Venezuela: Betrügern droht der Tod

Datum: 07. September 2011
Uhrzeit: 16:50 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 5 Kommentare
Autor: Martin Bauer, Caracas (Leser)
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Es ist nun schon eine Reihe von Jahren her, dass ich als Agent für „Commodities“ mein Geld verdiente. Treibstoffe und deren Basisrohstoffe waren mein Spezialgebiet, insbesondere Biodiesel sowie die Pflanzenöle, aus denen er gemacht wird. Meine Hauptaufgabe war also, für Biodiesel Hersteller das benötigte Öl, zumeist Rapsöl, zu besorgen und am Ende des Produktionsprozesses Käufer für den fertigen Treibstoff zu finden. Das war nicht weiter schwer, solange der Preis stimmte. Aber hier lag das Problem. Um meine Kommission zu rechtfertigen, musste ich billiger einkaufen und teuerer verkaufen, als mein Mandant dies vermochte, sonst hätte dieser einen Angestellten damit beauftragt. Das Geld fiel mir also nicht in den Schoss, sondern musste stets hart erarbeitet werden.

Natürlich benötigt man hierzu unzählige Kontakte in aller Welt, die wenigsten davon bekommt man jemals persönlich zu Gesicht. So flatterten mir denn jeden Tag Berge von Angeboten und Gesuchen ins Haus, die meisten davon Phantasiegebilde, bei denen es gelegentlich um irrwitzige Mengen, Werte und Geldbeträge ging und oft um ganz andere Produkte, die nicht in meinen Bereich fielen. Regelrecht bescheiden, deshalb auch real, war da ein Russe, der bei einem deutschen Elektronik Konzern eine gewaltige Menge von eigens für ihn gefertigten Mobiltelefonen mit 70 Millionen Euro bezahlen wollte, die er im Kofferraum seines Fahrzeugs in bar mit sich führte. Natürlich jagte man ihn vom Hof und bot dann die Telefone wie sauer Bier auf dem Restposten Markt an. Doch das bekam ich nur am Rande mit, denn es fiel nicht in meinen Bereich. Ein Anderer wollte 40 Millionen Tonnen Zucker kaufen, ein Weiterer 10.000 Tonnen Gold. Das war natürlich weltfremder Blödsinn, zumeist von Amateur Brokern versandt, die einfach nicht begreifen wollten, dass sie sich in einer Welt von Geldwäschern und deren vorgetäuschten Scheingeschäften bewegten, wo es praktisch niemals um real vorhandene Ware ging. Nur an solcher war ich interessiert, so dass ich den Grossteil der eingehenden Dokumente nach knapper Prüfung entsorgte.

Auch eine E-Mail, betreffend einen Liefervertrag über 27 Millionen Tonnen Dieselöl aus Venezuela, wollte ich zuerst in diese Kategorie einordnen und löschen. Die angehängten Dokumente jedoch sahen gar nicht weltfremd aus, und sie waren es auch nicht, wie sich zeigen sollte. Die Mail kam über einen anerkannten Vermittler aus einer ehemaligen Sowjet Republik, ein Freund von mir kannte ihn persönlich. Also nahm ich die Sache ernst.

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  1. 1
    Der Bettler

    Martin,jetzt glaube ich zu verstehen,was Du uns sagen willst.Wer sich mit
    den Russen oder auch Chinesen einläßt,und versucht die zu betrügen,ist
    so gut wie tot.Habe ich das so richtig verstanden? Das heißt auch,daß
    auch heute noch so einige Köpfe rollen werden,die die Russen betrügen
    wollen.Da wird die ven.Regierung aber bald sehr klein sein,denn da hat
    jeder von unten bis ganz oben Dreck am Stecken.Tia,wenn es der Krebs
    nicht ist,die Amis nicht,die Opposition nicht,die eigene Bevölkerung nicht,
    dann sind es halt die Russen,die undercover dem ein Ende setzen.
    Mir soll es Recht sein!

    • 1.1
      Martin Bauer

      Ich habe gar nicht so weit gedacht, sondern nur eine Episode aus meiner Vergangenheit erzählen wollen, die in Bezug zu Venezuela steht.

      Ich kenne viele Russen privat, sehr liebe Leute. Die sind alle genauso entsetzt und verabscheuen diese Form der Gewalt ebenso, wie wir. Sobald aber grosse Geschäfte im Spiel sind, gilt in Russland ein sonderbarer Ehrenkodex, nachdem Falschspieler zu sterben haben. Das ging so weit, dass man den Vermittler eines Geschäftes umbrachte, das scheiterte, weil die U.S. Flotte den persischen Golf sperrte und das vollgeladene Tankschiff in den Ausgangshafen zurück musste, für mehrere Jahre. Das war einwandfrei Höhere Gewalt und von dem Mann beim besten Willen nicht zu beeinflussen. – War übrigens ein Deutscher. – Mit diesem Geschäftsgebaren machen sich die Russen keine Freunde.

      Wie die Chinesen solche Fälle handhaben, weiss ich nicht. Hab da keine Berührungspunkte.

  2. 2
    Silvia W

    Also,mir ist es gerade kalt den Ruecken runtergelaufen !!

    Das war das einzige,was du machen konntest!! Sonst waere dein Name in der Zeitung gestanden…….

    • 2.1
      afrika

      Die Art der Bestrafung, wie das die Russen machen, ist eine der ältesten und erfolgreichsten, um Geschäfte ohne grossen Stress durchzuführen.
      Ich kann mir wahrhaftigt vorstellen, dass die Geschichte in dieser Form stimmt.

      • 2.1.1
        Martin Bauer

        Dass dieses Prozedere den Stress aus dem Geschäft genommen hätte, kann ich nicht bestätigen. Vielmehr brachte sie eine besondere Form des Stresses ein, die letztendlich die Ursache dafür ist, dass ich seit dem mit solchen Leuten jeden Kontakt ablehne.

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