Lateinamerika: Indigene Organisationen lehnen zwanghafte Kontaktaufnahme ab

indigene

Jakarewyj, eine der zuletzt kontaktierten Indigenen, wurde kurz nach dem ersten Kontakt im Dezember 2014 schwer krank, obwohl medizinische Teams vor Ort waren (Foto: Survival International 2015)
Datum: 22. September 2015
Uhrzeit: 11:20 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
Autor folgen:
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Indigene Organisationen in Südamerika haben die Aufrufe von US-Anthropologen Kim Hill und Robert S. Walker, zwangsweise sehr bedrohte unkontaktierte Völker zu kontaktieren, als „gefährlich und illegal“ verurteilt. In einem offenen Brief haben indigene Organisationen aus Brasilien, Peru und Paraguay die Behauptung der Anthropologen in einem Science-Leitartikel bestritten, unkontaktierte Völker seien „nicht lebensfähig“. Außerdem warnen sie: „Dieser gefährliche Mythos spielt denen in die Hände, die in das angestammte Land indigener Völker eindringen und es ausbeuten möchten.“

Stattdessen betonen die indigenen Organisationen, dass die eigentlichen Bedrohungen für die Zukunft unkontaktierter Völker in der völkermörderischen Gewalt, der Invasion ihres Landes, dem Diebstahl von natürlichen Ressourcen und den vorherrschenden rassistischen Einstellungen bestehen. Unter den Unterzeichnenden befindet sich die Aché-Organisation FENAP in Paraguay. In ihrem Leitartikel bezeichnen Kim Hill und Robert Walker die Kontaktaufnahme mit mehreren Dutzend der Gruppe nördlicher Aché als „Erfolgsgeschichte“. Sie erwähnen dabei jedoch nicht die Tatsache, dass 38 % der Gesamtbevölkerung dieses Volkes bereits nach dem Erstkontakt gestorben war. Die Aché verklagen nun Paraguay wegen dieses historischen Völkermordes.

Mit diesem Brief schließen sich die indigenen Organisationen Survival International, der globalen Bewegung für die Rechte indigener Völker, an, die diesen Vorschlag von Hill und Walker vehement ablehnt. Dies tun auch zahlreiche Amazonas-Indigene, die sich gegen Zwangskontakte ausgesprochen haben. Im Juli 2015 hatten die Amazonas-Indigenen-Organisationen AIDESEP und FENAMAD folgende Erklärung veröffentlicht: „Wir lehnen jede Aufforderung oder Handlung ab, die darauf abzielt, unseren isoliert oder in beginnendem Kontakt lebenden Schwestern und Brüdern eine Lebensweise aufzuzwingen, die sie nicht wollen.“

Davi Kopenawa, Yanomami-Schamane und Präsident der Hutukara Yanomami Vereinigung, sagte: „Orte, wo unkontaktierte Indigene leben, fischen, jagen und Pflanzen anbauen, müssen geschützt werden. Die ganze Welt muss wissen, dass sie in ihrem Wald leben und die Behörden müssen ihr Recht, dort zu leben, anerkennen.“ Die Yanomami fordern von der Regierung, die illegalen Goldgräber, die die Leben der unkontaktierten Yanomami in ihrem Wald gefährden, auszuweisen.

Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften unseres Planeten. Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, wenn ihr Land nicht geschützt wird. In dem Brief fordern die Organisationen Robert Walker und Kim Hill auf, „die Rechte indigener Völker auf ihrem Land ohne das Eindringen von Außenstehenden zu leben, zu unterstützen“.

Anzeige
wandere aus, solange es noch geht

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie jetzt Fan von agência latinapress! Oder abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und lassen sich täglich aktuell per Email informieren!

© 2009 - 2016 agência latinapress News & Media. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden.

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Leider kein Kommentar vorhanden!

Diese News ist älter als 14 Tage und kann nicht mehr kommentiert werden!