Uruguay: José Mujica – Ein „Rebell“ tritt ab

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Präsident Mujica spendet 90% seines Gehalts an soziale Einrichtungen (Foto: Archiv)
Datum: 28. Oktober 2014
Uhrzeit: 16:23 Uhr
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Die Amtszeit des uruguayischen Präsidenten José Alberto Mujica Cordano nähert sich ihrem Ende. „El Pepe“ hat keine schmutzigen Tricks angewandt, nicht versucht die Verfassung auszuhebeln und wird am 30. März 2015 von seinem Amt zurücktreten. Das Leben des 74-jährigen, der als Beruf Blumenzüchter/verkäufer angibt, liest sich mehr wie ein Drehbuch als eine Präsidenten-Biographie.

Mujica wurde am 20. Mai 1935 im montevideanischen Barrio Paso de la Arena als Sohn von Demetrio Mujica und Lucy Cordano geboren. Sein Vater, ein später verarmter kleiner Viehzüchter, war baskischer Herkunft. Wegen seiner Tätigkeit in der Guerillabewegung Movimiento de Liberación Nacional – Tupamaros (1960er und 70er Jahre) verbrachte er 14 Jahre im Gefängnis, überwiegend in Einzelhaft. Er überlebte eine Schießerei mit der Polizei – obwohl er von sechs Kugeln getroffen wurde.

Viermal wurde von den Behörden gefangen genommen und schaffte es zweimal, seinen Häschern zu entkommen. Beide Male flüchtete der sich zum Atheismus Bekennende durch einen Tunnel – eine künstliche Passage grub er selber auf der Innenseite des Gefängnisses, eine weitere seine Kameraden an der Außenseite der Haftanstalt. Er überstand die unmenschliche Behandlung in militärischen Gefängnissen, war stets abgemagert und litt an einem psychologischen Trauma.

Im Juni 2009 wurde Mujica, der den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva als sein Vorbild bezeichnet, zum Kandidaten des Linksbündnisses Frente Amplio für die Präsidentschaftswahl gewählt. Im ersten Durchgang am 25. Oktober 2009 verfehlte er die absolute Mehrheit mit 48 Prozent der Stimmen knapp. In der Stichwahl am 29. November 2009 erreichte er circa 53 Prozent der Stimmen und setzte sich damit gegen seinen konservativen Konkurrenten Luis Alberto Lacalle durch.

In einer Region, in der linksgerichtete Führer oft die Privatwirtschaft angreifen und mit Verschwörungstheorien nur so um sich werfen, entschied sich Mujica für einen gemäßigteren Ansatz. „Wir haben den Kapitalismus begünstigt, so dass er seine Räder drehen kann. Der Kapitalismus sollte nicht gelähmt werden – er hat allerdings seine Grenzen“, lautet eine der Weisheiten des bei der Bevölkerung ungemein beliebten Staatsoberhauptes.

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Zusammen mit seiner Ehefrau lebt er auf einem kleinen Bauernhof (Chacra) in Rincón del Cerro in der Nähe von Montevideo. Privat fährt er immer noch einen alten VW Käfer, für offizielle Fahrten nutzt er einen Opel Corsa. Sein bescheidenes Haus steht neben einer verlassenen Fabrik, die er gerne in eine Landwirtschaftsschule umbauen möchte. Er wird als die moderne uruguayische Version eines mittelalterlichen Mönchs bezeichnet, was Stoff für ein Drehbuch und einen guten Film geben könnte.

„El Pepe“ hat beachtliche Erfolge vorzuweisen. Das kleinste spanischsprachige Land Lateinamerikas hat eine äußerst geringe Kriminalitätsrate, die durch ausländische Investitionen geförderte Wirtschaft wächst seit dem Jahr 2005 um durchschnittlich 5,8% (Zahlen der Weltbank). Das Armutsniveau sank von rund 40% vor 2005 auf weniger als 13%. Mujica selbst bezeichnet diesen Rückgang als „meine größte Leistung“.

Der Stil des „Volkspräsidenten“ wird von einem Großteil der Bevölkerung als aufrichtig und nicht raffiniert bezeichnet. Dass seine Stärke nicht im Verwalten der Regierung liegt, stört die Menschen nicht und trifft auf Verständnis. Obwohl sich seine Amtszeit dem Ende zuneigt, liegt die Zustimmung für seine Politik laut einer aktuellen Umfrage bei fast 60%.

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  1. 1
    Martin Bauer

    “Wir haben den Kapitalismus begünstigt, so dass er seine Räder drehen kann. Der Kapitalismus sollte nicht gelähmt werden – er hat allerdings seine Grenzen” – Das klingt grundsätzlich ausgezeichnet. Und tatsächlich halte ich Mujica nicht für einen radikalen Linken, eher für einen anständigen Menschen, der in einem schwierigen und gewalttätigen Umfeld den richtigen Weg für sein Land gesucht hat. Seine Verbündeten hatte er oft keine glückliche Hand. Allerdings war die Auswahl, zumindest auf dem Kontinent, nicht gerade berauschend.
    Ich wünsche ihm alles Gute für seine hoffentlich noch langes Leben. Lula hätte sich ihn als Vorbild nehmen sollen, nicht umgekehrt.

  2. Ich verneige mich vor einem weisen Mann. Gäbe es ein paar Männer mehr wie ihn an der Macht, würde die Welt anders aussehen.
    Respekt, Pepe!

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