Syrische Flüchtlinge in Lateinamerika: Realität – und Propaganda

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Wegen des Bürgerkriegs in Syrien sind Millionen Menschen auf der Flucht (Foto: UNHCR)
Datum: 12. März 2016
Uhrzeit: 18:49 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Der Bürgerkrieg in Syrien hat bisher mindestens 470.000 Menschen das Leben gekostet. Die UN bezeichnete die Flüchtlingskrise im Februar 2014 als die schlimmste seit dem Völkermord in Ruanda in den 1990er-Jahren. Als Akuthilfe ermöglichten angesichts des Flüchtlingsansturms in Ungarn Ende August / Anfang September 2015 die Regierungen Deutschlands, Österreichs und Ungarns in gemeinsamer Absprache mehreren Tausend Flüchtlingen die Einreise nach Deutschland. Seit September kommen immer mehr Menschen aus Syrien nach Deutschland, das vergangene Jahr war eine Zäsur der deutschen Geschichte.

Die Bereitschaft lateinamerikanischer Staaten, Flüchtlinge aus dem Staat in Vorderasien aufzunehmen, sorgte weltweit für Skepsis. Vor allem die Ankündigung von Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro, 20.000 Menschen aus der arabischen Nation Zuflucht zu gewähren, wurde als reines Propagandageschwätz abgetan und sollte lediglich einmal mehr von den Problemen im eigenen Land ablenken. Einige Staaten machten ihre Ankündigung allerdings wahr, rund 6.000 Syrer kamen seit Beginn des Krieges auf den Kontinent.

Das deutlichste Beispiel ist zweifellos Brasilien, ein Land, das 10.000 Kilometer entfernt von Syrien liegt. Nach den Angaben des Nationalen Komitees für Flüchtlinge (CONARE) im brasilianischen Justizministerium hat die größte Volkswirtschaft Lateinamerika offiziell mehr als 2.000 Syrer aufgenommen. Schätzungen gehen davon aus, dass weitere 4.000 illegal nach Brasilien gelangten. „Brasilien hat eine Politik der offenen Tür gegenüber Flüchtlingen. Die Zahl ist immer noch niedrig, aber sicherlich ein Beispiel dafür, das weltweit befolgt werden sollte“ gab Andres Ramirez, Vertreter des Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) in Brasilien, bekannt. Im Gegensatz zu anderen Ländern haben Syrer während der Wartens auf Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus freien Zugang zu Arbeit, Gesundheit und Bildung. In Brasilien lebt eine große arabische Gemeinschaft, laut UNHCR sind etwa drei Millionen Brasilianer syrischer Abstammung.

Ein weiteres Land, das eine syrische Gemeinschaft beherbergt, ist Argentinien. Nach offiziellen haben seit Beginn des Konflikts 233 Syrer Zuflucht im Land der Gauchos gesucht. Uruguay hat nach Informationen des Außenministeriums in Montevideo 177 Syrern Zuflucht gewährt. Da ihre Erwartungen hinsichtlich optimaler Lebensqualität nicht erfüllt wurden, fordern mehr als 50 Flüchtlingsfamilien ihre Rückkehr in den Libanon, wo sie in einem Flüchtlingslager lebten. Nach Angaben des chilenischen Innenministeriums wurden bisher 10 Syrer aufgenommen, zwischen 2014 und 2015 sind 277 Touristenvisa oder Wohnsitz für syrische Bürger gewährt worden.

Mexiko will bis zu 5.000 Syrer, darunter auch Kinder und Frauen, aufnehmen. Bis Januar dieses Jahres waren es keine 200. Andere Länder wie Paraguay, Kolumbien und Venezuela haben kein spezifisches Programm für die Aufnahme von Flüchtlingen aufgelegt. Offizielle Statistiken werden in Venezuela nicht veröffentlicht und wenn, sind sie das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt wurden. Die Regierung des erdölreichsten Landes der Welt kann ihre eigene Bevölkerung nicht ernähren, laut Angaben der Opposition haben in Venezuela keine syrischen Flüchtlinge offiziell um Aufnahme gebeten.

Laut dem kolumbianischen Außenministerium wurden in der Republik im nördlichen Teil von Südamerika zwischen 2012 und November 2015 12 Asylanträge gestellt, von denen nur sieben angenommen wurden. Paraguay hat bis Ende des vergangenen Jahres 23 Syrer aufgenommen, 40 Asylanträge sind anhängig. Besondere Erwähnung verdient Ecuador. Die Regierung von Rafael Correa hat mehr als 3.000 Bürgern aus Afghanistan, Irak und Syrien Aufnahme gewährt (lt. Angaben UNHCR).

Obwohl die Zahlen zum Vergleich mit Europa niedrig erscheinen, herrscht Besorgnis über eine zunehmende Islamisierung in der Region. Westliche Geheimdienste beobachten eine starke Zunahme der „Volksbewegung Pakistans“ hauptsächlich auf Kuba, Venezuela und Nicaragua. Hauptziel der Volksbewegung ist es, die Rückbesinnung auf den Islam weltweit zu fördern und eine Einheit unter den Muslimen der Welt zu bilden. Die Partei wendet sich des Weiteren gegen die „israelische Aggression“ und „globale Dominanz der USA“. Sie plädiert in der Frage des Konflikts mit Indien für die Rückeroberung und Eingliederung ganz Kaschmirs in Pakistan.

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  1. 1
    Caramba

    „Besorgnis über eine zunehmende Islamisierung“
    Wehret den Anfängen…

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