Lektion für Haiti: Zwei Jahre nach dem Erdbeben in Pisco

PISCO

Datum: 21. Januar 2010
Uhrzeit: 09:42 Uhr
Ressorts: Panorama, Peru
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Zwei Jahre sind vergangen, seit Pisco durch ein Erdbeben der Stärke 7.9 in einen Trümmerhaufen verwandelt wurde. 596 Menschen wurden getötet, der Fischerort im Süden von Peru versank in Schutt und Asche.

Nach dem Erdbeben kamen Tausende von Rettern in die Gegend und versprachen Unterstützung mit Millionen von Dollar. Pläne wurden erstellt, erdbebensichere Häuser und ein größeres Krankenhaus sollten in der Region neu entstehen. Pisco sollte völlig neu aufgebaut werden-nichts davon geschah.

Viele Straßen in Pisco sind immer noch mit Schutt bedeckt. Tausende von Menschen leben in Hütten, tausende sind von Pisco weggezogen. Was ist mit dem neuen Krankenhaus? Nichts. Nicht einmal mit dem Bau hat man begonnen.

„Der Staat über uns vergessen“, sagte Medalit Diaz, 33, die in einer der vielen Zelte und Hüttenstädte entlang des Fußballstadions lebt.

Die Welt war voll von guten Absichten in den Tagen nach der Tragödie. Das Fernsehen berichtete pausenlos von weinenden Eltern und Rettern, die im pausenlosen Einsatz nach verletzten und verschütteten Personen suchten. Die Bilder gleichen denen, die heute von Haiti bis in den letzten Winkel der Welt übertragen werden und eine beispiellose Welle der Solidarität entfachten.

Die Lage in Pisco steht im Gegensatz zu Aceh, der indonesischen Stadt, die von einem Tsunami apokalyptischen Ausmasses im Jahr 2004 verwüstet wurde.

Ganze Stadtviertel verschwanden, viele Boote sanken landeinwärts der Küste. Es dauerte Monate, bis alle Leichen geborgen waren. Schätzungsweise 230.000 Menschen starben in Idonesien, Thailand, Indien und Sri Lanka. Mehr als die Hälfte von ihnen in der Provinz Aceh. In den ersten Wochen herrschte Chaos. Im Laufe der Monate griff allerdings die Organisation. Bereits ein Jahr nach dem Tsunami hatte man gute Fortschritte erzielt. Zahlreiche Wiederaufbauprojekte wurden gestartet. Heute, nach fünf Jahren, kann man nicht glauben, dass in dieser Gegend so etwas Schreckliches passierte. Es gibt gut asphaltierte Straßen, erdbebensichere Häuser, Schulen und moderne Kliniken.

Nach dieser verheerenden Katastrophe wurden insgesamt  rund 13 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau gespendet. Fast die Hälfte wurde in Aceh eingesetzt.

Was ist der Unterschied? Warum wurde Banda Aceh wieder aufgebaut und nicht Pisco? Warum erzeugt eine Katastrophe Unterstützung und Spenden und eine andere, obwohl von geringerer Größe, ist so schnell vergessen?

Gleich zu Beginn der Katastrophe  wurden die Hilfs-Organisationen in Pisco mit Problemen auf mehreren Ebenen konfrontiert: Die Infrastruktur war bereits brüchig, es herrschte eine höllische Bürokratie. Die Hilfe war schlecht organisiert, vor allem blühte die Korruption und Intrigen. All dies machte die Zusammenarbeit für internationale Organisationen mit lokalen Behörden sehr schwierig.

Das Beben in Pisco fand am 15. August 2007 statt. Das Seebeben im Indischen Ozean am 26. Dezember 2004. Die Weihnachtszeit zollte dem Beben in Indonesien und Thailand besondere Aufmerksamkeit und weckte zusätzlich die Spendenfreudigkeit weltweit.

Inzwischen teilte das peruanische Gesundtheitsministerium mit, dass in Pisco, nach mehr als 3  Jahren, ein neues Krankenhaus bis zum 02. Februar 2011 fertiggestellt sein wird. Die Klinik hat eine Fläche von 27.715,92 Quadratmetern und eine Bettenkapazität von 102 Betten.

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