wie er das mit Menschen hält, die ihn und seine Politik nicht unterstützen, mit der Mehrheit der Menschen seines eigenen Volkes! Ich habe dazu eine meiner eigenen Beobachtung auf Fotos festgehalten, welche die venezolanische Presse nicht wagen könnte, zu veröffentlichen.

Valencia, Januar 2010. Tagelang hatten Studenten gegen die angekündigte Bevormundung der Universitäten durch die Regierung protestiert, so auch auf der Autobahnbrücke des Distributor de Trigal. Dem bereitete die Nationalgarde ein jähes Ende, gefolgt von zwei Bussen voll Aktivisten der Regierung. Sie besetzten ihrerseits die Brücke, gaben sich dabei höflich und freundlich. Wie „höflich und freundlich“ ihre wahre Gesinnung ist, zeigen die sorgfältig zurecht gelegten Wurfsteine auf der Stossstange (Pfeil). Weiteres Wurf- und Prügelgerät fand sich in Inneren des Fahrzeugs, welches ganz unverkennbar Eigentum der Universität von Carabobo war. Der Bus wurde kurz zuvor aus der Universität gestohlen und nach Gebrauch in Brand gesteckt. Weder Nationalgarde noch die Policia Municipal sahen hierin etwas Schlechtes. Unterhalb der Brücke wartet die Guardia Nacional, damit die böse Opposition oder gar die Polizei des Staates Carabobo der „spontanen Aktion revolutionärer Studenten“ kein Leid zufügen.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Afrika

    Dieses Drecksgesindel, nennt sich doch tatsächlich DEMOKRATIE .
    Da darf man sich nur fragen, mit welchem Recht?

    die Antwort: MIT DEM RECHT DES STÄRKEREN UND GEWALT !

    Und so ein Räuberbaron beruft sich auch noch auf das Völkerrecht und die Menschenrecht, dabei werden genau diese seit seiner Machtübernahme nur noch mit den Füssen getreten.

    Venezuela ist ein Land das genügend Reichtum für alle Venezolaner hat.
    Venezuela ist ein Land das für alle die darin ein Paradies sein könnte.

    Leider ist Venezuela auf dem Weg, den Tunesien, Lybien, Aegypten, Syrien grossteils hinter sich haben und weitere Staaten (vor allem am Golf und in Afrika) noch vor sich haben.

    Solange ein Volk seine Regierungen nicht direkt kontrollieren kann, wird es immer wieder solche Verbrecherbanden auf der Welt geben.

  2. 2
    Angiven

    Da ich schon sehr viele Jahre auf der Isla lebe,habe ich natürlich auch die
    Wahl 2006 miterlebt.Es stimmt soweit alles was Heinz schreibt,er hat nur
    vergessen zu erwähnen,daß es ein unglaublicher Wahlbetrug war.Rosales
    hätte gewonnen,wenn Chavez nicht über eine Million Stimmen für Rosales
    für ungültig erklärt hätte,mit den fadenscheinigsten Begründungen.(zu jung,
    Ausländer,einer mehrmals zur Wahlurne,und Tote),was nicht der Wahrheit entsprach.Gleich nach der Wahl hatte Rosales ein Gerichtsverfahren am
    Hals wegen Korruption,Bereicherung auf Kosten der Venezolanos,usw.
    Ich glaube Rosales ist Hals über Kopf mit Familie nach Chile geflüchtet.
    Habe bis heute nichts mehr gehört,außer daß er im Staatssender des Landes seine Unschuld dargelegt hat.Das ist der große Führer Chavez,der
    wenn ich daran denke Magenkrämpfe bei mir verursachen.

    • 2.1
      Martin Bauer

      Ich (nicht Heinz) hatte den Wahlbetrug nur leicht angedeutet, aber nicht weiter thematisiert, denn es geht hier um die von Chávez organisierten Pogrome, nicht um die Wahl vor 5 Jahren.

      Die Ehefrau von Manuel Rosales ist heute Bürgermeisterin von Maracaibo. Die Familie hält also die Fahne der Opposition noch immer hoch, auch wenn er selber ins Exil flüchten mußte, erst nach Chile und inzwischen wohl nach Panama.

      Zutritt zum zerstörten Wahlbüro und die Genehmigung, dort zu fotografieren, erhielt ausser mir nur ein weiterer Fotograf. Wir machten unsere Arbeit zusammen. Er, als Venezolaner, musste seine Bilder im Archiv belassen. Keine Zeitung wagte sie zu bringen. Ich durfte auch nur rein, unter der Versicherung, für die ausländische Presse zu arbeiten und nichts im Lande zu publizieren. Die deutschen Medien aber sind an der Wahrheit über Chávez nicht interessiert. Meine Bilder in LatinaPress sind also die erste Veröffentlichung überhaupt, aus dem damals zerstörten Wahlbüro und von der Gewalt davor. Habe noch sehr viel mehr, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

  3. 3
    el ultimo marsiano

    Wer fragte nach Recht und Freiheit als die rote Lina und ihre Horden über RCTV oder Globovision herfielen und randalierten?
    Sie hat ihre Strafe ja schon bekommen.
    Der Sensenmann holt sich hoffentlich bald den nächsten.

  4. 4
    Angiven

    Entschuldige Martin,daß ich die Namen verwechselt habe,und vielen Dank
    für die überaus ausführliche Information über die Situation der Rosales und
    der Bilder,an die wir im Normalfall niemals rankommen würden.Es ist mal
    an der Zeit,daß einiges aufgedeckt wird,und so vielleicht ein Wende her-
    beigeführt werden könnte.Man ist so machtlos gegen der Willkür dieser
    Regierung. Martin bleibe bitte dran,daß wenigstens wir Europäer nicht so
    im Regen stehen,und nochmals vielen Dank.Habe schon mehrere sehr
    gute Berichte von Dir gelesen. Schönes Wochenende!

    • 4.1
      Martin Bauer

      Kein Problem! Heinz ist hier wesentlich aktiver als ich, und unsere Ansichten sind ja weitgehend identisch. Da liegt eine Verwechslung der Namen nahe.

      In der Tat befassen sich die deutschen Medien praktisch gar nicht mit Lateinamerika, jedenfalls nicht in der Qualität und Quantität, die dringend angebracht wäre für einen halben Kontinent, in dem fast so viele Menschen europäischer Kultur und Abstammung leben, wie in Europa selber. Afghanistan, der Gazastreifen, Somalia etc. interessieren in Europa zu Recht kein Schwein. Aber in den Medien sind sie zentrale Themen. Die aktuellen Ereignisse in der arabischen Welt meine ich damit nicht. Die verdienen nun wirklich Aufmerksamkeit und Anerkennung.

      Ich hatte früher mehrfach versucht, „heißes“ Informationsmaterial deutschen Medienhäusern anzubieten, ohne Erfolg. Die übernehmen ungeprüft die Agenturmeldungen oder vertrauen auf Korrespondenten, die sich mit den Behörden arrangiert haben, um in Frieden arbeiten und leben zu können. Um so mehr freue ich mich, nun mit Latina-Press ein Forum gefunden zu haben, das sich dieser Thematik annimmt. Ich hoffe sehr, daß es etwas für Venezuela bewirkt und sei es „nur“ ein etwas realistischeres Bild für deutschsprachige Leser.

      Die venezolanischen Medien, so sehr die meisten – noch – das Chávez Regime kritisieren, können viele Dinge nicht auf den Punkt bringen ohne vom Militär besetzt und geschlossen zu werden. Würde ich, als Ausländer, hier im Land meine Stimme auf spanisch erheben, wäre dies von sehr kurzer Dauer. Vielleicht sollte die Redaktion von LatinaPress mal über eine spanische und portugiesische Seite nachdenken, falls sich die Kapazität an Übersetzern aufbringen lässt?

  5. 5
    Angiven

    Das wäre grandios.Irgendwie müßen die Venezolanos auch an solche
    Informationen rankommen.Außer Probaganda der Medien erfahren diese
    Menschen nichts von der Realität ihres Landes.

    • 5.1
      Martin Bauer

      Nach meiner Überzeugung weiss die Mehrheit der Venezolaner sehr genau, was in ihrem Land abgeht. Zumeist sehr viel besser, als wir Deutschen hier. Das zeigt sich in persönlichen Gesprächen, in Pressekommentaren und in unzähligen Internetforen. Belehrungen von uns brauchen sie wirklich nicht.

      Aber sie selber flüchten sich zumeist in Satire, in „Chistes“, in indirekte Anspielungen. So trösten sie sich mit Galgenhumor über das aktuelle Elend hinweg. Was fehlt ist Zuspruch aus dem Ausland. Sie fühlen sich zu Recht von der Freien Welt allein gelassen, nicht selten sogar verhöhnt. Wie oft habe ich auf deutschen Internetseiten gelesen: „Die haben doch den Kommunisten frei gewählt! Dann haben sie ja jetzt, was sie wollten!“ Wenn ein Venezolaner gar auf amerika21.de stößt, was soll er von uns Deutschen halten? Erst den Kommunismus im eigenen Land zum Teufel schicken und dann solche Töne…? So wirken wir schizophren und von allen guten Geistern verlassen.

      Eine Internetseite auf Spanisch, die knallhart auf den Punkt geht, anstatt zu scherzen, die Verbrecher auch „Verbrecher“ nennt, wenn sie unverhohlen Verbrechen begehen und diese nicht einmal leugnen, sondern nur mit anderen Namen bekleiden, kennt Venezuela nicht. Sie könnte dort auch nicht überleben.

      Mit LatinaPress müssen die Chavista leben. Solange hier alles nur in Deutsch erscheint, werden sie das auch können. Eine spanische Übersetzung dagegen würde sie ins Mark treffen. In der Folge müssten sich aber auch die Akteure von LatinaPress sehr warm anziehen.

  6. 6
    Hombre

    LatinaPress würde sich dem sicher nicht lange aussetzen… Man müsste die Themen schon auf einer eigenen site in spanisch rüberbringen…warum nicht?

    • 6.1
      Heinz

      Ich glaube nicht, das denen das was ausmacht. Das ist kein Blog sondern wie ich gesehen habe sogar eingetragene Agentur. Die sind sicherlich nicht von irgendwelchen Schmierfinken wie diese linken Blogs abhängig. Da ist bestimmt Kohle im Spiel. Und so ein Teil wirft ja auch eine Menge Schotter ab. Und die Nachrichten tuckern ja fast im 24 Stunden Takt.

      • 6.1.1
        Hombre

        mal schaun was meine Frau dazu sagt in Sachen übersetzung…Hat als Kolumbianerin in Maracaibo studiert. Wie das Land abgewirtschaftet wird durch diesen ******* das schmerzt sogar in Kolumbien

  7. 7
    Afrika

    Ja wenn‘ nach mir ginge, sollte eigentlich Latinapress in Spanisch erscheinen, wobei natürlich immer zu bedenken wäre, dass es sich am schluss rechnet, denn niemand auf der Welt, ausser die die hier ihre Sicht und Weise schreiben, arbeiten gratis.
    Was aber die Verfolgung der Verfasser solcher Artikel angeht, sollte man sich wirklich warm anziehen, und wenn man mit Laptop reist, eine geputzte Hard-Disk haben.
    Wie das System vom Tollen Hugo mit Kritikern umgeht, kennen wir ja.

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