In Haiti stehen die Naturgesetze Kopf

Galileo

Datum: 02. Februar 2010
Uhrzeit: 08:32 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
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Dass in meinen Geschichten zuweilen die Orthographie und in Haïti wohl alle Gesetze auf dem Kopf stehen, wissen meine Leser und Freunde schon längst. Dass dies sogar für Naturgesetze gilt, wissen sie aus meinen.

Galileo Galilei lebte ab 1564 und machte aus, dass sich bei Erwärmung oder „Erkältung“ von Säften das Gewicht von allen Gebilden verändert, die darin schwimmen. So werden etwa Glaskugeln leicht wie eine Feder oder schwer wie Blei, und schon war das „Galileo-Thermometer“ erfunden (irrtümlich in einem Teil der Kolumne als „Bernouilli-Thermometer“ bezeichnet, excüsi!).

Bei der Pensionierung haben mir Mitarbeiter ein solches geschenkt, wohl in der irrigen Annahme, in dem flüssigkeitsgefüllten Glaszylinder stiegen vereinzelte der schwebenden Glaskörper im Winter nach oben und sänken im Sommer nach unten. Unter den Glaskörpern sind Metallplättchen mit verschiedenen Temperaturwerten angehängt. Die Temperatur wird von jener Kugel abgelesen, die von der oben schwimmenden Gruppe die unterste ist. Das Problem bestand darin, dass es in Haïti zu heiß war und alle Kugeln gar lange unten zu bleiben beliebten, so gab es nichts abzulesen.

Das hat geändert. Das Klima erkaltet, und ich werde erkältet. Wie einst in der Schweiz. Aber ich sage ja immer, alles habe seine Vor- und Nachteile, man müsse sie nur entdecken. Also was kann der Vorteil der Erkaltung sein? Logo, die Ablesbarkeit des Wärmemessers ! Denn endlich beginnt mein Galileo-Thermometer zu funzen! Es ist auch etwa Zeit, nach bald 20 Jahren.

Ein Schweizer Freund hat mich besucht, weil ihm der Winter in Adliswil zu kalt wurde. Er hat mir eine Weltwoche mitgebracht, mit interessanten Texten. Zum Beispiel steht dort, es werde seit vielen Jahren kälter und sollte doch wärmer werden. Es wird kälter und doch sterben die Gletscher, ist denn das möglich? Sterben die vor Kälte?

Und es steht, das von Klima und Weltuntergang sei Religion geworden. Und Zweckgeheul. Denn es hätte sich viel Wirtschaft aus der angeblichen Erderwärmung entwickelt.

Wenn Sie meine Meinung hören wollen, ich darf ja meine Meinung auch äußern: Galileo ist längst gestorben. Ich glaube nicht an die Religion von Klima und Weltuntergang, ist mir zu einfach. Das Menschenleben geht vielleicht schon einmal „unter“, auf dieser Erde, aber erstens werden wir das bei weitem nicht mehr erleben und zweitens gehören ja auch noch UFOS und so zu dieser Welt, selbst wenn es die nicht gibt.

Die „Welt“ besteht eben nicht nur aus Menschen, menschlichen Hirnen und ihren Ideen, und aus „unserem“ Planeten, auf dem durchaus auch nochmals neues Leben, vielleicht sogar Menschenleben, entstehen könnte, gegebenenfalls. Man muss eben langfristig denken. selbst wenn das auch relativ ist.

Für mich sind Zeiträume von Milliarden von Jahren eben langfristig. Und solche Prozesse sind langfristig und nie geradlinig. Man könnte von „Trends“ sprechen, aber diese ähneln einem schiefen Sägeblatt. Und in einem solchen geht es eben zackig rauf und runter. Abstürze sind durchaus mal zackig. Und kurzfristig. Aber der Trend stimmt doch, langfristig.

Für mich ist Klima und Weltuntergang ein Trend, vielleicht doch eine Religion, wie es die Weltwoche genannt hat. Aber in anderen Zeithorizonten. Die Gegenreaktionen sind mir ein Beweis, denn solche sind in Kurven normal, nach jeder Reaktion. Ich habe schon in der Mittelschule gehört, dass es zu immer mehr und stärkeren Stürmen und Unregelmäßigkeiten kommen würde, oft scheinbar in der falschen Richtung. Und dass der größte Fehler der Menschen die Panik sein würde.

Bleiben wir bei den Tatsachen: Tatsache ist, die Naturgesetze stehen nicht so rasch Kopf, auch nicht in Haïti. Und bei Galileo. Denn die Kugeln schwimmen immer noch oben.

Nachtrag 31.1. :

Merkwürdig: Mein letztes Foto aus meinem Haus war das meines Galileo-Thermometers. Einen Tag vor der Apokalypse. Dann wütete das Erdbeben. Die Kugeln schwimmen nicht mehr oben, überhaupt nichts mehr. Das Galileo-Thermometer und mein Haus bestehen nicht mehr.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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