FIFA-Korruptionsskandal: Europa-Parlament fordert Übergangs-Präsidenten

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Die FIFA ist der Weltfußballverband mit Sitz in Zürich (Foto: FIFA)
Datum: 11. Juni 2015
Uhrzeit: 14:06 Uhr
Ressorts: Lateinamerika, Sport
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Autor: Redaktion
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In einer Resolution vom Donnerstag (11.) hat das Europäische Parlament die jüngsten Korruptionsvorwürfe gegen den internationalen Fußballverband FIFA bedauert. Diese hätten Glaubwürdigkeit und Integrität des Weltfußballs schwerwiegend beschädigt. Die Abgeordneten fordern zudem eine Nulltoleranz-Politik in Bezug auf Korruption im Sport und heben hervor, dass eine radikale Reform der Strukturen und Verfahren der FIFA dringend erforderlich ist. Das Parlament begrüßt den Rücktritt Joseph Blatters vom Amt des FIFA-Präsidenten und fordert den Verband auf, einen Übergangs-Präsidenten auszuwählen, der ihn umgehend ablöst. Die FIFA sollte offene, ausgewogene und demokratische Entscheidungsprozesse einführen, auch bei der Wahl des neuen Präsidenten, so der Text der Entschließung, die per Handzeichen angenommen wurde.

Im Zuge von US-Ermittlungen gegen insgesamt 14 Personen waren am Mittwoch (27. Mai) in Zürich sieben hochrangige FIFA-Funktionäre von der Kantonspolizei verhaftet worden und befinden sich aufgrund eines US-Verhaftsersuchens in Auslieferungshaft. Darunter befinden sich auch Mandatsträger aus Brasilien, Venezuela, Costa Rica, Nicaragua und Uruguay. Von 1991 bis 2015 sollen etwa 150 Millionen US-Dollar Schmiergelder an die FIFA geflossen sein, die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt zudem wegen Unregelmäßigkeiten bei den WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022). Kurz nach seiner Wiederwahl trat FIFA-Präsident Sepp Blatter von seinem Amt zurück.

In der Resolution verlangen die Abgeordneten, dass alle in finanzielles Fehlverhalten verwickelten Offiziellen aus ihren Ämtern entfernt und Entscheidungen, die mit korrupten oder kriminellen Tätigkeiten zusammenhängen, überprüft werden. Sie unterstreichen die große Bedeutung der Ermittlungen der Schweizer und US-amerikanischen Justizbehörden zu der Entscheidung des FIFA-Exekutivkomitees, die Weltmeisterschaften 1998, 2010, 2018 bzw. 2022 an Frankreich, Südafrika, Russland bzw. Katar zu vergeben und begrüßen die Erklärung des Vorsitzenden der der Audit- und Compliance-Kommission der FIFA, dass die Vergabe der Weltmeisterschaft für 2018 und 2022 für ungültig erklärt werden könnte, wenn sich erweist, dass die Vergaben nur als Ergebnis korrupter Tätigkeiten zustande gekommen sind.

Das Parlament betont, dass die Korruption innerhalb der FIFA „zügellos, systembedingt und tief verwurzelt“ ist, und dass deshalb weitreichende Reformen des Fußballverbands erforderlich sind, einschließlich einer Überprüfung der Statuten, der Struktur, der Reglements und der operativen Strategien und Verfahren. Der Verband sollte Transparenz und Rechenschaftspflicht herbeiführen, insbesondere in Bezug auf die Entscheidungsprozesse und die Gehälter der höheren und gehobenen Führungsebene. Er sollte ebenfalls Amtszeitbegrenzungen und unabhängige Sorgfaltsprüfungen für Mitglieder des Exekutivkomitees einführen, so der Text.

Die Abgeordneten fordern die FIFA auf, strenge ethische Standards und einen Verhaltenskodex für ihre Leitung und ihr Exekutivkomitee einzuführen, die durch ein unabhängiges Aufsichtsorgan überwacht werden. Sie fordern zudem die Mitgliedstaaten und die EU auf, an allen laufenden und künftigen Untersuchungen zu Anschuldigungen wegen korrupter Praktiken in den Reihen der FIFA mitzuwirken. Die Mitgliedstaaten sollten die Zusammenarbeit bei der Durchsetzung der einschlägigen Rechtsvorschriften durch gemeinsame Untersuchungsgruppen und die Kooperation zwischen den Justizbehörden ausweiten und alle geeigneten Maßnahmen ergreifen, jedes mögliche Anzeichen für Korruption durch die FIFA und Offizielle nationaler Fußballverbände im EU-Gebiet zu verfolgen, so der Text der Entschließung.

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