Lateinamerika: Bedrohtes Amazonien taumelt am Abgrund

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Datum: 27. November 2011
Uhrzeit: 14:15 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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► Wälder der Region enthalten 60% aller Lebensformen unseres Planeten

Amazonien, größte Stromebene Südamerikas und Einzugsgebiet des Amazonas, des Rio Anapu und des Rio Tocantins, taumelt am Abgrund. Die Umweltverschmutzung, exzessive Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die Expansion der landwirtschaftlichen Grenzen unter Zerstörung des natürlichen Lebensraums, die urbanistische und industrielle Expansion – all das bedeutet für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten die endgültige Ausrottung. Das Amazonasbecken umfasst Gebiete in den Staaten Brasilien, Französisch-Guayana, Suriname, Guyana, Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien. Es ist mit ca. 7 Millionen km², was etwa fünf Prozent der gesamten Landfläche der Erde entspricht, das größte zusammenhängende Landschaftsgebiet und damit auch der zweitgrößte zusammenhängende Wald unseres Planeten nach dem borealen Nadelwald.

Obwohl je nach Jahreszeit weniger als 100.000 oder sogar über 200.000 m³ Wasser pro Sekunde dem Atlantischen Ozean zugeführt werden, verdunstet ein Großteil der Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Fortschreitende Entwaldung führt zur Verringerung der Luftfeuchtigkeit und verstärkt die Erosion und Oberflächenentwässerung. Megaprojekte für Energie und regionale Integration ziehen Investitionen in Milliardenhöhe an, weniger Wald und sauberes Wasser führen zu schweren Umweltschäden, die durch die Auswirkungen des Klimawandels besonders hervorgehoben werden.

Die Wälder dieser Region enthalten 60% aller Lebensformen unseres Planeten, aber man schätzt, dass bisher nur etwa 30% davon der Wissenschaft bekannt sind. Obwohl das Gebiet von unzähligen Organisationen erforscht wird, besteht die große Herausforderung der Entscheidungsträger darin, das angesammelte Wissen ernst zu nehmen. Das amazonaportal hat in einem Bericht die wichtigsten Daten einer Region der Superlativen zusammengestellt. Demnach wäre das Amazonas-Biom, wenn es einem Land entspräche, das siebentgrösste Land der Welt.

In jedem Fall sollte das vorhandene Wissen dazu führen, den Prozess der sicherlich unterschätzten Biodiversifikation Amazoniens zu verstehen. Alle umliegenden Staaten, mit Ausnahme von Brasilien, verfügen über keine ausreichenden Messsysteme. Laut einem Bericht von Naturschützern betrug die kumulierte Summe der abgeholzten Fläche im Jahr 2005 rund 857.666 Quadratkilometer, das entspricht 17 Prozent des gesamten Amazonas. Eine Auswertung aller Daten nimmt oft Jahre in Anspruch, bei Herausgabe der Informationen sind diese schon wieder veraltet.

Die globale Wirtschaftskrise verschäft die angespannte Situation in Amazonien zusätzlich. Hohe Soja und Rindfleischpreise führen zu einer starken Expansion der Landwirtschaft. Im Jahr 1994 gab es im brasilianischen Amazonasgebiet rund 34,7 Millionen Stück Vieh, 2006 bereits 73,7 Millionen. In den letzten Monaten wurde eine starke Zunahme des Rinderbestandes im bolivianischen und kolumbianischen Teil des Beckens registriert. Die Tiere benötigen Weidefläche, welche durch Rodung des Dschungels gewonnen wird.

Ebenfalls wird der demographische Druck offensichtlich, welcher den Amazonas-Regenwald und die Artenvielfalt der einzigartigen Region zusätzlich bedroht. Die Bevölkerung wächst schneller als der nationale Durchschnitt. Die etwas mehr als fünf Millionen Einwohner in Amazonien aus dem Jahr 1970 haben sich bis 2007 auf das sechs-fache erhöht und erreichten 33,5 Millionen. Das heißt, dass rund 11 Prozent der Gesamtbevölkerung der acht Länder des Amazonasbeckens in dieser Region der Superlative leben.

Ein in sieben Kapiteln gegliederter Bericht von GEO-Amazônia über die heutigen und zukünftigen Aspekte des Landes weist auf eine erhöhte Schädigung des Ökosystems hin. Die Regierungen der umliegenden Länder werden zu einer Harmonisierung ihrer öffentlichen Politik aufgefordert. Planung von gemeinsamen Strategien und die Förderung der wirtschaftlichen Verwertung von Umweltdienstleistungen soll die Gefährdung des einzigartigen „Amazonien“ verhindern.

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  1. Genau das ist es, was ich vor ein paar Tagen meinte, als ich für das Projekt in Equador gesprochen habe. Überall auf der Welt läuft wohl das Gleiche ab – Zerstörung der Ökosysteme – Beispiel auch: Innere Mongolei. Ich empfehle jedem das Buch von Jiang Rong: „Der Zorn der Wölfe“. Aber keiner will es wahrhaben. Was interessiert, ist Abzocke. Es ist zum Verzweifeln.Weil die Abzocker noch nicht selber leiden (was ohne Zweifel kommen wird), machen sie immer weiter.

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