Ein Unglück kommt selten allein

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Datum: 12. Dezember 2009
Uhrzeit: 21:25 Uhr
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Carriacou1Bei unserem Strandspaziergang kamen wir nach einiger Zeit an einem kleinen Fischerdorf an. Dort entdeckten wir vor einer Kneipe einen alten Bekannten, nämlich unseren Skipper David. Er lag mit dem Kopf auf dem Tisch und schlief laut schnarchend wieder mal seinen Rausch aus. Die leere Rumflasche hatte er noch im Arm. Uns allerdings hatte er versichert, er würde sich sofort auf die Suche nach der Feuerwehrstation machen, um die Schiffsbatterie wieder einmal aufladen zu lassen.

Wie zu erwarten, war das Boot dann am nächsten Tag natürlich nicht startklar. Wir versuchten deshalb das Beste aus der Situation zu machen und genossen den Tag am Strand, während unser Skipper die Zeit nutzte, sein Boot wieder flott zu bekommen. Vor Anbruch der Nacht wollten wir unbedingt wieder in See stechen, um unsere Fahrt nach Tobago endlich fortzusetzen.

Nachdem er uns am Abend mit dem kleinen Beiboot wieder an Bord  geholt hatte, eröffnete er uns jedoch, dass der Start erneut verschoben werden müsse, da genau für den Kurs, den wir zu nehmen hatten Sturmwarnung gegeben worden war. Also verbrachten wir eben eine weitere Nacht an Bord, und auch den ganzen nächsten Tag. Dieses Mal hatte uns das Wetter und nicht unser Skipper einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am darauf folgenden Abend gingen wir das Risiko ein, endlich die Weiterfahrt nach Tobago zu wagen. Wir waren die einzigen, die das taten, alle übrigen Boote lagen immer noch vor Anker.

Es war ein herrliches Gefühl, als wir mit tuckerndem Motor und aufgeblähten Segeln, die Insel Carriacou hinter uns lassend, in die untergehende Sonne fuhren. Wir genossen es alle drei, denn jeder von uns wollte nun endlich ans Ziel gelangen. Bei mir hielt diese Hochstimmung nicht lange an, denn bereits in der Nacht wurde ich erneut seekrank.

Fast den ganzen nächsten Tag benötigten wir, eine kleine Insel zu passieren, vor der totale Flaute herrschte. Um den Schiffsmotor zu schonen, hatte David ihn ausgeschaltet. Alleine mit der Segelkraft, und dies ohne Wind, hielt er stur den direkten Kurs ein. Wir vermuteten, dass er, benebelt durch den Rum, nicht mehr in der Lage war, mit dem Boot zu kreuzen. Immer wieder schlief er am Ruder ein. Ein paar mal bemerkte ich am Stand der Sonne, dass wir uns mit dem Boot im Kreis gedreht hatten. Er korrigierte dann den Kurs zwar, tat aber so, als ob das normal wäre. Spät in der Nacht erspähten wir in der Ferne die Umrisse einer kleinen Inselgruppe. Dort hatten wir vor anzulegen, damit vor allem Rusty kurz an Land gehen konnte. Doch mittlerweile  war unser Skipper schon wieder so betrunken, dass mit ihm nicht mehr vernünftig zu reden war. Er fuhr einfach daran vorbei. Unsere Wut auf ihn wuchs unbeschreiblich. Wie konnte er so rücksichtslos und verantwortungslos handeln, mit einem derart maroden Boot, ohne jegliche Notfallausrüstung, ohne Lebensmittel und Wasser aufs offene Meer zu segeln, und dadurch leichtsinnig Menschenleben zu gefährden. Unsere Geduld war am Ende. Wir wollten nur noch so schnell wie möglich sicher unser Ziel erreichen. Doch davon waren wir noch weit entfernt.

Gegen Ende der übernächsten Nacht wurden wir geweckt durch lautes Krachen an Deck. Als wir nach oben hasteten, bemerkten wir zunächst nichts von der Misere, da David uns gleich voller Freude in der Ferne Lichter zeigte. Und zwar die Lichter von Tobago, wie er sagte. Wir waren unbeschreiblich erleichtert. Nun hatten wir endlich bald geschafft, woran wir schon fast nicht mehr geglaubt hatten.

Doch wo war die Erklärung für den Krach, der uns geweckt hatte? David hatte in völlig betrunkenem Zustand nicht Acht gegeben. Beim Setzen des Segels war ihm dieses herunter gedonnert, dabei zerrissen und nun unbrauchbar. Er gab zwar vor, auch mit dem kleinen Focksegel manövrieren zu können, doch schon ein paar Stunden später mussten wir feststellen, dass dies nicht zutraf. Der stürmische Wind, der in der Nacht erneut aufgekommen war, trieb uns im Morgengrauen nämlich an den Lichtern der Insel Tobago vorbei. Wir mussten fassungslos miterleben, wie unser Boot wieder hinaus aufs offene Meer gezogen wurde.

Unsere Stimmung war verzweifelt.

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