Diktatur Kuba: Künstler wegen regimekritischem Graffiti angeklagt

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Danilo Maldonado Machado provoziert Kubas Alt-Kommunisten (Foto: delsexto.blogspot)
Datum: 21. Dezember 2016
Uhrzeit: 19:09 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, wurde der ehemalige politische Gefangene Danilo Maldonado Machado am 26. November 2016 erneut inhaftiert. Er hatte an diesem Tag die Worte „Se fue“ („Er ist gegangen“) auf eine Außenmauer des Hotels „Habana Libre“ in Havannas Stadtteil Vedado gesprüht. Dies wurde nach dem Tod von Fídel Castro am 25. November von der kubanischen Regierung als Affront betrachtet, Danilo Maldonado wurde festgenommen und der „Sachbeschädigung“ angeklagt. Der Künstler war bereits vom 25. Dezember 2014 bis zum 20. Oktober 2015 politischer Gefangener und wurde von der Vizepräsidentin des deutschen Bundestags Ulla Schmidt (SPD) unterstützt, die eine politische Patenschaft für ihn übernommen hatte.

Der Künstler wurde zunächst in Havannas Gefängnis „Valle Grande“ gebracht, wo er drei Tage in einer so genannten „Strafzelle“ in Einzelhaft, ohne Kleidung und Nahrung verbringen musste. Am 14. Dezember wurde er schließlich in Havannas Hochsicherheitsgefängnis „Combinado del Este“ verlegt. „Sachbeschädigung“ wird auf Kuba normalerweise mit einer Geldstrafe geahndet, beziehungsweise muss der Angeklagte den beschädigten Gegenstand wieder in seinen Ausgangszustand bringen (in diesem Fall das Graffiti übermalen), eine Haftstrafe für „Sachbeschädigung“ ist eigentlich nicht vorgesehen.

US-amerikanische Anwältin des Künstlers festgenommen und verhört

Die US-amerikanische Anwältin Kimberley Motley war nach Kuba geflogen, um den international bekannten Graffitikünstler vor Gericht zu vertreten. Nachdem sie aber am 16. Dezember in ihrem Hotel von Angehörigen des Regimes festgenommen und verhört wurde, sah sie sich gezwungen, am 17. Dezember die Heimreise anzutreten. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin kritisiert, dass auf Kuba all jene schikaniert und verhaftet werden, die sich weigern, sich dem Regime und dem Personenkult um Fídel Castro anzuschließen. „Dass potenziell gefährliche Regimekritiker wie Danilo Maldonado oder Berta Soler, die am vergangenen 15. Dezember grundlos verhaftet wurde, auf diese Weise schikaniert werden zeigt einmal mehr, wie sehr das Castro-Regime seine Kritiker fürchtet“, so Lessenthin.

Hintergrund:

Am 20. Oktober 2015 entließen die kubanischen Behörden den Graffitikünstler Danilo Maldonado, auch genannt „El Sexto“ („Der Sechste“), aus dem Gefängnis Valle Grande nahe Havanna. Er war seit dem 25. Dezember 2014 in Haft, weil er in Havannas Park „Parque Central“ zwei Ferkel ausstellen wollte, denen er die Namen Fidel und Raúl aufgesprüht hatte. Die Behörden warfen dem Künstler „Missachtung der Autoritäten“ vor. Einen Haftbefehl, eine offizielle Anklage, eine Verhandlung, eine Möglichkeit zur Verteidigung und ein Urteil verweigerten die Behörden jedoch, so dass Maldonado fast zehn Monate ohne Urteil gefangen gehalten wurde.

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  1. 1
    Jens

    Richtig so. Man muss nicht ständig provozieren. Seit Jahren ist die Internationale Presse geil und versessen darauf, wenn es in einem stabilen Land „Regimekritiker“ gibt. Das sie in ihrem eigenen Land (Deutschland, Schweiz, etc.) seit langem eine Schere im Kopf haben und alles verschweigen, dass den Regierenden nicht passt, verdrängen sie. Aber sie bekommen einen Orgasmus, wenn sich in Kuba ein paar Idioten versammeln und den Kapitalismus wollen. Ich bevorzuge ein weiterhin stabiles Kuba, in welchem 90% der Menschen einigermassen glücklich sind. Nach der – auch von LatinaPress gewünschten – Wende wird es 10% Gewinner geben und 90% Verlierer.

  2. 2
    hansrambo

    Jens, wo haben die dich denn rausgeholt? Keller?

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