Experte: ‚Passagiere von Todesflug AF 447 haben vermutlich nichts gemerkt‘

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Datum: 28. Mai 2011
Uhrzeit: 16:27 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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► "Räumliche Desorientierung" täuschte möglicherweise Steigflug vor

Den Passagieren von Air France – Flug AF 447 wurde möglicherweise zu keinem Zeitpunkt bewusst, dass sie in den Atlantik stürzen. Dies geht aus einer Reportage der brasilianischen Tageszeitung Folha S. Paulo hervor, die sich dabei auf Gespräche mit zahlreichen Luftfahrtexperten und Piloten beruft.

Demnach könnte die Piloten unter „räumlicher Desorientierung“ gelitten haben. Der Zustand wird durch den Gleichgewichtssinn im Innenohr gesteuert und tritt vor allem beim Fehlen eines sichtbaren Horizontes aus. Zum Unglückszeitpunkt gegen 2 Uhr morgens MESZ flog der Airbus A 330 durch pechschwarze Nacht, die Piloten waren daher ausschliesslich auf die Anzeigen im Cockpit angewiesen, die wiederum verwirrende Werte lieferten.

Somit könnte es den Piloten nicht bewusst gewesen sein, dass die Maschine in hohem Winkel auf die Wasseroberfläche zuraste. Dies wird zudem gestützt von den Aufzeichnungen im Cockpit. „Ich verstehe gar nichts“ soll einer der Piloten kurz vor dem Aufprall gesagt haben. Die Maschine war von der Reiseflughöhe von 11.600 Meter innerhalb von 3 Minuten und 22 Sekunden bis zum Meeresspiegel gesunken, zwischenzeitlich hatte ein Co-Pilot die Höhe mit 10.000 Fuss (3.050 Meter) angegeben.

Auch die Passagiere könnten von dem Absturz nicht oder kaum etwas mitbekommen haben. Auch hier fehlte in der Nacht sämtliche räumliche Orientierung. Der Airbus war schliesslich mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h im Atlantik zerschellt. Die niedrige Geschwindigkeit habe zudem bei den Passagieren vermutlich keinerlei Druck des Körpers auf die Rückenlehne ausgelöst, so dass kein Gefühl des „Fallens“ eingetreten sein dürfte. Unter Umständen, so die Experten weiter, könnte sogar das Gefühl eines „Steigflugs“ vorgetäuscht worden sein.

Erst am Freitag hatte die französische Unfallermittlungsbehörde BEA nach einer ersten Auswertung der Anfang Mai geborgenen Black-Boxen nähere Details zu Todesflug AF 447 bekannt gegeben. Demnach sei die Maschine auf dem Weg von Rio de Janeiro in Brasilien nach Paris in Frankreich in eine Schlechtwetterfront geraten. Ein Co-Pilot habe die Maschine leicht nach links gezogen um schweren Turbulenzen auszuweichen und die Besatzung informiert. Danach seien dann widersprüchliche Geschwindigkeitsanzeigen auf den Monitoren im Cockpit erschienen.

Der Pilot, der sich gerade in einer Ruhephase befand, sei daraufhin von den Co-Piloten informiert worden, jedoch erst nach mehrmaligen Rufen erschienen. Zwischenzeitlich habe sich der Autopilot ausgeschaltet. Die beiden Co-Piloten übernahmen das Steuer, sämtliche Massnahmen, die Maschine wieder auf Kurs zu bringen, seien jedoch fehlgeschlagen.

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