Argentinien: Guido Westerwelle begrüsst Cristina Fernández

kirchner

Datum: 05. Oktober 2010
Uhrzeit: 14:21 Uhr
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Autor: Redaktion
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► Argentinien und Deutschland lernen voneinander und miteinander

Guido Westerwelle – Vize-Kanzler und Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, begrüsste anlässlich der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner. Der Auftritt des Bundesaußenministers auf der Frankfurter Buchmesse, deren Gastland in diesem Jahr Argentinien ist, ist Teil des verstärkten Engagements der Bundesregierung für den Ausbau der Beziehungen zu Lateinamerika.


Auszug der Rede von Guido Westerwelle in Frankfurt:

“Es ist mir ein persönliches Anliegen, wenn sich Argentinien als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert, an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. Stellvertretend für die gesamte argentinische Delegation danke ich Präsidentin Kirchner für die große Ehre, die sie uns durch ihre Anwesenheit erweist. Seit 1976 hat die Frankfurter Buchmesse einen regionalen Schwerpunkt.

Mit der Entscheidung für Lateinamerika als ersten Schwerpunkt 1976 hat die Buchmesse Weitsicht bewiesen. Als sich Lateinamerika damals in Frankfurt präsentierte, regierte in Argentinien die Militärdiktatur. Seit dieser Zeit hat sich viel verändert, politisch, gesellschaftlich und kulturell. Es ist kein Zufall, dass sich Argentinien hier in Frankfurt unter dem Motto „Kultur in Bewegung“ darstellt.

Schaut nach Lateinamerika. Trotz seiner über 500 Millionen Menschen wird Lateinamerika in Europa noch immer unterschätzt. Bei einer Reise nach Argentinien wird sich niemand der Dynamik vor Ort entziehen können. Argentinien ist ein Land im Aufbruch. Jeder Vierte ist jünger als 15 Jahre. Diese jungen Menschen sind angetrieben von ihrem Wunsch nach einem besseren Leben. Jeder Junge und jedes Mädchen träumt seinen persönlichen Traum vom Glück. Dieser Optimismus und Aufstiegswille sind eine wichtige Ressource.

Zwischen 2002 und 2007 wuchs die argentinische Wirtschaft um jährlich mehr als 8%. Trotz Weltwirtschaftskrise liegen die Prognosen für 2010 wieder bei 6 bis 8% Wachstum. Auch sein großes Potential für erneuerbare Energien machen Argentinien zu einem interessanten Partner. Deutschland exportierte 2010 Waren im Wert von mehr als 1,2 Milliarden Euro nach Argentinien. 230 deutsche Unternehmen sind vor Ort aktiv und haben mehr als 25.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Wer die Aufbruchstimmung in Lateinamerika erlebt hat und zugleich die Nähe, die man dort zu Europa empfindet, der wird verstehen, welch große Chancen für Kooperationen dort sind. Bei allen Schwierigkeiten, die wir in Lateinamerika sehen, angefangen bei dem Gegensatz zwischen Arm und Reich, über die ökologischen Herausforderungen bis hin zur Pressefreiheit, zur Finanzpolitik und zum Kampf gegen die Kriminalität, verbinden uns Europäer mit Lateinamerika vor allem Gemeinsamkeiten.

Mehr als andere Regionen ist Lateinamerika von den Wertvorstellungen der europäischen Aufklärung geprägt. Weil uns gemeinsame Werte verbinden, ist Argentinien für uns ein natürlicher Partner bei der Gestaltung der Globalisierung. Nicht umsonst gilt Argentinien als das europäischste Land Lateinamerikas. Zwischen 1860 und 1930 kamen insgesamt sechs Millionen Einwanderer nach Argentinien, fast alle aus dem alten Europa. Buenos Aires ist heute eine blühende Weltstadt mit einer faszinierenden Architektur.

Der große argentinische Dichter Jorge Luis Borges bezeichnet die Argentinier scherzhaft als „Italiener, die Spanisch sprechen und gerne Engländer wären, die glauben, in Paris zu leben.“ Man könnte diesen Satz guten Gewissens um einen Halbsatz zu Deutschland ergänzen. Immerhin leben allein in Argentinien fast eine Million Frauen und Männer mit deutschen Wurzeln. Argentinien war seit dem 19. Jahrhundert auch für viele Deutsche ein Sehnsuchtsort.

Die Verheißungen eines Sehnsuchtsorts und die Widrigkeiten und Glücksmomente des Ortes, an dem man tatsächlich landet, liegen eng beieinander. Auch die Preisträgerin des Deutschen Buchpreises schreibt von unerfüllten Hoffnungen ebenso wie von den genutzten Gelegenheiten, von den Schwierigkeiten des Ankommens.

Mit ihr haben die Ankommenden und die Angekommenen unserer Zeit eine neue Stimme gefunden. Ich beglückwünsche Melinda Nadj Abonji sehr herzlich zu Ihrem Preis. Auch aus Argentinien erreichen uns viele neue Stimmen. Allein in diesem Jahr sind über 200 neue Titel auf deutsch erschienen. Sie machen Lust darauf, sich mit Argentinien zu befassen.

Argentinien und Deutschland lernen voneinander und miteinander.

In Argentinien unterstützt Deutschland 20 deutschsprachige Schulen, an denen landesweit fast 16.000 Schüler unterrichtet werden. Im Frühjahr konnten unsere beiden Regierungen das deutsch-argentinische Hochschulzentrum auf den Weg bringen. Gemeinsam als gleichberechtigte Partner werden wir Doppelstudiengänge organisieren, deren Abschlüsse in beiden Ländern anerkannt sein werden.

Und ich freue mich sehr, dass im Dezember in Buenos Aires Lateinamerikas erstes Max-Planck-Partnerinstitut eingeweiht wird. Argentinien feiert in diesem Jahr die 200. Jahrestage ihrer Unabhängigkeit von europäischer Kolonialherrschaft. Vor zweihundert Jahren begann das Abschütteln der Fesseln der Kolonialherrschaft. Ich möchte alle Frauen und Männer in Argentinien zu ihrem Fest der Freiheit beglückwünschen.

Auch wir haben am Sonntag unsere Freiheit in Einheit gefeiert.

Umgeben von den Büchern, die die Freiheit der Ideen verkörpern, und mit Argentinien als Gastland könnte ich mir kein schöneren Ort als hier für ein gemeinsames Fest der Freiheit wünschen.

Señora Presidenta,

es para nosotros una gran alegría que esté aquí.

Tiene usted la palabra”.

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    was können (wollen) wir wohl von DER lernen, eine der korruptesten Politikerehen weltweit…der Ehemann schon wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht und die Gattin würde gerne die Presse gleichschalten lassen… – das ist wohl der BESTE Treppenwitz dieses Monats…

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