Hugo Chávez: Krebs dominiert Wahlkampf in Venezuela

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Datum: 15. März 2012
Uhrzeit: 16:35 Uhr
Leserecho: 3 Kommentare
Autor: Redaktion
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► Episode aus einer Seifenoper

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez ist im Begriff zu sterben. Er wird lange genug leben, um die Wahlen zu gewinnen. Er wird geheilt und wird noch Jahrzehnte regieren. Er hat keinen Krebs und will nur Mitleid erwecken: Willkommen zum Präsidentschaftswahlkampf in Venezuela. Ein Strudel aus Intrigen und Verschwörungstheorien über die Gesundheit von Hugo Chávez halten das Rennen weit offen und schüren Hoffnung und Furcht auf beiden Seiten.

Der nach eigenen Worten an Krebs erkrankte Präsident wird in den nächsten Tagen nach Caracas zurückkehren und eine Kampagne für seine geplante dritte Amtszeit vorbereiten. „So Gott will, werde ich am kommenden Sonntagnachmittag wieder in Caracas sein,“ teilte der 57-jährige mit. Dabei hielt er eine Zeitung mit Datum in die Kamera, was an ein Geiselfoto erinnerten.

In Venezuela spielt sich ein bizarres Theater mit schaurig-morbiden Untertönen ab. Statt Debatten über Armut, Kriminalität, Inflation oder wie man die Öl-Einnahmen am besten verwenden kann, ähnelt das Klima im Vorfeld der Wahlen der Episode aus einer Seifenoper. Im südamerikanischen Land gibt es inzwischen 28 Millionen Amateur-Onkologen, die mangels freigegebener Arztberichte über die Art der Krebserkrankung ihres bolivarischen Führers spekulieren.

Sein jugendlicher Herausforderer, der 39-jährige Henrique Capriles, kritisierte den Präsidenten für seine Behandlung im Ausland. „Ich verstehe nicht, warum Präsident Chávez nach Kuba geht. Wir haben ausgezeichnete Ärzte hier, was sollen die Krebspatienten in Venezuela denken?“, so Capriles in einem Interview. Inzwischen wird die Regierung nicht müde, über den „guten“ Gesundheitszustand ihres Staatsoberhauptes zu berichten.

Das in Venezuela allerdings alles drunter und drüber geht, konnte man den Äußerungen von Informationsminister Andrés Izarra entnehmen. Dieser teilte vor drei Wochen mit, dass der Präsident überhaupt nicht auf Kuba war, allerdings musste er eine Stunde später seine offensichtliche Lüge bereits berichtigen.

Chávez erholt sich inzwischen von seiner Operation und feiert in Havanna mit der Familie den Geburtstag seiner Tochter. Der Aufenthalt auf Kuba soll dem venezolanischen Volk bisher rund vier Millionen US-Dollar gekostet haben. Die Opposition verurteilte diese “überflüssigen Ausgaben” und bezeichnete die 20-tägige Abwesenheit von Hugo Chávez als verfassungswidrig.

“Die täglichen Ausgaben für die Luftbrücke Caracas-Havanna betragen rund 200.000 US-Dollar. Alleine die Präsidentschafts-Entourage besteht aus mehr als 200 Personen, darunter Berater, Journalisten, Minister, Militärs und Familienangehörige. Chávez muss begründen, weshalb er sein Amt nicht delegiert und jeden Tag Familientage und Freundestreffen auf Kuba durchführt. Hier wird seit zwanzig Tagen eine riesige Summe Geld verschleudert”, so Oppositionspolitiker Carlos Berrizbeitia in einem Interview.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Pandora

    Und bei dem ganzen Zirkus um „diese eine Person“ ( welcher das ausgesprochen mehr als gut in den Kram passt ) vergisst man das Land und die Menschen und ihre immer größer werdenden Probleme.
    Alle Medien ( national und international ) sollten „diese eine Person“ einfach mal ignorieren – sprich *links* liegen lassen . Er wäre ruck-zuck so uninteressant wie der Schnupfen meines Nachbarn .
    Denn
    die höchste Form der Missachtung – ist die Nichtbeachtung !!

  2. 2
    Martin Bauer

    Ach, ehe ich’s vergesse: Einer Freundin meiner Frau, die nicht krankenversichert ist, wurde letzte Woche von einer staatlichen Klinik die Behandlung ihres Krebsleidens verweigert, mit der Begründung, dies sein zu teuer. Wenn sie sich sehr schlecht fühlen würde, könnten sie als Notfall aufgenommen werden. Aber bis dahin könne man nichts für sie tun.

    Wen interessiert so was schon, in diesem Land der „kostenlosen medizinischen Versorgung“ und den tollen kubanischen Ärtzen, die umsonst behandeln? Kein Schwein! Ist ja nur jemand aus dem von Chávez ach so geliebten Volk. Kann verrecken, während der rote Oberhäuptling mit dem Geld des Volkes in Kuba Familiengeburtstag feiert. Der Typ beschwört Gott, Jesus und Tausend Heilige Jungfrauen, dass sie ihm helfen. Aber es wird der Teufel sein, der sich seiner annimmt.

    Hallo, Freunde von amerika.21! Wär euch das Thema nicht einen Artikel wert?

  3. 3
    Linus Bracher

    Das geht natürlich nicht. Dann müsste das verlogene Kommunistenblättchen ja plötzlich über die Wahrheit berichten und würde keine Spenden mehr kassieren können.

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