Brasilien: Die Reichen werden reicher – Die Armen immer ärmer

reich und arm

Datum: 04. Oktober 2009
Uhrzeit: 19:41 Uhr
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Autor: Redaktion
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In Brasilien nimmt nur etwa ein Drittel der Bevölkerung am sogenannten Wirtschaftskreislauf teil. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in der sogenannten Schattenwirtschaft. Nicht umsonst spricht man vom reichen Süden und vom Armenhaus Brasiliens, dem Norden.

reich und armAber es gibt durchaus Fortschritte zu bewundern. So werden die Reichen immer reicher, die Ärmsten immer ärmer.

Dies ist nicht ironisch gemeint – es ist die Realität. Anhand eines Beispiels  kann man dies erläutern. Die Regierung von Luiz Inácio Lula da Silva brüstet sich jedes Jahr damit, dass sie den gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn, das “Salário Mínimo”, wieder einmal angehoben hat. Gleichzeitig wurden aber auch die Preise für Grundnahrungsmittel in allen Geschäften nach oben angepasst.

Erhöhung des “Salário Mínimo” hört sich sehr gut an. Das “Salário Mínimo” beträgt zurzeit umgerechnet ca. 170 Euro. Nicht viel auf den ersten Blick – aber zum Leben reicht dieses durchaus. Die Miete auf dem Lande beträgt für ein einfaches Häuschen 30 Euro. Der Strom für den täglichen Bedarf schlägt am Monatsende mit 10 Euro zu Buche. Ein einfaches Mittagessen ist für 2 Euro zu haben. Also, wer arbeitet, muss nicht hungern.

Es gibt in jedem Ort unzählige kleine Geschäfte für den täglichen Bedarf, viele Drogerien und auch große Supermärkte, die es durchaus mit einem Supermarkt in der Gross-Stadt aufnehmen können. Unzählige Menschen verdienen in diesen Geschäften  ihr tägliches Brot. Es gibt Supermarktbesitzer, die inzwischen 32 Häuser ihr Eigen nennen. Viele Häuser sind vermietet.

Und nun zu dem eigentlichen Problem. Kein Ladenbesitzer bezahlt den Leuten ihr eigentlich per Gesetz zugesichertes “Salário Mínimo”. Die Angestellten im Supermarkt arbeiten 6 Tage die Woche – von morgens 06.00 Uhr bis abends 20.00 Uhr. Großzügigerweise ist ein Tag in der Woche frei. Dafür erhalten die Angestellten und Arbeiter umgerechnet 70 Euro. Die Angestellten in den Drogerien ebenfalls. Eine Putzfrau verdient 40 Euro – bei 6 Tagen Arbeitszeit in der Woche. Meistens muss sie sich dann noch den Angriffen des Mannes ihrer Chefin erwehren.

Die einzigen, die ihr “Salário Mínimo” erhalten, sind die Bediensteten der Stadt, Lehrer und der Angestellten der Bank. Es gibt auch Spezialisten – z.b. in der Gefriereis-Fabrik, auf der Schiffswerft, die erhalten durchaus auch einmal drei “Salário Mínimo”. Das ist sehr oft die Realität. Sollte einmal ein Angestellter seinen Chef auf das “Salário Mínimo” aufmerksam machen, dann bekommt er zur Antwort: Unmöglich, mit den Margen nicht vereinbar – solltest du nicht zufrieden sein, kein Problem – die Warteliste von Bewerbern ist unendlich. In manchen Regionen Brasiliens ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Deswegen sind die Menschen froh überhaupt einer legalen Arbeit nachgehen zu können. Proteste ersticken meistens schon im Keim.

Anbetracht dieser Tatsache ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen, obwohl nach dem langen Arbeitstag eigentlich ruhebedürftig, einen zweiten Nebenjob ausüben, um ihre Familie über Wasser zu halten. Viele schicken ihre Kinder zum arbeiten. Diese versäumen dann den Schulunterricht. Das Ergebnis ist eine schlechte, ungenügende Ausbildung. Der Einstieg in das Wirtschaftsleben ist damit verunmöglicht.

So ist das also mit dem vielgepriesenen Fortschritt in Brasilien. Die Reichen werde

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