Schnappschuss für die Ewigkeit wird 50 Jahre

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Datum: 05. März 2010
Uhrzeit: 15:00 Uhr
Ressorts: Kuba, Kultur & Medien
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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Es war am 5. März 1960. Fidel Castro sprach in Havanna vor mehr als 100.000 Menschen. Nachdem am 4. März 1960 der mit Waffen und Munition beladene belgische Frachter „La Coubre“ im Hafen Havannas explodierte, 137 Menschen waren getötet worden, fand am Tag darauf unter der Anteilnahme von 100.000 Leuten, darunter Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, auf dem Friedhof Cristóbal Colón die Trauerfeier für die dabei getöteten „Anhänger der Revolution“ statt. Neben Castro standen Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir auf der Bühne. Ernesto Che Guevara, der nur kurz anwesend war, stand verdeckt in der zweiten Reihe. Nur einmal trat er kurz an den Rand des Podests und blickte über die Menge. Alberto Korda, Fotograf der Zeitschrift „Revolucion“, drückte auf den Auslöser. Die wohl bedeutendste Ikone der Revolutionsromantik, deren Abbild das am häufigsten reproduzierte Foto der Welt ist, war im Kasten.

Jeder kennt dieses Bild: Che, bärtig, mit festem Blick. Auf dem Kopf die militärische Baskenmütze mit 5-zackigem Stern. „Der heroische Guerillero“ nannte der Fotograf sein bekanntestes Werk. „Es hat mich sehr beeindruckt, was ich durch den Sucher sah“, erinnert sich Korda. „Dieser Gesichtsausdruck. Ich sage dir: Als ich den durch die Kamera gesehen habe, machte ich instinktiv einen Schritt nach hinten. Regelrecht erschrocken war ich. Zweimal drückte ich im gleichen Moment auf den Auslöser“.

Da keine Zeitung das Bild wollte, schenkte der Fotograf es dem italienischen Verleger Giangiacomo Feltrinelli. Veröffentlicht wurde es nach der Ermordung Guevaras, 1967, und es wurde prompt Ikone der Populärkultur und Symbol der 68er-Bewegung, vielfach adaptiertes Kunstwerk und zuletzt noch Logo der Werbeindustrie. Besonders bekannt ist ein von Gerard Malanga im Stil von Andy Warhols Marilyn geschaffenes Bild, das er als „Original Warhol“ verkaufte – Warhol erkannte es hinterher als „sein“ Werk an und strich die Einnahmen aus der weiteren Vermarktung – etwa als Poster – ein. Das Foto hat seinen Marktwert. Es prangt vor allem auf T-Shirts und Postern, aber auch auf Taschen, Kaffeetassen, Wein- und Bierflaschen. Che Guevara ist die  globalisierte, romantische Ikone –  der James Dean der Revolutionen.

Korda selbst erhielt für die jahrzehntelange Vermarktung seines berühmten Fotos kein Geld. Erst als im Jahr 2000 der Wodka-Hersteller Smirnoff damit warb, klagte er und erhielt 50.000 USD Schadenersatz, die er für kubanische Kinder spendete.

Korda starb am 26. Mai 2001- 72-jährig- in Paris an einem Herzinfarkt .

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