Korruptionsskandal in Brasilien: Besessenheit führt Marcelo Odebrecht ins Verderben

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Marcelo Odebrecht sitzt im Gefängnis (Foto: Screenshot YouTube)
Datum: 28. Juli 2015
Uhrzeit: 12:54 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
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Im Zuge der „Operação Lava Jato“ (Waschmaschine) ist Marcelo Odebrecht am 19. Juni 2015 von der brasilianischen Bundespolizei „Policia Federal“ verhaftet worden. Ihm wird Korruption, Bestechung und Vernichtung von Beweismitteln vorgeworfen. Der Präsident des Baukonzerns „Construtora Norberto Odebrecht“ (CNO) soll ein Kartell zur Vergabe von Aufträgen des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras angeführt haben. Odebrecht wird inzwischen von der Staatsanwaltschaft angeklagt wegen des Verdachts auf Wirtschaftskriminalität, Beamtenbestechung, Geldwäsche und Preisabsprache. Zusammen mit elf weiteren Personen wurde er am Samstag (25.) in die Haftanstalt „Complexo Médico-Penal“ in Pinhais (Metropolregion Curitiba) überführt. Dort teilen sich die 16 Gefangenen der „Operação Lava Jato“ sechs Zellen, jede mit Bad WC und Waschbecken.

Bauingenieur Marcelo Bahia Odebrecht ist oberster Chef von Lateinamerikas größtem Ingenieur- und Bauunternehmen. Der 46-jährige stammt in direkter Folge von dem deutschen Einwanderer Emil Odebrecht ab. Er vertritt die dritte Generation am Ruder des Unternehmens, welches seinen Namen trägt. Sein Großvater Norberto war der Gründer und Vater Emilio dessen Nachfolger. Der „Dritte“, wie ihn die Ermittler im größten Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens nennen, ist introvertierter als sein Vater und weniger charismatisch als sein Großvater. Die Unternehmerfamilie hat nie einen Hehl daraus gemacht, keine Figur mit Charme an der Spitze des Konzerns zu haben. „Was wir brauchen, ist ein überlegener Geist“, lautete die Devise.

Marcelo Odebrecht wird als Führungskraft mit überdurchschnittlicher Intelligenz bezeichnet. Er erwarb seinen Abschluss im Bauingenieurwesen an der „Universidade Federal da Bahia“ im Jahr 1991 und erhielt seinen MBA an der Privaten Wirtschaftshochschule IMD in Lausanne (Schweiz) im Jahr 1996. Der Workaholic hatte eine Obsession, vor der Spitzenpolitiker innerhalb und außerhalb der Regierungspartei – einschließlich Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva – völlig zu Recht zittern. Jedes Telefonat, jedes noch so kleine Manöver oder Entscheidungsfindung, kommentierte er mit handschriftlichen Aufzeichnungen und hinterließ dadurch wertvolle Spuren für die Ermittler. Alles ging über seinen Schreibtisch und wurde mit entsprechenden Anmerkungen versehen. Diese Aufzeichnungen führten ihn ins eigene Verderben.

Die brasilianische Staatsanwaltschaft hat unzählige Notizen, Text-Nachrichten, E-Mail und mobile Nachrichten vom WhatsApp Messenger des CEO ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass Odebrecht jede einzelne Bewegung innerhalb des Unternehmens kannte und vollständig über den skandalösen Fall von Korruption im Bilde war. Am Montag (27.) wurden weitere brisante Details innerhalb der Beziehungen zwischen Odebrecht und der Nationalen Entwicklungsbank Brasiliens (BNDES) bekannt. Nur zwischen 2007 und 2014 hat das Institut Darlehen in Höhe von acht Milliarden US-Dollar an die Länder gewährt (unter anderem Kuba, Dominikanische Republik, Venezuela, Ghana und Angola), in denen Odebrecht Ausschreibungen gewann für die Projekte verantwortlich zeichnete.

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  1. 1
    Dr. Frans van den Horst

    Die typisch deutschen Tugenden, offensichtlich genetisch vererbt, sind ihm nun zum Verhängnis geworden einschliesslich seiner deutsch-ererbten Grosskotzigkeit. Hoffentlich lassen sie ihn nie wieder los.

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